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Gesundheitspolitik

»Mittler zwischen Patient und Arzt«

06.07.2016
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Von Ev Tebroke / Der anstehende Entwurf zum sogenannten Pharmagesetz weckt bei den Apothekern viele Erwartungen, aber auch Befürchtungen. Welche Ergebnisse des Pharmadialogs werden wie umgesetzt? Müssen Apotheker um eine Kappung ihrer 3-Prozent-Marge fürchten? Die gesundheitspolitische Sprecherin der Union, Maria Michalk (CDU), äußert sich im Gespräch mit der PZ zu möglichen Veränderungen.

PZ: Die Gesundheitsbranche steht im Zuge des demografischen Wandels vor neuen Herausforderungen. Wo sehe­n Sie künftig die Position des Apothekers?

 

Michalk: Der Apotheker hat eine ganz entscheidende Rolle. Wir sehen ihn als den Mittler zwischen dem Patienten und dem Arzt. Der Apotheker ist der Letzte in der Versorgungskette, der noch einmal alles überprüft. Er ist verantwortlich für die Arzneimittelsicherheit. Wenn wir die elektronische Gesundheitskarte mit dem Medikationsplan haben, kann und muss der Apotheker die Kontrolle halten. Das macht die Versorgung der Patienten sicherer, weil es gelingt, Arzneimittelunverträglichkeiten besser als bisher auszuschließen. Letztlich spart dies dem Gesundheitswesen Geld, da Folgekosten durch Behandlung von unerwünschten Nebenwirkungen vermieden werden können. Der Apotheker muss auch seine Beratungsfunktion weiter stärken. Und wenn ich an die Wirkstoffverordnung beim Arzneimittelprojekt Sachsen-Thüringen (ARMIN) denke, dann hat er zusätzlich noch eine Koordinierungsfunktion.

 

PZ: Halten Sie die aktuell im E-Health­-Gesetz vorgesehene Rolle des Apothekers beim Medikationsplan für ausreichend? Er darf ja den Plan nur ergänzen, nicht erstellen.

 

Michalk: Das ist ein erster Schritt. Wenn der Medikationsplan künftig elektronisch umgesetzt wird, ist der Apotheker auch mehr eingebunden. Die Verordnung bleibt weiterhin beim Arzt. Im Rahmen der sich nun entwickelnden Versorgungsnetze wird der Apotheker den Arzt noch stärker beratend unterstützen.

 

PZ: Wenn der Apotheker sein Wissen in Zukunft mehr einbringen soll, wie sieht es mit der Vergütung aus?

 

Michalk: Dass die Apotheker eine Nachbesserung der Honorare für geboten halten, weil sie viel mehr Aufwand haben, ist legitim. Das werden wir uns auch anschauen. Vielleicht haben wir die Apotheker mit einigen Überlegungen irritiert. Diese sind aber keine beschlossene Sache. Die Diskussion hält an. Wir kennen den Mehraufwand des Apothekers bei der Zubereitung von Rezepturen und der Abgabe von BtM-Rezepten. Da gilt es, die Vergütung zu überprüfen. Wenn sich Medikamentensortimente hinsichtlich Packungsgrößen und Preisen über die Jahre verändern, dann ist es angebracht zu schauen, wie das für den Apotheker wirkt.

 

PZ: Mit Ihrem Vorstoß im Positionspapier zum Pharmadialog, das prozentuale Honorar der Apotheker, die 3-Prozent-Marge, bei Hochpreisern zu begrenzen, haben Sie für viel Aufruhr bei den Apothekern gesorgt. Sind eventuelle Kompensationsgeschäfte vom Tisch, einerseits das Honorar für Rezepturen zu erhöhen und andererseits die Marge zu deckeln?

 

Michalk: Das kann ich Ihnen aktuell nicht sagen. Es steht nach wie vor im Raum. Wir diskutieren das mit allen Argumenten Pro und Kontra. Und rechnen auch mal durch. Wir wollen niemandem schaden, wir wollen den Apothekern auch nichts wegnehmen. Das ist mir ganz wichtig. Wir wollen einfach, dass die Verteilungsmechanismen an die aktuelle Entwicklung angepasst werden

 

PZ: Und Ihre persönliche Meinung zu dem Thema?

 

Michalk: Ich finde, wenn ich für den gleichen Aufwand wesentlich mehr Geld bekomme, nur weil der Preis des Produkts, das ich in die Hand nehme, gestiegen ist, dann ist das zu hinterfragen. Aber es darf unterm Strich nicht weniger Vergütung dabei herauskommen. Die individualisierte Medizin bringt Veränderungen: Die Menschen werden künftig hoffentlich weniger, aber dafür passgenauere Medikamente einnehmen. Für die Zukunft müssen wir dies mitbe­denken.

