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Biomedizin

Mäusemänner ein Problem für Menschenfrauen

05.07.2017  09:50 Uhr

Von Daniela Hüttemann / 80 Prozent der Studien in der präklinischen medizinischen Forschung nutzen ausschließlich männliche Tiere. Das hat Folgen für die Sicherheit und Wirksamkeit von Medikamenten für Frauen, warnen Forscher des Wellcome Trust Sanger Institutes in Cambridge im Fachjournal »Nature Communications« (DOI: 10.1038/ncomms15475). In der bislang größten Studie ihrer Art konnten die Wissenschaftler um Dr. Natasha Karp zeigen, dass die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Mäusen einen spürbaren Effekt haben und somit die Ergebnisse von Medikamententests deutlich beeinflussen können.

 

In der Studie mit mehr als 50 000 Mäusen zeigte sich, dass mehr als die Hälfte der untersuchten quantitativen körperlichen Eigenschaften wie Knochendichte und Cholesterin-Spiegel sich zwischen Maus und Mäuserich ­unterscheiden.

Insgesamt zeigten sich deutlich mehr Unterschiede als bislang angenommen, auch bei gentechnisch veränderten Tieren. Die Forscher werten das als Beleg dafür, dass die zugrunde liegende Genetik bei Krankheiten für Männer und Frauen eine andere sein kann – und damit auch die erforderliche Behandlung.

 

Frauen seien derzeit immer noch unterrepräsentiert in klinischen Studien, kritisieren die Autoren in einer ­begleitenden Pressemitteilung. Seit zwanzig Jahren ist es in den USA erforderlich, dass auch Frauen an klinischen Studien teilnehmen. Ihr Anteil hat sich von 9 Prozent im Jahr 1970 auf 41 Prozent im Jahr 2016 erhöht. Doch auch das sei noch zu wenig. Zumal es wenig nützt, wenn bereits in der Präklinik falsch selektiert wird. So könnten wirksame Substanzen für Frauen es erst gar nicht in klinische Studien schaffen.

 

Auch in Tierversuchen müssen daher geschlechtsspezifische Unterschiede stärker berücksichtigt werden, fordern nun Karp und Kollegen. »Statt die Ergebnisse auf das andere Geschlecht zu extrapolieren, sollten Experimente so geplant werden, dass beide Geschlechter bei der Erforschung einer Erkrankung berücksichtigt werden«, kommentiert Koautor Professor Dr. Steve Brown. /

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