Pharmazeutische Zeitung online
Orale Antibiose

Was der Apotheker raten kann

19.06.2017  16:08 Uhr

Von Katja Renner / Antibiotika zählen zu den Arzneimitteln, die in Apotheken am häufigsten abgegeben werden. Sie sind wertvoll im Kampf gegen Infektionen – bei richtiger ­Einnahme. In der Beratung dazu können sich Apotheker ­heilberuflich profilieren.

Insgesamt werden in der Humanmedizin in Deutschland jährlich 600 bis 700 Tonnen Antibiotika verbraucht, 85 Prozent davon im ambulanten Bereich. Laut Arzneiverordnungsreport sind die Verordnungszahlen von Antibiotika in der Humanmedizin leicht rückläufig.

 

Das Wissenschaftler-Team vom Versorgungsatlas des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) konnte belegen, dass bei Kindern und Jugendlichen die Verordnungsraten im Zeitraum vom 2008 bis 2014 signifikant gesunken und bei Älteren leicht rückläufig sind (1). Allerdings werden Antibiotika bei Erwachsenen insgesamt immer noch sehr häufig verordnet. Problematisch sehen die Experten den steigenden Einsatz von Reserveantibiotika, zum Beispiel von Cephalosporinen (1, 2). Als möglichen Grund hierfür nennen die Autoren die Verschreibung ­dieser Wirkstoffe bei Atemwegsinfektionen, obwohl diese laut aktueller Leitlinie in der ambulanten Versorgung nicht die Mittel der Wahl sind.

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung will gegen die ­Über­versorgung angehen. Auch in der Landesgesundheitskonferenz Nordrhein-Westfalen wurde das Thema wegen der ­Entwicklung von Resistenzen aufge­griffen.

 

In der Apothekerschaft vertreten führende Berufspolitiker wie ABDA-Präsident Friedemann Schmidt und BAK-Präsident Dr. Andreas Kiefer die besondere Beratungspflicht der Apotheker bei der Abgabe von Antibiotika. Patienten könnten durch die richtige Anwendung dieser Arzneimittel eine Resistenzausbildung vermeiden. Kiefer: »Im Jahr 2015 wurden mehr als 41 Millionen Packungen Antibiotika in deutschen Apotheken abgegeben. Bei jeder Abgabe kann das Apothekenteam über die richtige Anwendung von Antibiotika informieren.« Dafür hat die ABDA einen Flyer entwickelt, den die Apotheke dem Patienten begleitend zur persönlichen Beratung mitgeben kann (3). Zudem bietet die Bundesapothekerkammer eine Weiterbildung »Infektiologie« an, die sich hauptsächlich an Apotheker in Krankenhaus- und krankenhausversorgenden Apotheken richtet.

 

Die richtigen Fragen stellen

 

Die Empfehlungen des Apothekenteams stärken die Arzneimitteltherapiesicherheit und verbessern den Therapieerfolg. Dazu ist es wichtig, dem Patienten die richtigen Fragen zu stellen:

 

  • Gegen welche Art von Infekt sollen Sie das Antibiotikum einnehmen?
  • Welche Dosierung hat Ihnen der Arzt genannt?
  • Welche anderen Medikamente ­nehmen Sie regelmäßig ein und weiß der verordnende Arzt davon? Kann ich einmal Ihren Medikationsplan ­sehen?
  • Welche Hinweise hat Ihnen der Arzt zur Dauer und Art der Anwendung gegeben?
  • Gibt es Unverträglichkeiten oder ­Risiken, die ich kennen sollte?


Erfolgreiche Einnahme

 

Ein wichtiger Grundsatz zur Anwendung von Antibiotika ist die Einnahme mit ­einem großen Glas Leitungswasser in aufrechter Haltung (4). Angegeben werden häufig 240 ml oder 250 ml (5), weil Bioäquivalenz- und klinische Studien ­unter diesen Bedingungen stattfanden.

