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Steuertipp

Betriebsfeiern steuerfrei gestalten

21.06.2011
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Von Renate Schlüter / Bei üblichen Betriebsfeiern sind Zuwendungen des Arbeitgebers an seine Beschäftigten bis zu einer Grenze von 110 Euro je Mitarbeiter lohnsteuerfrei. Der Bundesgerichtshof muss nun klären, ob das 110-Euro-Limit noch zeitgemäß ist.

Als übliche Betriebsveranstaltungen gelten zum Beispiel Weihnachtsfeiern oder Betriebsausflüge. Sie sollen den Kontakt der Arbeitnehmer untereinander und damit das Betriebsklima fördern. Bei solchen Veranstaltungen liegt kein lohnsteuerpflichtiger Arbeitslohn vor. Denn die Zuwendungen bei einer derartigen Betriebsveranstaltung erfolgen überwiegend im eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers.

 

Anders verhält es sich bei unüblichen Veranstaltungen. Da hier der Entlohnungscharakter überwiegt, unterliegen Zuwendungen des Arbeitgebers der Lohnsteuerpflicht.

 

Steuerfreie Betriebsveranstaltungen

 

Betriebsveranstaltungen sind lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei, wenn sie die folgenden Kriterien erfüllen:

 

Die Teilnahme steht allen Betriebsangehörigen offen.

Es finden nicht mehr als zwei Betriebsveranstaltungen jährlich statt. Auf die Dauer der einzelnen Veranstaltung kommt es nicht an.

Die üblichen Zuwendungen pro Veranstaltung übersteigen je teilnehmenden Arbeitnehmer nicht den Betrag von 110 Euro inklusive Umsatzsteuer.

Wird die Freigrenze von 110 Euro überschritten, sind die Zuwendungen des Arbeitgebers in vollem Umfang dem Arbeitslohn hinzuzurechnen. Da die Freigrenze von 110 Euro bereits seit dem Jahr 2003 gilt und die Preise seither erheblich gestiegen sind, stellt sich die Frage, ob die Höhe der Freigrenze noch zeitgemäß ist.

 

Der aktuelle Fall: ein Sommerfest

 

Mit dieser Frage hat sich kürzlich das Finanzgericht Hessen beschäftigt. In dem strittigen Fall hatte eine Partnergesellschaft von Rechtsanwälten im Jahr 2007 ein Sommerfest veranstaltet, dessen Kosten die Freigrenze von 110 Euro überstiegen.

 

Die Rechtsanwälte vertraten die Auffassung, dass es sich trotzdem um eine übliche und damit steuerfreie Betriebsveranstaltung handelte. Die Grenze von 110 Euro habe ihren Ursprung in den Lohnsteuerrichtlinien 2003. Der damals festgelegte Betrag trage den in der Zwischenzeit eingetretenen Kostenentwicklungen und der allgemeinen Steigerung des Lebensstandards aber nicht mehr Rechnung, argumentierten die Rechtsanwälte.

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Das Finanzamt und das Finanzgericht Hessen teilten diese Auffassung nicht und bewerteten die Zuwendungen als lohnsteuerpflichtigen Arbeitslohn. Gegen das Urteil des Finanzgerichts Hessen läuft eine Revision vor dem Bundesfinanzhof.

 

Deshalb sollten sich Arbeitgeber wehren, die wegen Überschreiten der 110-Euro-Grenze bei einer Betriebsveranstaltung Lohnsteuer und Sozialabgaben zahlen sollen. Am besten sie beantragen gegen den Lohnsteuernachforderungsbescheid unter Hinweis auf das vor dem Bundesfinanzhof anhängige Musterverfahren ein Ruhen des Verfahrens (Aktenzeichen: VI R 79/10).

 

Pauschalieren erspart Sozialabgaben

 

Tipp: Stellen die Zuwendungen an den einzelnen Arbeitnehmer anlässlich einer Betriebsveranstaltung Arbeitslohn dar, kann der Arbeitgeber auch eine pauschale Versteuerung wählen. Die Lohnsteuer beträgt dann 25 Prozent zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Der Vorteil dieser Pauschalierung: Es fallen keine Sozialabgaben an. /

Steuerberaterin Renate Schlüter ist Mitarbeiterin der Steuerabteilung der Treuhand Hannover GmbH Steuerberatungsgesellschaft, Hildesheimer Straße 271, 30519 Hannover, Telefon 0511 83390-0, www.treuhand-hannover.de.

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