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Demenzen

Früh erkennen und behandeln

26.07.2013
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Von Hannelore Gießen, Nürnberg / Zwischen 6 und 9 Prozent der über 65-Jährigen leiden an einer Demenz. In Deutschland sind es momentan etwa 1,4 Millionen Menschen; 2050 werden es doppelt so viele sein. Die Frühdiagnose von Demenzerkrankungen wird daher immer wichtiger.

Apotheker können gerade bei Demenz­erkrankungen entscheidend zur frühen Diagnose und Therapie beitragen. Das betonte Apotheker Dr. Jens Schneider bei den Präventionstagen des Wissenschaftlichen Instituts für Prävention im Gesundheitswesen (WIPIG) in Nürnberg. Eine kontinuierliche pharmazeutische Betreuung der Patienten helfe auch, die Angehörigen zu entlasten. Denn eine Demenz belaste Patienten wie Angehörige in erheblichem Maße.

Da die genaue Ursache nicht bekannt ist, sei eine gezielte Vorbeugung der Demenz nicht möglich, erläuterte der Referent. Allerdings seien vor allem geistige Aktivität bis ins hohe Alter sowie soziale Kontakte wesentliche Schutzfaktoren vor der Erkrankung. Selbstverständlich können sie keine Amyloidplaques und Neurofibrillen verhindern, aber die kognitive Reserve erhöhen. Ein trainiertes Gehirn nutzt offenbar alternative Verarbeitungs­wege, wenn ein Informationspfad blockiert ist. Der Erkrankungsbeginn könne um fünf bis zehn Jahre hinaus­geschoben werden, machte Schneider deutlich. Auch regelmäßige Bewegung ist Teil des Königswegs für einen Schutz vor Demenz: Wer weniger als einen Kilometer täglich läuft, verdoppelt sein Erkrankungsrisiko.

 

Aktiver Lebensstil als Schutz

 

Diese drei Elemente führt auch die S3-Leitlinie der neurologischen Fachgesellschaften als Präventionsmaßnahmen auf. Einen deutlichen Risikofaktor für eine Demenzerkrankung stellen zudem vaskuläre Erkrankungen dar. Deshalb sei es wichtig, auf eine gute Blutdruckeinstellung zu achten, führte Schneider weiter aus.

 

Man unterscheidet zwischen primären Demenzen, die etwa 90 Prozent aller Fälle ausmachen, und sekundären Demenzen. Primäre Demenzen resultieren aus einer direkten Schädigung des Gehirns und gelten als irreversibel, während sekundäre Demenzen als Folge von Erkrankungen anderer Organe entstehen. Das können Stoffwechsel­erkrankungen, Vergiftungen, Vitaminmangel, aber auch Hirntumore sein. Eine Behandlung der Grunderkrankung leitet dann meist eine Rückbildung der Demenzsymptome ein.

 

Alzheimer am häufigsten

 

Die weitaus häufigste Ursache einer primären Demenz ist mit etwa 60 Prozent die Alzheimer-Krankheit. Ebenfalls zu den primären Demenzen zählen unter anderem die vaskuläre Demenz sowie eine Demenz bei Morbus Parkinson. Häufig treten Mischformen auf, zum Beispiel eine Alzheimer-Demenz mit vaskulären Anteilen.

 

Die Veränderungen im Gehirn beginnen schon mehr als zehn Jahre, bevor sich erste Symptome zeigen. Während der Krankheitsdauer von 20 bis 30 Jahren kann bis zu ein Drittel der Nervenzellen zerstört werden.

 

»Je früher die Diagnose gestellt wird, desto effektiver ist die Therapie«, hob Schneider hervor. Bei ihren Stammkunden bemerken Apotheker oft schon früh erste Anzeichen einer Demenz­erkrankung und können Angehörige dafür sensibilisieren. Beispiele sind Veränderungen der Kleidung und des Verhaltens. »In der vertrauten Apotheke sind die Kunden meist entspannt und fühlen sich nicht kontrolliert«, erläuterte Schneider. Werden sie dagegen beobachtet, können Menschen mit Demenz in einem frühen Stadium – unter großer Anstrengung – oft noch unauffällig wirken.

 

Als Medikamente gegen Demenz kommen am häufigsten Cholin­ergika zum Einsatz. Eine Behandlung mit diesen Antidementiva führt zu sehr unterschiedlichen Erfolgen. In manchen Fällen bleibt die Wirkung sogar ganz aus. Das beruht auf der Wirkungsweise der Medikamente: Wird nur noch wenig Acetylcholin gebildet, so bringt auch dessen verzögerter Abbau keinen Vorteil. Trotz häufiger Nebenwirkungen empfiehlt die S3-Leitlinie, Antidementiva zumindest versuchsweise zu geben, um zu überprüfen, ob der Krankheitsprozess verzögert werden kann.

 

»Wird ein Patient mit Antidementiva behandelt, ist pharmazeutische Betreuung besonders wichtig«, betonte Schneider. Eine korrekte, ausreichend hohe Dosierung und eine stadien­gerechte Therapie seien ebenso zu beachten wie ein weitestgehendes Vermeiden von anticholinerg wirkenden Arzneimitteln. Dazu zählen Trizyklika und einige Urologika, aber auch nicht verschreibungspflichtige Substanzen wie beispielsweise Diphenhydramin.

 

Ein besonderes Augenmerk sollten Apotheker auf die geeignete Arzneiform legen, empfahl Schneider. Neben Tabletten und Retardtabletten stünde mit einer Lösung, Schmelztabletten sowie Pflastern inzwischen eine ganze Palette an Darreichungsformen zur Verfügung. /

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