Pharmazeutische Zeitung online
Schlaganfall

Stammzellinjektion heilt Schäden

15.06.2016  09:09 Uhr

Von Henriette Müller / Ein neuer Therapieansatz, bei dem Schlaganfallpatienten genetisch modifizierte, menschliche Stammzellen direkt in das Gehirn injiziert bekommen, ist nicht nur sicher, sondern auch effektiv. Die Patienten konnten zum Teil wieder laufen, besser sprechen oder ihre Arme bewegen.

Ob eine Injektion von Stammzellen bei Schlaganfallpatienten einen Teil der verlorenen motorischen Funktionen wiederherstellen kann, untersuchten Wissenschaftler um Professor Dr. Gary Steinberg von der Stanford University School of Medicine in Kalifornien.

An der Untersuchung nahmen 18 durchschnittlich 61-jährige Patienten teil, deren motorische Funktionen nach einem Schlaganfall, der sechs Monate bis drei Jahre zurücklag, deutlich beeinträchtigt waren. Sie erhielten eine Injektion mit mesenchymalen Stammzellen in die betroffene Gehirnregion. Die Zellen stammten aus dem Knochenmark zweier gesunder Spender und wurden vor der Transplantation gentechnisch so verändert, dass sie eine veränderte Form des Gens Notch1 enthielten. Dies bewirkt, dass das Signalmolekül Notch1 dauerhaft aktiv ist. Die Zellen sind so in der Lage, bestimmte Wachstumsfaktoren auszuschütten, die die Regeneration von geschädigtem Nervengewebe unterstützen.

 

Vorklinische Studien hatten gezeigt, dass sich die mesenchymalen Stammzellen nicht in ungewollte Gewebestrukturen differenzieren oder Tumoren bilden. Sie lösen keine Immunreaktion aus, sondern sind sogar in der Lage, die Reaktion des Immunsystems zu unterdrücken, was die Zellregeneration zusätzlich unterstützt. Deshalb erhielten die Transplantierten auch keine immunsupprimierende Therapie.

 

Anhaltender Effekt

 

Nach der Injektion waren die Stammzellen bereits nach einem Monat nur noch teilweise nachweisbar und nach zwei Monaten komplett verschwunden. Messbare Verbesserungen der motorischen Störungen traten innerhalb eines Monats nach der Behandlung ein, setzten sich über mehrere Monate kontinuierlich fort und blieben auch ein Jahr später noch erhalten, berichten die Forscher im Fachjournal »Stroke« (DOI: 10.1161/STROKEAHA.116.012995). Alle Patienten zeigten Nebenwirkungen der Therapie, die in der Regel aus vorübergehenden Kopfschmerzen aufgrund des Aufbohrens des Schädels und der hierfür nötigen Fixierung des Kopfes bestanden. Die transplantierten Zellen selbst bewirkten keine unerwünschten Reaktionen.

 

Zu ähnlichen Ergebnissen war bereits eine Studie des britischen Unternehmens ReNeuron gekommen, die ebenfalls messbare Verbesserungen der motorischen Funktionen bei den behandelten Patienten zeigen konnte. Beide Forschergruppen planen nun Folgestudien mit einer größeren Patientenzahl und einer Kontrollgruppe, die nur eine Scheinbehandlung erhält. /

Mehr von Avoxa