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AOK-Positionen

Offensive gegen Apotheker

05.07.2017
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Von Anna Pannen, Berlin / Die AOK will das Fremd- und Mehrbesitzverbot aufheben, Direktverträge mit Versandapotheken schließen und die Zyto- und Impfstoffverträge erneuern. All das fordert die Kasse für die kommende Legislaturperiode.

Die AOK hat es sich mit den Apothekern wohl vorerst verscherzt. Diesen Eindruck vermittelt jedenfalls das Positionspapier zur Bundestagswahl. Der Bundesverband der Kasse stellte es am Dienstag in Berlin vor. Gleich an mehreren Stellen geht das Papier frontal gegen feststehende Säulen des Berufsstands an.

So will die AOK etwa das Fremd- und Mehrbesitzverbot abschaffen und ist damit auf Linie mit dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung. Der AOK-Vorstandsvorsitzende Martin Litsch nannte es eine »mittelalterliche Vorstellung aus der Zeit der Fugger«. Es sei unzeitgemäß, dass sich ein einzelner Wirtschaftszweig in einer rechtlich geschützten Lage befindet. »Wenn wir uns die Zahl der Apotheken in Deutschland anschauen, müssen wir uns um sie auch keine Sorgen machen«, frotzelte der AOK-Chef. Auch die packungsbezogene Vergütung der Pharmazeuten ergibt Litsch zufolge »keinen Sinn« und müsse an moderne Zeiten angepasst werden. Dass sich an der Preisbindung für Rx-Medikamente rütteln lässt, glaubt jedoch auch der AOK-Chef nicht.

 

Für die Apotheker kommt es aber noch dicker: Die AOK will künftig Direktverträge mit Versandapotheken abschließen. Sie sollen AOK-Versicherte günstig mit Arzneimitteln versorgen. Versender mit Sitz im europäischen Ausland dürfen seit dem vergangenen Jahr Rabatte auf verschreibungspflichtige Medikamente geben. »In solchen Verträgen können wir sehr konkrete Bedingungen vereinbaren, das finden wir gut«, sagte Litsch. Offizin-Apotheker finden die Pläne vermutlich weniger gut. Ihnen riet der AOK-Chef, mehr Geld für Beratungsleistungen zu verlangen, denn dort liege ihre Kernkompetenz.

 

Zytostatika-Versorgung

 

Auch Exklusivverträge kamen zur Sprache. Die AOK ärgert sich, dass Kassen seit Inkrafttreten des Arzneimittel-Versorgungsstärkungsgesetzes keine solchen Abkommen zur Impfstoff- und Zytostatika-Versorgung mehr schließen dürfen und klagt über hohe Ausgaben: Alle Kassen zusammen haben Litsch zufolge durch die Neuregelung bereits eine halbe Milliarde Euro verloren. Die Rabattverträge mit den Zytostatika-Herstellern brächten dagegen kaum etwas ein. Die AOK fordert deshalb, die Zyto-Verträge wieder einzuführen. Litsch wies auch darauf hin, dass die alten Verträge rein rechtlich gesehen noch bis September gelten. Einige Apotheken ohne Vertrag würden jedoch schon jetzt wieder Zytostatika für AOK-Patienten herstellen. Sie müssten sich auf Retaxierungen einstellen, drohte der AOK-Chef. /

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