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Parkinson

Statine könnten Krankheitsbeginn beschleunigen

20.06.2017
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Von Kerstin A. Gräfe / Die Einnahme von Statinen kann den Beginn eines Morbus Parkinson bei Menschen, die für diese neurodegenerative Erkrankung prädisponiert sind, beschleunigen. Zu diesem Ergebnis kommen US-amerikanische Forscher um Dr. Guodong Liu vom Pennsylvania State University ­College of Medicine im Fachjournal »Movement Disorders« (DOI: 10.1002/mds.27006). Damit widersprechen sie früheren Untersuchungen, die Statinen einen eher protektiven Effekt zugeschrieben hatten.

Die Wissenschaftler filterten aus einer Versicherungsdatenbank, in der die Daten von mehr als 50 Millionen Menschen erfasst waren, 2322 Patienten mit einer neu diagnostizierten Parkinson-Erkrankung heraus. Diese verglichen sie mit einer ebenso großen Anzahl an Menschen ohne Erkrankung, die den Parkinson-Patienten bezüglich Alter, Geschlecht und Komorbiditäten entsprachen (Kontrollgruppe). Die Auswertung zeigte, dass die Einnahme von Statinen mit einer erhöhten Prävalenz der Parkinsonkrankheit assoziiert war, insbesondere im ersten Behandlungsjahr. Dabei gab es einen Unterschied zwischen lipophilen, also ZNS-gängigen, und wasserlöslichen Wirkstoffen: Patienten, die lipophile Statine einnahmen, hatten ein signifikant um 58 Prozent erhöhtes Risiko. Unter der Anwendung von wasserlöslichen Statinen war das Risiko lediglich nicht signifikant um 19 Prozent erhöht. »Unsere Ergebnisse stehen im Widerspruch zu der Hypothese, dass lipophile Statine einen nervenschützenden Effekt haben«, sagt Seniorautorin Dr. Xuemei Huang in einer Pressemitteilung. Diesen Zusammenhang hatte unter anderem ein 2012 in den »Archives of Neurology« erschienener Artikel nahegelegt (DOI: 10.1001/archneurol.2011.1060). /

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