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Urologen empfehlen

HPV-Impfung für Jungen

29.06.2016
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Auch Jungen sollten gegen humane Papillomaviren (HPV) geimpft werden. Das empfehlen die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) und der Berufs­verband der Deutschen Urologen (BDU) in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Der Ansicht der Urologen zufolge ist die derzeitige von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlene Praxis, lediglich Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren zu impfen, nicht zeitgemäß. Sie berücksichtige nicht die vielfachen Lebenswelten sexuell aktiver Menschen. »Der oft angemerkte Herdenschutz durch die Impfung der Mädchen greift ja bereits dann nicht, wenn wir es mit jungen Männern zu tun haben, die Sex mit Männern haben«, so DGU-­Präsident Professor Dr. Kurt Miller. Im Sinne eines umfassenden Schutzes unabhängig von der sexuellen Orientierung empfehlen die Organisationen daher die Impfung auch für Jungen.

HP-Viren erzeugen die häufigsten übertragenen sexuellen Infektionen in Deutschland und weltweit. Sie sind für praktisch alle Gebärmutterhalskrebs­erkrankungen verantwortlich, damit auch für mehr als 100 000 Konisationen und rund 3000 Todesfälle bei Frauen pro Jahr in Deutschland. Zudem können die Viren weitere Tumoren des Anogenitalbereichs und des Oropharynx hervorrufen und sind Auslöser für Genitalwarzen (Condylome). »Ein Argument für die alleinige Impfung der Mädchen war bisher, auf diese Weise die HPV-Last bei sexuell aktiven jungen Frauen so stark abzusenken, dass sich die jungen Männer als Sexualpartner ebenfalls nicht mehr anstecken können. Dieser Herdenschutz funktioniert allerdings nur, wenn über die HPV-Impfung mehr als 85 Prozent der jungen Mädchen erfasst werden«, so Miller weiter. »Da der Penis den Haupttransmitter für HPV darstellt, ist der Verzicht auf die Jungenimpfung fahrlässig.«

 

In der Realität liegen die Impfquoten der Mädchen jedoch für die letzten Jahre mit weniger als 40 Prozent deutlich unterhalb der erforderlichen Menge. Um die Jungen effektiv zu schützen, müssten diese also selbst geimpft werden. Allein stehen die Urologen mit ihrer Forderung in Deutschland nicht: Die Sächsische Impfkommission (SIKO) empfiehlt die HPV-Impfung für Jungen und junge Männer mithilfe des tetravalenten Impfstoffes gegen karzinogene und warzenfördernde HP-Viren bereits seit Jahren.

 

Seit April 2016 steht auch ein nonavalenter Impfstoff zur Verfügung, der gegen die HPV-Typen 6, 11, 16, 18, 31, 33, 45, 52 und 58 schützt. Der Impfstoff Gardasil© 9 von Sanofi Pasteur MSD wurde bereits im Sommer 2015 zur Anwendung bei Mädchen und Jungen ab neun Jahren zugelassen. /

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