 

Die Bioverfügbarkeit der einzelnen Antibiotika in Abhängigkeit von der Nahrungsaufnahme ist sehr unterschiedlich. Hier spielen die chemischen Eigenschaften und Wechselwirkungen eine entscheidende Rolle. Vor allem die Interaktion mit polyvalenten Kationen wie Magnesium, Calcium oder Eisen führt mit Tetracyclinen und einigen Chinolonen zur Bildung von schwerlöslichen Komplexen und vermindert deren Wirksamkeit. Apotheker sollten darauf hinweisen, Doxycyclin oder Ciprofloxacin aus diesem Grund nicht zusammen mit Milchprodukten einzunehmen. Pauschalempfehlungen zählen aber nicht: Im Gegensatz dazu wird das Antimykotikum Griseofulvin beispielsweise zusammen mit Milch empfohlen und auch Mefloquin kann in Milch suspendiert werden.

 

Nüchtern – also 30 bis 60 Minuten vor der Mahlzeit – einzunehmen sind Arzneistoffe wie die Penicilline Peni­cillin V und Ampicillin, das Chinolon Ciprofloxacin sowie Clindamycin, Lincomycin und Fosfomycin, da deren Bioverfügbarkeit durch gleichzeitige Nahrungszufuhr reduziert wird (Tabellen 1 bis 5). Bei den Erythromycin-Verbindungen ist genauer zu differenzieren. Während der Patient die Erythromycin-Base und das -Stearat nüchtern einnehmen sollte, um gastrointestinale Nebenwirkungen zu vermeiden, ist das Estolat nicht säureempfindlich: Die Bioverfügbarkeit steigt bei gleichzeitiger Nahrungszufuhr. Für Roxithromycin ist der ideale Zeitpunkt kurz vor der Mahlzeit.

Tabelle 1: Penicilline; Hauptindikationen: Infektionen der oberen und unteren Atemwege sowie Haut- und Wundinfektionen

Wirkstoffe Hauptindikation Einnahme Interaktionen Besonderheiten
Penicillin V vor allem bei Angina, Scharlach, Tonsillitis nüchtern Antagonismus ist möglich mit bakteriostatischen ­Antibiotika wie Tetracyclinen und Makroliden, Anstieg von Methotrexat (MTX)- und Antikoagu­lanzien-Spiegeln bei Kombination möglich (cave ­Toxizität), Diuretika können die Ausscheidung beschleunigen und Wirkspiegel herabsetzen, Ampicillin kann mit ­Allo­purinol häufiger zu Haut­reaktionen führen häufige Nebenwirkungen: gastrointestinale und ­allergische Reaktionen, ­Mundtrockenheit und ­Geschmackstörungen sind möglich Penicilline: Mittel der Wahl in Schwangerschaft und Stillzeit Amoxicillin: wegen Exanthem-Neigung kontraindiziert bei Patienten mit ­Zytomegalie-Virusinfektion oder lymphatischer ­Leukämie bei Leberinsuffizienz: keine Anwendung von ­Flucloxacillin und ­Amoxicillin/Clavulansäure
Penicillin V- Benzathin vor allem bei Angina, Scharlach, Tonsillitis unabhängig von den Mahlzeiten " "
Flucloxacillin bei Haut- und Wundinfektionen mit Betalactamase- produzierenden Staphylokokken, 2. Wahl bei Atemwegsinfektionen nüchtern " "
Amoxicillin Infektionen der oberen und unteren Atemwege unabhängig von den Mahlzeiten " "
Amoxicillin + Clavulansäure Infektionen der oberen und unteren Atemwege zur Mahlzeit " "
Ampicillin + Sulbactam Infektionen der oberen und unteren Atemwege unabhängig von den Mahlzeiten " "

Die Gruppe der Cephalosporine ist im Allgemeinen unabhängig vom Essen einzunehmen (Tabelle 2). Eine wichtige Ausnahme sind Cefuroxim und Cefpodoxim, die die beste Bioverfügbarkeit bei der Einnahme zur oder direkt nach der Mahlzeit aufweisen (6, 7). Sie sollten auch nicht gemeinsam mit einem Protonenpumpenhemmer (PPI) gegeben werden, weil dieser die Bioverfügbarkeit ebenfalls verringert.

