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Colistin

Resistenz vererbbar

29.06.2016
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Von Kerstin A. Gräfe / Das Colistin-Resistenz-Gen MCR-1 ist gefährlicher als bislang angenommen. Das Gen scheint nicht nur artenübergreifend zwischen unterschiedlichen Plasmiden springen zu können, sondern auch von Plasmid zu Chromosom.

In einer aktuellen Publikation im Fachmagazin »Journal of Antimicrobial Agents« beschreiben Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) und der Justus-Liebig-Universität Gießen einen multiresistenten Escherichia-coli-Stamm des Sequenztyps ST410, der in Deutschland bereits seit Jahren in Mensch, Tier, Umwelt und Lebensmitteln verbreitet ist (DOI: 10.3201/eid2209.160692).

Resistenz-Gen auf Chromosom

 

Die Wissenschaftler entdeckten, dass dieser Stamm neben dem ESBL-Gen, das gegen β-Lactam-Antibiotika mit erweitertem Wirkspektrum resistent macht, auch das Colistin- Resistenzgen MCR auf dem Chromosom enthält. Beide Gene können über Generationen hinweg vererbt werden. Somit stellt der Escherichia-coli-Stamm ST410 ein stilles Reservoir für diese Antibiotika-Resistenzen dar. Die Forscher schlussfolgern daraus, dass es bereits MCR-1-codierende Bakterien gibt, die bei Mensch und Tier zirkulieren und somit viel ein­facher als bisher beschrieben übertragen werden können. »Wenn das Gen in das Chromosom von Bakterien springt, stellt das eine besondere Gefahr dar«, erklärt Dr. Linda Falgenhauer, DZIF-Wissenschaftlerin an der Universität Gießen und Erstautorin der Studie, in einer DZIF-Pressemitteilung. Denn in diesem Fall könne die Resistenz gegen Colistin stabil auf die Nachkommen vererbt werden. Wenn diese chromosomale Resistenz dann bei Bakterien eintritt, die zwischen Mensch und Tier zum Beispiel über den Verzehr von Lebensmitteln zirkulieren, wäre ein Reservoir für resistente Keime geschaffen, das über Generationen er­halten bleibt.

 

Das europäische Zentrum zur Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC) hat Colistin inzwischen in das Panel von antimikrobiellen Substanzen aufgenommen, deren Empfindlichkeit bei Resistenztests untersucht wird. Bei einer nachgewiesenen Resistenz soll gezielt nach dem MCR-1-Gen gesucht werden. /

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