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WHO-Bericht

Misshandlung von Senioren verbreitet

21.06.2011  16:28 Uhr

Von Christina Hohmann-Jeddi / Mindestens vier Millionen Menschen über 60 Jahre werden in Europa jährlich körperlich misshandelt: Sie werden geschlagen, getreten, verbrannt, mit dem Messer verletzt oder eingesperrt. Das ist das Ergebnis eines aktuellen Berichts der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

»Das ist schockierend«, sagte Zsuzsanna Jakab, Regionaldirektorin der WHO für Europa zur Vorstellung des aktuellen Reports bei der dritten europäischen Konferenz über Verletzungsprävention in Budapest. Der 100 Seiten starke Bericht fasst erstmals das Ausmaß des Problems in der WHO-Europaregion zusammen. »Die Misshandlung zerstört das Leben von älteren Menschen, und beeinflusst ihre mentale und physische Gesundheit zu einer Zeit, in der sie besonders verletzlich sind.«

Den WHO-Daten zufolge ist die Misshandlung von Senioren ein gravierendes Problem in Europa. Jedes Jahr erleiden etwa 29 Millionen mentale Gewalt wie Bedrohungen oder Beleidigungen, sechs Millionen werden Opfer von finanzieller Misshandlung etwa Diebstahl oder Betrug und eine Mil­lion wird sexuell misshandelt. Zudem gebe es Hinweise, dass bis zu 2500 ältere Menschen von ihren eigenen Familienangehörigen umgebracht werden.

 

Das höchste Risiko, Opfer von Misshandlungen zu werden, haben behinderte, demente und pflegebedürftige Menschen. Die Übergriffe können sowohl in der Familie als auch in Pflegeeinrichtungen erfolgen. Das Ausmaß des Problems variiert von Region zu Region. Am stärksten ausgeprägt sei es in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen und dort in den ärmsten Schichten, heißt es in dem Bericht. Das Thema werde bislang tabu­isiert, weshalb viele Fälle nicht gemeldet werden.

 

Das Problem der Misshandlungen von Senioren könne sich künftig weiter verschärfen, da die Zahl älterer Menschen zunehme. Im Jahr 2050 wird ein Drittel der Bevölkerung über 60 Jahre alt sein. Die Regierungen müssten »dieses wachsende gesundheitliche und soziale Problem aufhalten«, forderte Jakab. Wichtig hierfür sei Aufklärung, der Ausbau von Hilfsangeboten für Opfer sowie die Einführung von Präventions- und Kontrollstrategien. /

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