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Tumorfrei dank eigener T-Zellen

23.06.2008  11:44 Uhr

Tumorfrei dank eigener T-Zellen

Von Christina Hohmann

 

Ein Hautkrebspatient mit metastasierendem Melanom ist durch eine einzelne massive Infusion der eigenen CD4+-T-Zellen tumorfrei geworden. Die Remission hält bereits seit zwei Jahren an.

 

Damit ein Tumor wachsen kann, muss er dem Immunsystem vormachen, er sei normales Gewebe. Gegen den Tumor gerichtete Immunzellen kursieren zwar im Blutsystem, sind aber zu wenig und zu ineffizient, um den Tumor zu beseitigen. Das eigene Immunsystem des Patienten zu stärken, die Immunotherapie, ist ein stark wachsendes Forschungsgebiet der Onkologie. Cassian Yee und seine Kollegen vom Fred Hutchinson Cancer Center in Seattle konzentrierten sich auf CD4+-T-Zellen. Einem 52 Jahre alten Patienten mit Melanom-Rezidiv des Stadiums 4, dessen Tumor bereits in Lymphknoten und die Lunge metastasiert war, entnahmen die Forscher Blut. Daraus gewannen sie die CD4-positiven T-Zellen und isolierten aus denen die T-Zellen, die gegen das Antigen NY-ESO-1 gerichtet waren, das von den Tumorzellen des Patienten exprimiert wurde. Diese T-Zellen vermehrten die Forscher im Labor. Fünf Milliarden dieser geklonten T-Zellen erhielt der Patient in einer Infusion zurück, ohne dass weitere zusätzliche Therapien angewendet wurden. Zwei Monate nach der Infusion konnten in PET- und CT-Aufnahmen keine Anzeichen des Tumors mehr gefunden werden. Der Patient lebt jetzt zwei Jahre tumorfrei, berichten Yee und seine Kollegen im »New England Journal of Medicine« (Band 358, Seiten 2698 bis 2703).

 

Folgen der Infusion waren eine vorübergehende Lymphopenie, Fieber sowie eine Myalgie, die jedoch innerhalb weniger Tage abklangen. Die geklonten T-Zellen waren mindestens 80 Tage lang im Körper des Patienten zu finden, schreiben die Wissenschaftler. Und obwohl nur 50 bis 75 Prozent der Tumorzellen das NY-ESO-1-Antigen exprimierten, war das Melanom vollständig verschwunden. Die Forscher vermuten, dass sich die Immunantwort auf weitere Antigene ausgeweitet hat. Spätere Tests zeigten T-Zell-Antworten gegen die beiden Tumorantigene MAGE-3 und MART-1.

 

Größere Studien nötig

 

»Wir waren selbst überrascht über die Antitumor-Wirkung dieser CD4-Zellen und die Dauer des Effekts«, sagt Yee in einer Pressemitteilung des Forschungsinstituts. »Bei diesem Patienten waren wir erfolgreich, doch nun müssen wir die Wirksamkeit der Behandlung in größeren Studien bestätigen.« Insgesamt acht weitere Melanompatienten hat das Team um Yee auf diese Weise bislang behandelt. Es sei aber noch zu früh, um zu beurteilen, ob auch bei diesen der Tumor verschwunden ist. Wenn sich die neue Therapieform in größeren Studien bewährt, könnte sie für etwa 25 Prozent der Melanompatienten in späten Stadien, deren Tumoren ebenfalls NY-ESO-1 exprimieren, geeignet sein.

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