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Antiseptika

Resistenzgefahr bei Chlorhexidin und Co.

26.06.2018
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Von Verena Arzbach, Köln / Die Entwicklung von Resistenzen ­gegen Antibiotika ist ein vieldiskutiertes Problem. Weniger beachtet wird die Tatsache, dass auch der unkritische Einsatz von Antiseptika wie Chlorhexidin und Octenidin zu Resistenz oder ­Toleranz führen kann.

»In den vergangenen Jahren haben einige Studien gezeigt, dass Resistenzen gegen Antiseptika entstehen können«, sagte Professor Dr. Simone Scheithauer vom Universitätsklinikum Göttingen beim Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin in Köln. Forschern war es gelungen, Klebsiella pneumoniae und Vancomycin-resistente Enterokokken unter Laborbedingungen resistent gegenüber Chlorhexidin zu machen (»Antimicrobial Agents and Chemotherapy« 2016 und 2017, DOI: 10.1128/AAC.01162-16 und 10.1128/AAC.01235-17). Besonders beunruhigend sei die Tatsache, dass man in ­einigen Untersuchungen auch Unempfindlichkeiten gegen wichtige Reserveantibiotika wie Colistin und Dapto­mycin beobachten konnte, betonte Scheithauer, die in Göttingen die Zentralabteilung Krankenhaushygiene und Infektiologie leitet.

Nicht übertreiben

 

Antiseptika sollten daher keinesfalls unkritisch eingesetzt werden. »Ein nicht zielgerichteter, nicht indizierter Antiseptika-Einsatz soll unbedingt vermieden werden«, so Scheithauer. Nicht gerechtfertigt sei es etwa, wenn Altenheim-Bewohner vorbeugend mit Chlorhexidin gewaschen werden. Auch ein übertriebener Einsatz von Antiseptika in der häuslichen Umgebung sei kritisch zu betrachten. »Eine zu häufige Hautdesinfektion verändert die Hautmikrobiota. Wohin das führt, können wir noch nicht genau sagen«, so die Medizinerin.

 

Im Krankenhaus sollte der Einsatz nach einem gestaffelten Schema erfolgen, erläuterte sie. So gibt es Basismaßnahmen, die die Rate von Infektionen mit Krankenhauskeimen nachweislich reduzieren. Dazu zählen die Händedesinfektion, aseptische Techniken bei der Gabe von Infusionen und beim Verbandswechsel sowie die Hautdesinfektion vor der Anlage eines Katheters und vor einer Operation. »Nur wenn individuelle Risikofaktoren des Patienten es erfordern, in einer Ausbruchssituation oder auch wenn es in einer Abteilung besonders hohe Infektionsraten gibt, sollten diese Basismaßnahmen ergänzt werden«, sagte Scheithauer.

 

Die Medizinerin illustrierte am Beispiel der Hautdesinfektion vor Anlage eines Gefäßkatheters, wie eine sinnvolle, evidenzbasierte Hygiene-Staffelung aussehen kann. Traditionell sei die Hautdesinfektion vor der Katheter­anlage immer mit einem rasch wirk­samen alkoholischen Desinfektionsmittel, teilweise in Kombination mit PVP-Jod, durchgeführt worden. 2015 habe eine Untersuchung gezeigt, dass die Kombination eines alkoholischen Antiseptikums mit einem remanenten, also länger wirksamen Antiseptikum wie Chlorhexidin überlegen ist (»The Lancet«, DOI: 10.1016/S0140-6736(15) 00244-5). »Mit Chlorhexidin konnte die Rate katheterinduzierter Sepsen deutlich gesenkt werden«, berichtete Scheithauer. Auch die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert-Koch-Institut (KRINKO) empfehle daher mittlerweile den Einsatz der entsprechenden Kombination.

 

Ausnahmen begründen

 

Bei besonders vulnerablen Patienten und bei hohen Infektionsraten auf der Station empfiehlt die KRINKO zusätzlich die Verwendung imprägnierter anti­septischer Folienverbände. Die nächsthöhere Hygiene-Stufe sieht antiseptische Ganzkörperwaschungen vor. Nur im Einzelfall sollten bei ausgewählten Patienten zudem speziell beschichtete Katheter zum Einsatz kommen. »Wichtig ist: Alle Zusatzmaßnahmen müssen begründet werden, und ihr Einsatz sollte immer kritisch hinterfragt werden«, betonte Scheithauer. /

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