 

PZ: Apotheker und viele Kassen haben sich wiederholt für die Abschaffung der Importquote ausgesprochen. Für wie sinnvoll halten Sie die Quote?

 

Michalk: Auch das ist uns ein wichtiges Thema. Dort spielen die Differenzen zu hochpreisigen Medikamenten eine stärkere Rolle. Unser Vorschlag ist eine Veränderung von 15 Euro auf 15 Prozent.

 

PZ: Aber Sie wollen an der Quote festhalten?

 

Michalk: Unter dem Aspekt der Versorgungssicherheit und mit der Intention, alle Möglichkeiten der Medikamentenbereitstellung nutzen zu wollen, kann eine Abschaffung eher nicht die erste Lösung sein. Ich plädiere für eine prozentuale Quote. Damit reagieren wir auf die unterschiedlichen Preiskonstellationen.

 

PZ: Was die Preise betrifft: Kassen und Industrie plädieren für eine Geheimhaltung der Erstattungspreise. Wie ist die Position der CDU?

 

Michalk: Wir unterstützen die Vereinbarung des Pharmadialogs, die verhandelten Preise nicht öffentlich zu machen. Die Einigung ist politisch zu sehen. Beide Verhandlungsseiten mussten sich entgegenkommen. Daher galt es an diesem Punkt, auch die Argumente der Hersteller zu berücksichtigen und zu verstehen, dass die Preisbildung hierzulande Einfluss auf die europä­ische Preisfindung hat.

 

PZ: Wie soll dies mit Blick auf die 3-Prozent-Marge abgewickelt werden? Bleiben die Preise auch für die Apotheker geheim und diese rechnen mit dem Listenpreis ab, oder werden sie einbezogen und müssen sich dann am Erstattungspreis orientieren?

 

Michalk: Gute Frage. Die mögliche Umsetzung müssen wir im Kontext der Praktikabilität für den Arzt und die Apotheke im Tagesgeschäft diskutieren.

 

PZ: Probleme bei der Umsetzung sehen die Apotheker auch bei dem geplanten Gesetz zur Aufzeichnungspflicht für digitale Kassensysteme. Wie soll dies mit Blick auf den Schutz der Patientendaten gelöst werden?

 

Michalk: Das sind sensible Daten, ganz klar. Für die Apotheke brauchen wir eine klare Regelung. Da der Apotheker den Medikationsplan in seinem System gespeichert hat und Zugriff zum Patientenkonto erhält, müssen digitale Kassensysteme davon getrennt sein.

 

PZ: Nicht nur beim Medikationsplan, sondern auch beim Thema Prävention fordern die Apotheker eine bessere Einbindung. Zurzeit laufen Gespräche zwischen Ärzten und Apothekern zum Thema Impfen. Apotheker könnten künftig einen Impfcheck durchführen. Ist hierfür eine Vergütung vorgesehen?

 

Michalk: Im Präventionsgesetz ist zwar das Impfen ein wichtiger Punkt, aber keine separate Vergütung für diese Leistung vorgesehen. Das würde auch der Systematik widersprechen. Möglichkeiten bestehen über die Landesrahmenvereinbarungen der Bundesländer über regionale Netzwerkgemeinschaften. Das zur Verfügung stehende im Gesetz festgeschriebene Budget von je 7 Euro pro Versichertem wird jeweils auf die Länder umgelegt und kann auf alle Akteure innerhalb eines regionalen Netzwerks verteilt werden. Die Apotheker können sich an diesen Netzwerken jederzeit beteiligen. Sie können in ihrem Leistungsspektrum besondere Dienste durchaus anbieten und die Aufwendungen erhalten. Die Landesrahmenvereinbarungen sollen Freiheiten für das Erbringen präventiver Leistungen eröffnen. Wir setzen stark auf das betriebliche Gesundheitsmanagement. Auch dort könnten sich Apotheker einbringen. Es gibt viele Möglichkeiten. Ich wünsche mir, dass rasch alle Akteure vor Ort präventive Netzwerke bilden. Mir dauert die Umsetzung zu lange. Das Gesetz gibt es nun über ein Jahr. Nur wenige Länder haben bisher eine Landesrahmenvereinbarung. Ich bin dankbar für jede Initiative, die dieses Thema pusht. /

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