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Uni Marburg

Kooperation mit China

30.06.2014
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Von Christof Wegscheid-Gerlach / Die Kooperation zwischen Deutschland und China in den Gesundheitswissenschaften, zu denen die Pharmazie und die Medizin gerechnet werden, hat eine lange Tradition. In diesem Jahr konnten wieder fünf Studierende der Huazhong Universität in Marburg zu einem dreimonatigen Aufenthalt am Fachbereich Pharmazie begrüßt werden, um Forschungsarbeiten für ihr Studium durchzuführen.

Die Arbeitsgebiete und die Betreuer konnten von den Studierenden selbst ausgesucht werden, wobei die Interessen der Studierenden sehr breit gefächert waren. Die einzelnen Arbeitsgruppen des Fachbereichs konnten die Wünsche der Austauschstudierenden erfüllen.

 

So beschäftigte sich Zhang Shuo in der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Marc Schneider am Institut für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie mit der Herstellung von nanoskaligen, stabilisatorfreien Wirkstoffträgern aus bioabbaubaren Polymeren. Chen Wang bekam in der Arbeitsgruppe von Professor Bünemann die Aufgabe, den ersten Schritt der Signalweiterleitung über Adrenalin-Rezeptoren zu untersuchen. Insbesondere sollte sie analysieren, wie hoch die Selektivität der Ankopplung dieser Rezeptoren an intrazelluläre Signalproteine ist. Diese Arbeit soll dabei helfen zu verstehen, wie Arzneimittel über sogenannte G-Protein-gekoppelte Rezeptoren spezifische Antworten des Organismus aus-lösen.

 

Yue Zhang forschte an den Mechanismen der Desensibilisierung von Adrenalin-Rezeptoren. Dieses Phänomen führt zu einem Abschalten der Rezeptoren nach Stimulierung mit Arzneimitteln, und damit zu einem Wirkungsverlust. Shu Na Wang und Wan Wei haben in der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Carsten Culmsee neue Mechanismen der Neurodegeneration erforscht. Im Fokus der Untersuchungen standen dabei insbesondere Veränderungen in den Mitochondrien, die als Energielieferanten der Zelle eine besondere Bedeutung für die Funktionen und das Überleben von Nervenzellen haben. Die Erkenntnisse aus diesen Untersuchungen sind Teil der Bachelor-Arbeiten von Wang und Wei und dienen auch als Grundlage für neue pharmakologische Strategien der Neuroprotektion, die bei neurologischen Erkrankungen Nervengewebe schützen und Gehirnfunktionen erhalten sollen.

 

Praktikum in China möglich

 

Die Partnerschaft zwischen Marburg und Wuhan wird auch durch Auslandsaufenthalte von Marburger Studierenden intensiviert. Zum Ende des Sommersemesters werden wieder Studenten aus Deutschland für eine Zeit nach China gehen, um das Praktikum innerhalb des wahlobligatorischen Unterrichts an der Huazhong Universität am Standort Wuhan durchzuführen. Nachdem 2012 zwei Studenten einen Auslandsaufenthalt in Wuhan erfolgreich absolviert haben, werden in diesem Jahr neun Studierende der Einladung des Partner-Fachbereichs folgen, um ihr Forschungspraktikum im Ausland zu bestreiten und einen Einblick in den Ablauf des Pharmaziestudiums in China zu erhalten.

 

»Will man als Marburger Student neben der Praktikumstätigkeit China kennen lernen, ist man in Wuhan genau am richtigen Platz«, erläutert der Dekan des Fachbereichs Pharmazie, Professor Dr. Michael Keusgen. Die Industriemetropole im Herzen Chinas liegt fernab von internationalen touristischen Strömen. In der Stadt finden sich neben hochmodernen Bürobauten und Einkaufszentren auch noch Gebäudekomplexe aus ganz unterschiedlichen Perioden, in denen man chinesische Lebensart in nahezu unverfälschter Weise erfahren kann. Alleine die Straßenverkaufsstände rund um die Universität sind ein Erlebnis für sich. Und wenn man schon einmal in Wuhan ist, sollte man einen Besuch des heiligen Klosterberges Wudang nicht versäumen. /

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