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HIV

Ende der Epidemie dank Therapie denkbar

02.07.2014
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Von Sven Siebenand, Köln / Obwohl an eine wirksame HIV-Impfung in den nächsten Jahren oder gar Jahrzehnten nicht zu denken ist, kann man vom Ende der HIV-Epidemie träumen. Das wäre durch den flächendeckenden Einsatz der bereits verfügbaren antiviralen Medikamente bei HIV-Infizierten möglich.

 

Diese These stellte Professor Dr. Jan van Lunzen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf auf einer Pressekonferenz anlässlich des Kongresses für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin in Köln auf. Die HIV-Epidemie sei mittlerweile kein medizinisches, sondern ein rein finanzielles und politisches Problem.

Gestützt wird diese Aussage durch die Ergebnisse der sogenannten Partner-Studie, in die 1145 serodiskordante Paare eingeschlossen wurden, das heißt je ein Partner war HIV-positiv und einer HIV-negativ. Die HIV-infizierten Partner waren so gut mit antiviralen Medikamenten behandelt, dass keine Viren mehr im Blut nachweisbar waren. Trotz der Erkrankung des einen Partners hatten die Paare häufig Geschlechtsverkehr ohne Kondom. Insgesamt waren es in der Studie etwa 50 000 ungeschützte Sexualkontakte und nicht in einem Fall kam es dabei laut van Lunzen zur Ansteckung des bisher nicht infizierten Partners.

 

Der Mediziner verwies darauf, dass dieses Ergebnis für heterosexuelle Paare sicherer ist als für Männerpaare. Bei diesen seien es insgesamt zu wenige Partnerjahre gewesen, um eine ebenso sichere Aussage treffen zu können. Deshalb soll die Fortführung der Partner-Studie nun auch die Ergebnisse bei homosexuellen Paaren belastbarer machen. Der Mediziner betonte, dass die Ergebnisse keinesfalls zu ungeschütztem Verkehr auffordern sollen. Schließlich könne man sich auch andere Infektionen wie Hepatitis B, Syphilis und Chlamydien dabei einfangen. Auch die Partner-Studie zeigt die Gefahren von Sex ohne Kondom auf. Denn bei Seitensprüngen infizierten sich einige Teilnehmer der Studie mit HIV. »Über die Analyse der genetischen Struktur der ­Viren konnten wir eine Infektion über den festen Partner ausschließen«, so van Lunzen.

 

Gewissenhafte Einnahme

 

Damit eine HIV-Therapie den nicht infizierten Partner vor der Ansteckung schützt, muss der Erkrankte seine Medikamente richtig und regelmäßig einnehmen. »Die Medikamente mal ein zwei Wochen auslassen, geht nicht«, so der Mediziner. Er warnte zudem davor, dass die falsche Einnahme auch dazu führt, dass schnell Resistenzen entstehen. Die resistenten Viren werden dann übertragen. Damit könne man sich die Erfolge und Fortschritte in der HIV-Therapie schnell wieder kaputt machen. / 

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