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Fotoausstellung

Neuer Blick auf die Pflege

30.06.2008
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Fotoausstellung

Neuer Blick auf die Pflege

Von Annette Behr

 

Im Berliner Dienstsitz des Bundesgesundheitsministeriums eröffnete Ulla Schmidt eine Ausstellung der Fotografin Julia Baier. Die Schau gewährt einen authentischen und emotionalen Blick auf die Situation pflegebedürftiger Menschen.

 

»Die Bilder sind großes Kino.« Sichtlich bewegt lobte der Berliner Fotograf und Gastredner, Jim Rakete, die Arbeiten. Rakete sieht die Fotografien als einen Beitrag zum Generationenvertrag: »Es gilt, einen ansonsten unkommunizierten Bereich sichtbar zu machen, den Moment zu destillieren. Den Augenblick sehen, der die Hoffnung gibt.«

 

Ursprünglich waren die Bilder, die aus den Pflegeeinrichtungen der Stiftung Schönholzer Heide und des Evangelischen Johannesstifts stammen, für eine Broschüre zur Pflegereform 2008 gedacht. Ministerin Schmidt und ihre Mitarbeiter waren von den Ergebnissen aber derart beeindruckt, dass aus den Fotos die Ausstellung: »Ein neuer Blick auf die Pflege« entstand.

 

In Deutschland gehört das Thema für zwei Millionen Pflegebedürftige zum Alltag. Mit der Reform der Pflegeversicherung, die am 1. Juli 2008 in Kraft trat, will sich die Bundesregierung dieser Entwicklung stellen. Durch die Ausstellung möchte das Bundesministerium für Gesundheit zu einem Blick auf die Welt der Betroffenen einladen.

 

Jeder, der mit älteren und pflegebedürftigen Menschen Kontakt hat, wird beim Anblick der detailgenauen Fotos an Personen und Situationen aus seinem persönlichen Umfeld erinnert werden. Mal sind es die Häkeldeckchen auf der Kommode und die Schnabeltasse, dann das höhenverstellbare Bett und dazu das Bild des »röhrenden Hirschen« an der Wand: Alltag aus einer Pflegeeinrichtung mit intimen Einblicken in die Privatsphäre. Die Bilder zeigen alte und kranke Menschen in einer würdevollen und umsorgenden Umgebung. Dabei bedeuten Alter, Vergänglichkeit und gleichzeitig die Lust am Leben keinen Widerspruch.

 

Alt und pflegebedürftig zu sein ist in unserer Gesellschaft kein erstrebenswerter Zustand. »Wir möchten die Menschen dafür gewinnen, das Thema Pflege, das uns alle in der einen oder anderen Form betrifft, aus der Tabuzone zu holen. Es ist wichtig, dass die Menschen sich für dieses Thema öffnen und es in all seinen Facetten betrachten. Julia Baier ist es eindrucksvoll gelungen, den Alltag der Pflege in seinen eigenen Momenten festzuhalten und einen Blick auf die Pflege zu schaffen«, erläuterte die Ministerin. »Sie mag die Menschen, die sie fotografiert hat«, ergänzt Klaus Vater, Pressesprecher des Ministeriums, das Anliegen und die Arbeit der Fotografin.

 

Baier studierte nicht Medizin, wie ursprünglich geplant, sondern Grafikdesign mit dem Schwerpunkt Fotografie. Während dieser Zeit arbeitete die 1971 geborene junge Frau als Helferin in einem Pflegeheim. Später entwickelte sie aus dieser Erfahrung die Motividee. Dabei wurden die Menschen von ihr nicht einfach nur fotografiert, ihre Bilder zeigen »immer auch ein Stück Menschlichkeit und Authentizität«.

 

Fotografien können diskriminieren, aber auch Wertschätzung vermitteln - Letzteres zeigt diese Ausstellung. Dem Alter den Schrecken nehmen können die Bilder zwar nicht, sie lassen aber auf ein Altern in Würde und Geborgenheit hoffen.

 

Ministerin Schmidt möchte »das Alter in die Mitte der Gesellschaft holen«. Denn: »Das Menschliche muss das sein, was gegenüber allem anderen überwiegt.«

 

Die Ausstellung wird noch bis zum 15. August im Bundesministerium für Gesundheit, Friedrichstraße 108, in Berlin-Mitte zu sehen sein. Sie ist montags bis freitags für angemeldete Besucher geöffnet. Die Anmeldung erfolgt über den Besucherdienst unter der Nummer 030 18441-2891.

Weitere Stationen der Ausstellung: vom 18. August bis zum 11. September 2008 im Evangelischen Johannesstift Berlin, vom 15. bis zum 26. September im Pflegestützpunkt Friedrichshain-Kreuzberg und vom 1. bis zum 17. Oktober in der Stiftung Schönholzer Heide. Danach geht sie auf Wanderschaft durch Berliner Schulen. Informationen über die Fotografin gibt es unter www.juliabaier.de.

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