Tabelle 2: Cephalosporine, Hauptindikationen: Atemwegs- und Harnwegsinfekte sowie HNO-Erkrankungen

Wirkstoffe Einnahme Interaktionen Besonderheiten
Gruppe 1: Cefalexin Cefadroxil Cefaclor unabhängig von den Mahlzeiten Antagonismus ist möglich mit bakteriostatischen ­Antibiotika wie Tetracyclinen und Makroliden, Wirkungsverstärkung von Antikoagulanzien ­möglich häufige Nebenwirkungen: gastrointestinale und ­allergische Reaktionen Cephalosporine: Mittel der Wahl in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei ­Kindern bei Niereninsuffizienz: ­Dosisanpassung ­empfehlenswert
Gruppe 2: Cefuroxim Cefuroxim und Cefpodoxim: wegen der besseren Bioverfügbarkeit zur Mahlzeit ­einnehmen Antagonismus ist möglich mit bakteriostatischen ­Antibiotika wie Tetracyclinen und Makroliden, Wirkungsverstärkung von Antikoagulanzien ­möglich häufige Nebenwirkungen: gastrointestinale und ­allergische Reaktionen Cephalosporine: Mittel der Wahl in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei ­Kindern bei Niereninsuffizienz: ­Dosisanpassung ­empfehlenswert
Gruppe 3: Cefpodoxim Cefixim Ceftibuten Ceftibuten: nüchtern Antagonismus ist möglich mit bakteriostatischen ­Antibiotika wie Tetracyclinen und Makroliden, Wirkungsverstärkung von Antikoagulanzien ­möglich häufige Nebenwirkungen: gastrointestinale und ­allergische Reaktionen Cephalosporine: Mittel der Wahl in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei ­Kindern bei Niereninsuffizienz: ­Dosisanpassung ­empfehlenswert

Einnahmeintervall

 

Die meisten oralen Antibiotika werden zwei- bis dreimal täglich eingenommen. Den Patienten ist jedoch nicht automatisch klar, dass damit ein Zeitabstand von zwölf oder acht Stunden gemeint ist. Der Apotheker sollte erklären, dass die richtigen Einnahmeintervalle wichtig sind, um gleichbleibende Wirkstoffspiegel im Blut zu erreichen. Nur so ist die optimale Wirksamkeit ­gewährleistet.

 

In der Praxis hat es sich bewährt zu fragen, wann der Patient die erste morgendliche Dosis nehmen kann. Dann kann das Apothekenteam die entsprechenden Uhrzeiten der Einnahme zusammen mit dem Hinweis vor/mit/nach dem Essen auf einem Dosierungsaufkleber notieren.

Sieben gute Tipps

  • Antibiotika sind ausschließlich nach ärztlicher Verordnung einzunehmen.
  • Antibiotika sollten so lange und in der Dosierung eingenommen werden, wie vom Arzt verordnet.
  • Idealerweise nimmt man die Tabletten/Kapseln mit einem großen Glas Wasser ein. Einige Antibiotika werden durch Wechselwirkungen gestört, zum Beispiel durch Calcium aus der Milch.
  • Reste von Antibiotika sollte man nicht aufheben oder bei der nächsten Infektion auf eigene Faust einnehmen.
  • Antibiotika dürfen nicht an andere weitergegeben werden.
  • Antibiotika können über den Hausmüll entsorgt werden, aber nicht über die Toilette oder das Waschbecken. Die Entsorgung über das Abwasser verbreitet die Substanzen in die Umwelt und kann so die Entstehung von Resistenzen fördern.
  • Viele Infektionen sind durch einfache Hygienemaßnahmen, zum Beispiel Händewaschen, vermeidbar. Empfehlenswert ist auch eine ­Grippeimpfung.

Über- und Unterdosierungen vermeiden

 

Die Wirksamkeit von Antibiotika hängt wesentlich von der korrekten Dosierung ab. In den Packungsbeilagen werden Dosierungen in Abhängigkeit vom Körpergewicht angegeben. Immer wieder kommt es in der Apotheke vor, dass Patienten ohne Dosierungsangabe aus der Arztpraxis kommen. Bei Unklarheiten sollte die Apotheke die Praxis kontaktieren. Mit Kenntnis von Indikation und Körpergewicht sowie dem Ausschluss von Risikofaktoren wie einer Niereninsuffizienz lässt sich die Dosierung bestimmen.

