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Berufsbild

»Unsere Arbeit hat sich verändert«

22.06.2016
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Von Christina Müller und Daniel Rücker / Nach dem Leitbild folgt das Berufsbild: Die Apotheker präzisieren ihr Selbstverständnis, ihre Rolle im Gesundheitswesen und ihre Stellung in der Gesellschaft. Thomas Benkert, Leiter der Arbeitsgruppe Berufsbild, erläutert im Gespräch mit der PZ die Ziele.

PZ: Die Bundesapothekerkammer hat vergangene Woche der finalen Version des Berufsbilds für Apotheker zugestimmt. Warum?

Benkert: Das Berufsbild wurde zuletzt 2004 überarbeitet. Seitdem ist viel passiert. Unsere Arbeit hat sich verändert. Mit dem Perspektivpapier haben wir ein konkretes Zukunftsszenario für die öffentliche Apotheke entwickelt. Mit dem Berufsbild haben wir dieses nun um eine detaillierte Beschreibung der Tätigkeiten in den für Apotheker wichtigen Arbeitsbereichen ergänzt, wie zum Beispiel im Krankenhaus oder der pharmazeutischen Industrie.

 

PZ: Welche Funktion hat das Berufsbild? Beschreibt es die aktuelle Situation oder soll es die Richtung vorgeben, in die sich die Apothekerschaft bewegen will?

 

Benkert: Eine wesentliche Funktion des Berufsbilds ist es, der Öffentlichkeit die Aufgaben und Leistungen der Apotheker näher zu bringen. Dazu gehört zuallererst unser Versorgungsauftrag, den wir an verschiedenen Stellen im Gesundheitssystem erfüllen. Wir beschreiben somit, was wir derzeit tun. Wir greifen aber auch absehbare zukünftige Entwicklungen auf.

 

PZ: In den vergangenen zwei Jahren wurde auch die Bundes-Apothekerordnung überarbeitet und ein Leitbild erstellt, das nun unter dem Begriff Perspektivpapier Apotheke 2030 die Richtung für die Weiterentwicklung des Apothekerberufs in der öffentlichen Apotheke vorgibt. Wie hängen diese drei Prozesse zusammen?

 

Benkert: Die drei Prozesse greifen ineinander. Mit der Definition der pharmazeutischen Tätigkeiten gibt die Bundes-Apothekerordnung den Rahmen vor. Sie wurde dieses Jahr unter intensiver Mitarbeit der Länder umfassend überarbeitet. Dafür gebührt ihnen unser Dank. Das Berufsbild füllt den Rahmen der Bundes-Apothekerordnung aus. Und das Perspektivpapier Apotheke 2030 gibt den Weg vor, wie wir unseren Versorgungsauftrag in der öffentlichen Apotheke weiterentwickeln wollen.

 

PZ: Der Begriff Berufsbild suggeriert, dass es eine gemeinsame Klammer für die zahlreichen unterschiedlichen Berufsausübungen der Apotheker gibt. Was verbindet den Berufsstand jenseits der gemeinsamen Studieninhalte vom Offizin-Apotheker über den Apotheker in der pharmazeutischen Industrie bis hin zum Apotheker in einer Behörde oder bei der Bundeswehr?

 

Benkert: Die Klammer ist der Versorgungsauftrag für die Bevölkerung. An dem sind Apotheker in allen Tätigkeitsgebieten beteiligt: in der Offizin ebenso wie im Krankenhaus, in der Industrie, der Forschung oder in Behörden. Sie alle sind Angehörige eines freien Heilberufs, das ist ein ganz wichtiger Aspekt. Wir sind persönlich dafür verantwortlich, was wir tun.

 

PZ: Wird es nur das eine gemeinsame Berufsbild für alle Apotheker geben oder planen Sie auch Ergänzungen für die jeweiligen Berufsgruppen?

 

Benkert: Das Berufsbild deckt alle wichtigen Tätigkeitsbereiche der Apotheker ab. Insofern bedarf es keiner Ergänzungen. Wir haben Vertreter dieser Berufsfelder an der Arbeit beteiligt, deshalb bin ich guter Dinge, dass sich jeder darin wiederfindet. Ich bin mir auch deshalb sicher, weil wir alle Apotheker eingeladen haben, sich onli­ne an der Diskussion zu beteiligen. Mehr als 1100 sind dieser Einladung gefolgt. Das Ergebnis steht auf einer breiten Basis. Wir haben die Tätigkeiten in den einzelnen Sparten ausführlich beschrieben. Ich glaube nicht, dass wir etwas für den Berufsstand Fundamentales vergessen haben. Jetzt haben wir eine Grundlage, die es uns auch ermöglicht, sich Gedanken über die Ausbildung der Studenten und über die Approbationsordnung zu machen. Mittelfristig wird dies eine zentrale Aufgabe für uns sein.

 

PZ: Im aktuellen Entwurf zum Berufsbild wird an vielen Stellen auch die Zusammenarbeit mit anderen Heil- und Gesundheitsberufen als berufstypisch dargestellt. Wie wichtig ist Ihnen die Einbeziehung der Partner im Gesundheitswesen?

 

Benkert: Sehr wichtig. Im Mittelpunkt steht der Patient. Um ihn kümmern sich die Heilberufler. In Zukunft werden sie sich stärker miteinander abstimmen müssen, zum Beispiel beim Medikationsmanagement. Dabei ist der Arzt auf den Apotheker angewiesen und umgekehrt. Auch Physiotherapeuten, Hebammen und andere Gesundheitsberufe werden in Zukunft stärker als bislang mit Apothekern zusammenarbeiten.

 

PZ: Was macht Sie zuversichtlich, dass die Ärzte dies auch wollen?

 

Benkert: Die Zeit. Viele ältere Ärzte arbeiten nicht so gern mit Apothekern zusammen. Jüngere Mediziner haben da weniger Berührungsängste. Ich bin mir sicher, dass die interdisziplinäre Zusammenarbeit in einigen Jahren eine Selbstverständlichkeit für die Heilberufe sein wird. Ärzte werden dann froh sein, dass es mit dem Apotheker einen Partner gibt, auf den sie sich bei Fragen über Arzneimittel verlassen können.

 

PZ: Welche Kraft hat das neue Berufsbild? Wird es das Selbstverständnis der Apotheker beeinflussen?

 

Benkert: Das Berufsbild soll weniger nach innen wirken als nach außen. Unsere Intention ist es, die Vielfalt der apothekerlichen Arbeitsfelder in der Öffentlichkeit darzustellen. Wir wollen damit natürlich auch Aufmerksamkeit für Tätigkeiten wie das Medikationsmanagement, den Medikationsplan oder Prävention erzeugen.

 

PZ: Welche Reaktion erwarten Sie von den Apothekern?

 

Benkert: Ich erwarte keine Lobeshymnen und keine Dankesschreiben. Ich bin aber der Meinung, dass wir gute Arbeit abgeliefert haben und würde mich freuen, wenn unsere Kolleginnen und Kollegen diese wertschätzen. /

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