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Glückwunsch

08.07.2014
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Adexa feiert Geburtstag. Im Jahr 1954 haben sich die Tarifgemeinschaften der Länder zum Bundesverband der Angestellten in öffentlichen Apotheken zusammengeschlossen. Mehr Masse ergibt mehr Schlagkraft war die Strategie. Sie ging auf. 60 Jahre später ist die vor 10 Jahren in Adexa umbenannte Gewerkschaft eine ebenso erfolgreiche wie umsichtige Interessensvertretung für angestellte Apothekenmitarbeiter. Am vergangenen Wochenende hat sie ihr Jubiläum in Hamburg gefeiert (Adexa: Gewerkschaft wird 60 Jahre alt).

 

Gewerkschaften haben nicht immer den besten Ruf. Sie vertreten exklusiv die Interessen ihrer Mitglieder und sind jederzeit bereit, über Streiks ihre eigenen Interessen durchzusetzen, indem sie Unbeteiligte in Geiselhaft nehmen. Adexa tut dies nicht. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Apothekenmitarbeiter nie gestreikt. Sie haben ihre Interessen nicht auf dem Rücken der Patienten durchgesetzt. Das ist löblich.

 

Nicht zu streiken, ist natürlich nur dann eine gute Entscheidung, wenn die Ziele auf einem anderen Weg erreicht werden. Das gelingt Adexa recht gut. In den vergangenen 60 Jahren haben sie 30 Rahmentarifverträge und 49 Gehaltstarifverträge mit dem Arbeitgeberverband deutscher Apotheken ausgehandelt, ganz ohne Arbeitskämpfe. Dabei hat die Gewerkschaft bereits 1968 die erste Regelung zur Notdienstvergütung erkämpft, 1994 war der gesamtdeutsche Rahmentarifvertrag unter Dach und Fach. Gleichen Lohn in Ost und West gab es für Apothekenmitarbeiter ab 2007.

 

Adexa hat in schwierigen Situationen keine Berührungsängste mit den Apothekenleitern. Als 2006 das GKV-Wettberwerbsstärkungsgesetz und 2010 das AMNOG didkutiert wurden, versuchten Angestellte und Leiter gemeinsam das Schlimmste zu verhindern. Das wird in ähnlichen Situationen auch in der Zukunft so sein.

 

An einem Punkt sind Adexa und Apothekenleiter allerdings machtlos: Immer noch verdienen hoch qualifizierte Apothekenmitarbeiter im Vergleich zu anderen Berufen zu wenig. So lange sich die Vergütung der Apotheken nicht oder nur marginal bessert, können viele Betriebe die Leistung ihrer Mitarbeiter nicht angemessen honorieren. Dieses Problem lösen nicht die Arbeitgeber und auch nicht Adexa. Die Tarifparteien können nur auf die negativen Konsequenzen hinweisen, wenn für die Arzneimittelversorgung wichtige Gesundheitsberufe an Attraktivität verlieren. Die Politik steht hier in der Pflicht.

 

Daniel Rücker 

Chefredakteur 

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