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Großhandel

Weniger Rabatte für die Apotheken

06.07.2010
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Von Uta Grossmann / Die Vergütung des pharmazeutischen Großhandels soll auf 60 Cent pro Packung und einen Zuschlag von 1,7 Prozent des Herstellerabgabepreises umgestellt werden. Das hätte massive Einschnitte bei den Rabatten für Apotheken zur Folge.

Die Umstellung der Großhandelsvergütung auf einen Festzuschlag plus prozentualen Zuschlag ist Teil des Kabinettsentwurfs zum Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes in der Gesetzlichen Krankenversicherung (AMNOG). Der Entwurf geht am 9. Juli zur ersten Lesung in den Bundestag. Der Großhandel selbst hatte eine Neuregelung gefordert. Allerdings lautete der Vorschlag des Bundesverbands des pharmazeutischen Großhandels (Phagro): pro Packung 93 Cent plus ein prozentualer Aufschlag von drei Prozent.

Die jetzt vorgeschlagene Vergütung von 60 Cent pro Packung und einem Zuschlag von 1,7 Prozent des Herstellerabgabepreises trifft die Branche »wie ein Blitz aus heiterem Himmel«, heißt es in einer Reaktion von Pharma Privat, einer Kooperation der mittelständischen pharmazeutischen Großhandlungen in Familienbesitz. Pharma-Privat-Geschäftsführer Hanns-Heinrich Kehr fragt, ob die Regierung tatsächlich die Leistung von Apotheke und Großhandel in der Arzneimittelversorgung einschränken wolle.

 

Funktionsrabatte werden abgesaugt

 

Nach Einschätzung von Pharma Privat will die schwarz-gelbe Koalition »Preiszugeständnisse des Großhandels an die Apotheke absaugen und den Krankenkassen zusprechen«. Die Regelung gehe aber weit über ein erträgliches Maß für Großhandel und Apotheke hinaus und beanspruche auch Rabatte an Apotheken für Produkte, die gar nicht von den Krankenkassen bezahlt werden. »Wir verlieren so die Möglichkeit, durch Funktionsrabatte rationelles Bestellverhalten von Apotheken zu honorieren. Es werden auch Funktionsrabatte aus Sortimentsteilen abgeschöpft, die abseits der Krankenkassenerstattung in unseren Häusern gehandelt werden«, so Kehr. Der Unternehmer befürchtet, dass dem Großhandel die wirtschaftliche Basis entzogen wird, um den öffentlichen Versorgungsauftrag erfüllen zu können.

 

Dr. Thomas Trümper ist über den AMNOG-Entwurf sehr überrascht. Darin würden völlig andere Zahlen genannt, die »mit uns in keiner Weise diskutiert wurden«, sagte er der PZ. Nun müsse zunächst »Licht ins Dunkel« gebracht werden, bevor er sich sachlich dazu äußern könne. Trümper ist Vorsitzender des Bundesverbandes des pharmazeutischen Großhandels (Phagro) und des Frankfurter Großhändlers Anzag.

 

Der Vorschlag bringe den Großhandel in eine ungute Stellung gegenüber den Apothekern, sagte er und verwies darauf, dass das vom Phagro ursprünglich vorgeschlagene Modell (93 Cent pro Packung plus drei Prozent Aufschlag) vorher mit dem Deutschen Apothekerverband (DAV) besprochen worden sei.

 

Bisher erhält der Großhandel für seine Vertriebsleistung Zuschläge zwischen 6 und 15 Prozent bis maximal 72 Euro pro Packung auf den Herstellerabgabepreis. Die gesamte Branche verdient im Jahr rund 1,2 Milliarden Euro. Ihr droht ein Verlust von 400 Millionen Euro, sollte der Kabinettsentwurf so beschlossen werden.

 

Apotheken müssen bluten

 

Die Apothekenkooperation Gesine fürchtet, dass das AMNOG vielen Apotheken die wirtschaftliche Grundlage entziehen werde. Susanne Lorra, Apothekerin und Vorstandsvorsitzende der Gesine, der rund 220 Apotheken angehören, rechnet in einer Mitteilung vor: »Die Neuregelung der Großhandelsvergütung kostet jede Apotheke mindestens 20 000 Euro, wahrscheinlich sogar deutlich mehr.« Belastungen in dieser Größenordnung könnten die Apotheken aber nicht mehr schultern.

 

Lorra glaubt, dass die Regierung durch die Neuregelung Teile der Funktionsrabatte der Apotheken zugunsten der Krankenkassen abschöpfen wolle. »Tatsächlich wird die Umstellung aber in voller Höhe zulasten der Apotheken und ihrer fast 147 000 Mitarbeiter laufen. De facto wird es nahezu keine Funktionsrabatte mehr geben, die bislang von niemand bestrittener Teil des apothekerlichen Einkommens waren.« /

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