 

Bei der Anwendung von Antibiotika sind Unterdosierungen das häufigere Problem. Etwa 20 Prozent der Kinder (8) erhalten von ihren Eltern zu niedrige Dosen bei der Antibiotikagabe – oft aus Angst, das Kind zu schädigen, oder vor unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Apotheker haben deshalb eine besondere Verantwortung, die Adhärenz der Eltern zu stärken und ihnen die richtige Dosierung und Dauer der Therapie zu erläutern.

 

Eine häufige Fehlerquelle bei Antibiotika-Säften ist deren Zubereitung (Kasten). Viele Eltern haben zudem Probleme beim Abmessen der Einzeldosis im Messlöffel oder mit der Messspritze. Hier hilft der Apotheker, wenn er mit einem wasserfesten Stift die korrekte Dosierung am Löffel oder der Spritze markiert.

Antibiotika-Trockensäfte

Für Kinder sind flüssige Arzneiformen gut geeignet. Antibiotika sind in Lösung jedoch nicht lange haltbar, sodass die meisten als Trockensäfte, die kurz vor der Anwendung zubereitet werden, im Handel sind. Bei der Zubereitung sind viele Fehler möglich. Ein guter Service ist, dies bereits in der Apotheke vorzunehmen.

 

  • Zuerst wird das Pulver in der Flasche locker aufgeschüttelt, bevor diese geöffnet wird.
  • Als Nächstes wird die Flasche mit frischem kalten Leitungswasser bis zur jeweiligen Markierung gefüllt. Diese ist häufig durch eine Rille in der Flasche oder durch einen Strich auf dem Etikett zu erkennen. Bei einigen Säften wird eine definierte Menge in den dazugehörenden Messbecher gefüllt und dann in die Flasche gegeben.
  • Anschließend wird die Flasche kräftig geschüttelt, bis keine Pulverreste mehr zu erkennen sind. Hat sich der Schaum abgesetzt, wird wenn nötig noch einmal mit Leitungswasser bis zur Markierung aufgefüllt.
  • Die meisten Trockensäfte sind nach Zubereitung bis zu 14 Tage haltbar und werden im Kühlschrank aufbewahrt.
  • Das Apothekenteam sollte die Pa­tienten/Eltern über die Dauer der ­Anwendung und die Dosierung, vorzugsweise mit einer Dosierspritze, aufklären.

Lang genug

 

Ein in Apotheken häufig gehörter Hinweis zur Antibiotikaeinnahme ist »Nehmen Sie die Tabletten so lange, bis die Packung leer ist.« Diese ­Pauschalempfehlung ist jedoch nicht immer richtig.

 

Wie lange ein Antibiotikum eingenommen werden sollte, hängt von der Schwere und Art der Infektion und dem antibiotischen Wirkstoff ab. Die Fachinformationen geben hierfür Richtwerte vor. Die Antibiose sollte aber auf ­jeden Fall zwei bis drei Tage über die Symptomfreiheit hinaus ­weitergeführt werden. Abweichend davon werden Azithromycin nur drei bis fünf Tage und Fosfomycin nur einmalig gegeben (9).

 

Das Robert-Koch-Institut rät, die Therapie so kurz wie möglich und so lange wie nötig fortzuführen (10). Für eine Reihe von Infektionserkrankungen ist die Behandlungsdauer festgelegt. Diese ist auch dann einzuhalten, wenn es dem Patienten besser geht und die Infektionsparameter stark rückläufig sind. Ein verantwortungsvoller und fortgebildeter Arzt sowie ein aufgeklärter Patient fördern den sinnvollen und wirksamen Einsatz von Antibiotika (10). Wichtig ist zu erklären, dass eine zu kurze, aber auch eine überlange Therapiedauer das Risiko für Rezidive und für Resistenzbildung erhöht.

 

Unerwünschte Wirkungen

 

Antibiotika führen besonders häufig zu gastrointestinalen Nebenwirkungen. Sie verändern die natürliche Flora, da sie eine Überwucherung mit pathogenen Erregern begünstigen, können die Schleimhaut der Speiseröhre schädigen (Clindamycin und Tetracycline, Tabelle 5) und direkt die Motilität des Gastro­intestinaltrakts anregen (Erythromycin, Clavulansäure) (9, 11).

