Pharmazeutische Zeitung online
Brechdurchfall

Noroviren sind häufigste Auslöser

02.07.2014
Datenschutz bei der PZ

Von Daniela Biermann / Fast jede fünfte akute Gastroenteritis mit Durchfall und Erbrechen weltweit geht auf das Konto von Noroviren. Das geht aus der bislang größten Metaanalyse von Gastroenteritis-Fällen hervor, die jetzt im britischen Fachjournal «The Lancet» erschien. Gegen Norovirus-Infektionen gibt es weder Impfungen noch ursächliche Therapiemöglichkeiten.

Insgesamt 175 Studien hat das Team um Dr. Benjamin Lopman von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC in die Metaanalyse miteinbezogen. Diese umfasst Daten aus 48 Ländern mit 187 000 Erkrankungen in allen Altersgruppen; auch deutsche Studien flossen mit ein. Demnach verursachen die hochansteckenden Noroviren 20 Prozent der Erkrankungen in Industrieländern und 14 bis 19 Prozent in Entwicklungsländern, berichten die Forscher (doi: 10.1016/S1473-3099(14)70776-5). Dort ist die absolute Rate an Magen-Darm-Infektionen jedoch auch durch andere Keime und oftmals schlechte hygienische Bedingungen insgesamt höher. Schätzungsweise sterben weltweit jährlich 1,45 Millionen Menschen an einer akuten Gastroenteritis.

 

Norovirus-Infektionen lassen sich auch unter guten hygienischen Bedingungen nicht immer vermeiden. Schon 18 Viruspartikel in Essen, Wasser oder auf Oberflächen reichen aus, damit eine gesunde Person erkrankt. Ein Gramm Stuhl einer infizierten Person kann nach Angaben der Autoren mehr als eine Milliarde Viren enthalten. Zudem bleibt der Stuhl infizierter Personen über mindestens eine Woche ansteckend. Das deutsche Robert-Koch-Institut empfiehlt daher vorbeugend eine sorgfältige Sanitär- und Händehygiene.

 

Eine Erkrankung kann milde bis symptomlos verlaufen, aber auch schwere Verläufe bis hin zu Todesfällen sind möglich. Durchfall allgemein kostet in Entwicklungsländern jährlich 200 000 Kindern unter fünf Jahren das Leben.

 

Lopman zufolge müsse man noch viel darüber lernen, wie Noroviren am besten zu kontrollieren sind. Es existieren weder eine ursächliche Therapiemöglichkeit noch eine Impfung. Der Erreger gehört zur Familie der Calici­viren und zeigt eine ausgeprägte Genomvaribilität. Unterschieden werden fünf Genomgruppen. Die humanpathogenen Gruppen I und II umfassen wiederum jeweils mindestens 20 Genotypen. Sie lassen sich bislang nicht auf Zellkulturen vermehren, was die Impfstoffentwicklung erschwert. Gearbeitet wird zum Beispiel an virusähnlichen Partikeln, die eine bestimmte Kohlenhydratstruktur auf menschlichen Zellen blockieren sollen, an denen Noroviren andocken. /

Mehr von Avoxa