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ARMIN

Medikationskatalog geht an den Start

02.07.2014
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Von Stephanie Schersch und Ev Tebroke / Am 1. Juli fiel der Startschuss: Ab sofort können teilnehmende Apotheker und Ärzte im Rahmen der Arzneimittelinitiative Thüringen-Sachsen (ARMIN) die Wirkstoffverordnung und den Medikations­katalog nutzen. Ziel des Modellprojekts ist eine erhöhte Qualität und Wirtschaftlichkeit der Arzneimittelversorgung.

Die Thüringer Apothekerschaft freut sich nach Angaben ihres Verbandsvorsitzenden Stefan Fink über den Start des Modellversuchs. Die Informationsveranstaltungen zu ARMIN speziell für die Thüringer Apothekenleiter seien von mehr als 70 Prozent der Mitglieder besucht worden. »Die Resonanz war durchgehend sehr positiv«, so Fink. Auch in der Thüringer Ärzteschaft sei das Modellprojekt bei zwei Informationsveranstaltungen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Thüringen auf großes Interesse gestoßen.

 

Ärzte sind zurückhaltend

 

In Sachsen ist die Resonanz der Apotheker ebenfalls sehr gut, wie die Vorsitzende des Sächsischen Apothekerverbands, Monika Koch, auf Anfrage der PZ mitteilte. Leider zeige sich aber die Ärzteschaft gegenüber ARMIN nach wie vor sehr zurückhaltend. Vor allem Mediziner im ländlichen Raum, aufgrund der Unterversorgung mit Praxen stark belastet, hätten Angst vor zusätzlichem Aufwand. Ein Punkt, der bei Koch auf Unverständnis stößt, da eine Betreuung der Patienten mithilfe des Medika­tionsmanagements die Arztpraxen mittelfristig schließlich entlaste. Vor diesem Hintergrund sei es erst recht nicht nachvollziehbar, warum der sächsische Hausärzteverband die Mediziner das Medikationsmanagement lieber alleine machen lassen wolle, so Koch.

 

Mit Blick auf die Anzahl der Teilnehmer zeigen sich die Projektverantwortlichen grundsätzlich zufrieden. Nach Angaben von Fink bewegen sich die Teilnehmerzahlen bei den Ärzten in Sachsen und Thüringen momentan im zweistelligen, bei den Apothekern jeweils im dreistelligen Bereich.

 

Erfreulich sei vor allem auch, dass die anspruchsvolle technische Umsetzung der Wirkstoffverordnung in allen Apotheken pünktlich möglich sei. »Für die gute Zusammenarbeit ist den Apothekensoftware-Herstellern Anerkennung und Dank auszusprechen«, sagte Fink. Auch ein Anbieter von Praxis-­Verwaltungssystemen sei bereits zertifiziert, weitere große Anbieter befänden sich noch im Zertifizierungsprozess und würden im Laufe des dritten Quartals dieses Jahres die Umsetzung unterstützen, so Fink.

 

Beim Hauptstadtkongress in Berlin betonte auch ABDA-Präsident Friedemann Schmidt noch einmal die Bedeutung des Modellprojekts für eine bessere Compliance der Patienten. ARMIN verlange von allen Seiten eine erhebliche Bereitschaft zur Kooperation, sagte er. »Einen hunderprozentigen Erfolg erreichen wir aber nur dann, wenn Arzt und Apotheker zusammenarbeiten.«

 

Die dritte Säule des Projektes, das Medika­tionsmanagement, soll nach Angaben der Projektverantwortlichen planmäßig im ersten Quartal 2015 starten. /

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