Antibiotika-assoziierte Durchfälle treten während und nach einer Antibiotikatherapie auf. Generell sind die Verläufe eher mild und wenig belastend. Gefährlich sind jedoch Durchfälle, die durch ein Überhandnehmen von Clostridium difficile ausgelöst werden. In schweren Fällen entwickelt sich eine pseudomembranöse Colitis (PMC), die lebensbedrohlich verlaufen kann. Hinweise auf eine PMC sind krampfartige Bauchschmerzen, schleimig-grünliche oder wässrig-blutige Durchfälle. Dann ist die Therapie sofort abzubrechen und der Patient muss einen Arzt aufzusuchen.

 

Reaktionen der Haut treten unter antibiotischer Therapie ebenfalls häufig auf. Hier ist der Patient zum einen auf phototoxische Effekte, zum Beispiel unter Tetracyclinen, Cotrimoxazol und Ciprofloxacin aufmerksam zu machen, zum anderen auf mögliche allergische Reaktionen. Patienten nennen diese immer wieder im Kontext mit Betalactam-Antibiotika (Tabellen 1 und 2). Allergische Reaktionen vom Soforttyp können sich in Form einer generalisierten Urtikaria, mit Durchfällen und Schwellungen äußern. Zu den Spätreaktionen des Immunsystems zählt das allergische Exanthem der Aminopenicilline. Hautreaktionen treten auch unter anderen Antibiotika auf; ein Hautausschlag ist jedoch nicht immer sicher auf das Medikament zurückzuführen.

 

Vaginalmykosen werden durch eine Störung der natürlichen Flora begünstigt und sind eine häufige Folge einer antibiotischen Therapie.

 

Weitere Nebenwirkungen von Antibiotika sind neurotoxische Wirkungen, zum Beispiel unter Cephalosporinen und Chinolonen, und Verlängerung des QT-Zeit-Intervalls bei einigen Makrolid-Antibiotika und Chinolonen (Tabellen 3 und 4).

Tabelle 5: Weitere Antibiotika

Wirkstoffe Hauptindikation Einnahme Interaktionen Besonderheiten
Doxycyclin, Minocyclin Infektionen der Atemwege und des HNO-Bereichs, Borreliose, Entzündungen der Haut zur Mahlzeit Wechselwirkung mit ­polyvalenten Kationen, Wirkungsverstärkung von Antikoagulanzien, Digoxin, MTX, Ciclosporin A, Antiepileptika können die Wirkung des Antibiotikums abschwächen wegen möglicher Speiseröhrenreizung: Einnahme mit reichlich Flüssigkeit in aufrechter Haltung, gastrointestinale Nebenwirkungen häufig, Tetracycline: phototoxisches Risiko, Risiko für Zahnverfärbungen bei ­Kindern möglich, bei Kindern unter acht Jahren sowie in Schwangerschaft und Stillzeit: kontraindiziert
Fosfomycin- Trometamol unkomplizierte Harnwegsinfekte nüchtern (orale Einmalgabe) gleichzeitige Gabe von ­Prokinetika wie MCP kann Wirkung vermindern Hinweise zur richtigen Einnahme: ­Einmalgabe am besten abends zwei Stunden nach dem Essen, möglichst kein Urinabsatz mehrere Stunden nach der Einnahme, um Wirkung sicherzustellen, Trinkmenge in den folgenden drei Tagen unter zwei Litern pro Tag, bei Kindern ab zwölf Jahren möglich
Cotrimoxazol 2. Wahl bei Harnwegs­- infektionen, bei schweren ­ Verläufen einer Sinusitis und Otitis media als Alternativ- therapie unabhängig von den Mahlzeiten Wirkungsverstärkung von Antikoagulanzien, Digoxin, MTX, Rifampicin, Phenytoin, Ciclosporin A, Achtung bei der Kombination mit QT-Zeit-verlängernden Arzneimitteln, mit Barbituraten erhöhte Toxizität von Cotrimoxazol möglich Nebenwirkungen: phototoxisches Potenzial, Blutbild­veränderungen und Elektrolyt­verschiebungen möglich, Vorsicht bei Folsäuremangel, keine Kombination mit Clozapin wegen eines erhöhten Agranulozytose-Risikos, Anwendung bei Säuglingen ab sechs Monaten möglich, in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen
Clindamycin Infektionen im Kiefer-, Mund und Rachenraum, Sinusitis dentogener Ursache nüchtern Wirkungsverstärkung von Antikoagulanzien wegen möglicher Speiseröhrenreizung: Einnahme mit reichlich Flüssigkeit in aufrechter Haltung, Kreuzallergie zu Makroliden und ­Penicillinen möglich, Anwendung bei Säuglingen ab vier ­Wochen möglich, in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen

