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Mäuse

Positive Erinnerungen gegen depressive Stimmung

01.07.2015
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Neuronen zu aktivieren, die glückliche Erinnerungen gespeichert haben, hilft gegen Depressionen – zumindest in Experimenten mit Mäusen. Das berichten Forscher um den Nobelpreisträger Professor Dr. Susumu Tonegawa vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge im Fachjournal »Nature« (DOI: 10.1038/nature14514).

 

Die Wissenschaftler entwickelten für ihre Untersuchungen eine Methode, die als Optogenetik bezeichnet wird. Sie züchteten Mäuse, die in Neuronen lichtsensitive Proteine exprimieren, wenn diese aktiv sind. Dadurch können Nervenschaltkreise markiert werden, die für bestimmte Erinnerungen stehen, beispielsweise von positiven oder negativen Erfahrungen.

 

Mit dieser Technik markierten die Forscher einen Schaltkreis im Gyrus dentatus (einer Struktur im Hippocampus), der mit positiven Erfahrungen verbunden war. Im Fall der männlichen Mäuseprobanden war dies, Zeit mit einem Weibchen verbringen zu dürfen. Anschließend stressten die Wissenschaftler die Mäuse, indem sie die Bewegungsmöglichkeiten der Tiere über zehn Tage stark einschränkten. Diese zeigten daraufhin Anzeichen von Depression wie Lust- und Antriebslosigkeit. Dieses Verhalten konnten die Forscher beseitigen, indem sie durch Licht den positiven Schaltkreis künstlich reaktivierten. Sie bestrahlten den Hippocampus mit einer blauen Leuchtdiode und konnten über den lichtsensitiven Schalter in den Nervenzellen Aktivität auslösen. Wenn sie die Tiere über fünf Tage zweimal täglich für 15 Minuten bestrahlten, verschwand das depressive Verhalten längerfristig. Wieder Zeit mit einem Mäuseweibchen verbringen zu dürfen, hatte bei den depressiven Tieren dagegen keinen positiven Effekt.

 

Die Studienergebnisse liefern eine wissenschaftliche Erklärung dafür, warum Psychotherapien, bei denen positive Erinnerungen wachgerufen werden, manchen Patienten mit Depressionen helfen, sagt Tonegawa in einer Pressemitteilung. Bei Menschen ist das Verfahren nicht anzuwenden, da es bislang keine geeigneten Möglichkeiten gibt, einzelne Neurone künstlich zu aktivieren. /

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