Tabelle 3: Gyrasehemmer, Hauptindikation: schwere Infektionen der Atemwege; bei unkomplizierten Harnwegsentzündung als zweite Wahl

Wirkstoffe Einnahme Interaktionen Besonderheiten
Ciprofloxacin nüchtern mit polyvalenten Kationen ­Wirkminderung, Wechselwirkung mit CYP3A4- und CYP1A2-Substraten, Achtung bei der Kombination mit QT-Zeit-verlängernden Arzneimitteln, Wirkungsverstärkung von MTX, ­Carbamazepin, Ciclosporin und ­Antikoagulanzien Alle Chinolone: Nebenwirkungen: phototoxisches Risiko, zentrale Effekte wie Halluzinationen, ­QT-Zeit-Verlängerung, Sehnenrupturen, wegen Nierentoxizität: auf ausreichende Trinkmenge achten, Ciprofloxacin: für Kinder ab fünf Jahren zugelassen
Levofloxacin Moxifloxacin unabhängig von den Malzeiten keine relevanten Wechselwirkungen mit CYP-Substraten, ansonsten gleiche Risiken wie unter Ciprofloxacin Levofloxacin und Moxifloxacin: für Kinder kontraindiziert

Hohes Interaktionspotenzial

 

Da Antibiotika häufig im Notdienst verordnet werden, überprüft der Arzt die Akuttherapie nicht automatisch mit der Gesamtmedikation auf mögliche Interaktionen. Apotheker sollten immer nach der sonstigen Dauermedikation fragen oder sich den Medikationsplan zeigen lassen, insbesondere bei alten Patienten mit chronischen Erkrankungen. Typische Interaktionen betreffen die CYP-Metabolisierung, Verlängerung der QT-Zeit und Komplexierungsreaktionen mit polyvalenten Kationen.

Abhängig vom einzelnen Antibiotikum sind die Wechselwirkungen klinisch relevant. Hier gibt es auch Unterschiede in der jeweiligen Substanzgruppe. Es sei zum Beispiel Clarithromycin genannt, das sehr stark über CYP 3A4 metabolisiert wird, im Gegensatz zu Azithromycin (Tabelle 4).

Tabelle 4: Makrolide; Hauptindikation: Infektionen der Atemwege und des HNO-Bereichs

Wirkstoffe Einnahme Interaktionen Besonderheiten
Erythromycin


Clarithomycin




Roxithromycin


Azithromycin
nüchtern


unabhängig von den Mahlzeiten


nüchtern


unabhängig von den Mahlzeiten


Wechselwirkung mit CYP 3A4-Substraten: relevant Erythromycin > Clarithromycin > Roxithromycin > Azithromycin,
Achtung bei der Kombination mit ­QT-Zeit-verlängernden Arzneimitteln,
Wirkungsverstärkung von Carbamazepin, Ciclosporin, Digoxin, Antikoagulanzien, Theophyllin, NOAK (besonders bei ­Clarithromycin und Erythromycin)


alle Makrolide:
Nebenwirkungen: QT-Zeit-­Verlängerung,
für Kinder zugelassen.
bei Leberinsuffizienz: Dosisanpassung,
Erythromycin: Antibiotikum der Wahl in Schwangerschaft und Stillzeit

Über die klinische Relevanz der Interaktion von Antibiotika im Allgemeinen mit oralen Kontrazeptiva wird weiterhin gestritten. Die ABDA-Datenbank stuft die Interaktion als theoretisch möglich ein. In der Praxis gilt es allerdings als recht unwahrscheinlich, dass die Einnahme eines Antibiotikums die Wirkung der Hormone verringert, wenn weder Durchfall noch Erbrechen auftreten. So wird die Resorption von Estrogenen durch Antibiotika-assoziierte Diarrhöen möglicherweise reduziert. Außerdem wird diskutiert, ob Antibiotika durch die Schädigung der Darmflora den enterohepatischen Kreislauf beeinträchtigen, sodass Estrogene schneller ausgeschieden werden und eine Wirkminderung möglich ist.

In der Beratung von Frauen im gebärfähigen Alter können Apotheker das Thema mit folgendem Hinweis ­ansprechen: »Wenn Sie mit der Pille verhüten, ist es theoretisch möglich, dass das Antibiotikum deren Wirkung beeinträchtigt. Es ist zwar eher unwahrscheinlich – aber möglich! Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, denken Sie an zusätzliche Verhütung während der Antibiotikaeinnahme und sieben Tage darüberhinaus beziehungsweise bis nach Ende der nächsten Pillenpause.« Für die zusätzliche Verhütung stehen nur Barrieremaßnahmen zur Verfügung. /

 


 

Literatur   

  1. www.versorgungsatlas.de, Newsletter 2/2016; www.versorgungsatlas.de/filead min/pdf/VA_Newsletter_Nr2-2016_Antibio tika_fin_web.pdf
  2. Bätzing-Feigenbaum, J., et al., Antibiotikaverordnung in der ambulanten Versorgung. Eine bevölkerungsbezogene Untersuchung in Deutschland zum regionalen, altersgruppenbezogenen Verbrauch von Cephalosporinen und Fluorchinolonen. Dtsch Ärztebl Int 113, Nr. 26 (2016) 454-459. DOI: 10.3238/arztebl.2016.0454
  3. www.abda.de/fileadmin/assets/Pressetermine/2014/Antibiotikatag/Flyer_Antibiotika.pdf
  4. Bericht vom Pharmacon Meran 2008, Wichtige Abgabehinweise bei Antibiotika. Pharm Ztg 22 (2008). www.pharmazeutische-­zeitung.de/index.php?id=5829
  5. Bericht vom Pharmacon Meran 2017, Arzneimittelanwendung – Störfaktoren bei der Einnahme. Pharm Ztg 22 (2017). www.phar mazeutische-zeitung.de/index.php?id=69646
  6. Fachinfo Elobact®. Stand März 2015.
  7. Fachinfo Cefpodoxim Sandoz®. Stand Okt 2012.
  8. Knopf, H., et al., Off-label medicine use in children and adolescents: results of a population-based study in Germany. BMC Public Health 13 (2013) 631.
  9. Eckard, S., Beratungspraxis Bakterielle Infektionskrankheiten. 2. Aufl., Dtsch Apoth Verl, Stuttgart 2013.
  10. Robert-Koch-Institut, Grundsätze der Antibiotika-Therapie. www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/ART/Links/Grundsaetze-der-Therapie.html, Stand Nov. 2014.
  11. Bruhn, C., Unerwünschte Arzneimittelwirkungen: Gefahren für Magen und Darm. Dt Apoth Ztg 41 (2007) 40.
  12. Antibiotika-Beratungsscheibe, Bayerische Landesapothekerkammer. Govi-Verlag, Eschborn 2014.

Die Autorin

Katja Renner studierte Pharmazie an der Rheinischen Friedrich Wilhelm Universität, Bonn, und wurde an der Universität Köln promoviert. Seit 1996 ist sie in öffentlichen Apotheken tätig. Sie arbeitet seit 2000 als Dozentin für verschiedene Apothekerkammern und die ABDA. Ihr Schwerpunkt ist die praxisnahe Fortbildung zu Themen wie Depression, Kinder- oder Atemwegs­erkrankungen sowie zu Arzneimitteln in der Schwangerschaft. Renner ist Mitglied des Fort- und Weiter­bil­dungs­ausschusses der Apothekerkammer Nordrhein und gehört zum Projektteam von ATHINA. Sie veröffentlichte zahlreiche Artikel in Fachzeitschriften und ist Buchautorin.

Mehr von Avoxa