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Hautkrebserkennung

Computer besser als Dermatologen

05.06.2018
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Von Annette Mende / Ein speziell trainiertes Computerprogramm hat in einer Studie bösartigen Hautkrebs auf Fotos besser erkannt als erfahrene Dermatologen. Das Programm, ein sogenanntes konvolutionales neuronales Netzwerk (CNN), übersah weniger maligne Melanome und hielt harmlose Leberflecke seltener für bösartig.

 

Es zeigte damit sowohl eine bessere Sensitivität als auch Spezifität als die Ärzte aus Fleisch und Blut, wie ein Team um Professor Dr. Holger Hänßle von der Universitäts-Hautklinik Heidelberg im Fachjournal »Annals of Oncology« berichtet (DOI: 10.1093/annonc/mdy166).

Ein CNN ist ein lernendes System, das Erfahrungen verarbeitet und dadurch seine Leistung stetig verbessert. Um das CNN zu trainieren, zeigten die Forscher ihm mehr als 100 000 Fotos von Muttermalen sowie bösartigen und gutartigen Krebserkrankungen der Haut und gaben dazu für jedes Bild die Diagnose an. Anschließend legten die Forscher dem CNN 100 bisher nicht gezeigte Fotos von schwierig zu beurteilenden Läsionen vor. Dieselben Bilder wurden auch 58 Dermatologen aus aller Welt gezeigt. 30 von ihnen waren bereits mehr als fünf Jahre als Hautärzte tätig und galten daher als erfahren.

 

Nur anhand der Bilder erkannten die Dermatologen durchschnittlich 86,6 Prozent der malignen und 71,3 Prozent der gutartigen Läsionen korrekt. Erhielten sie zusätzliche Informationen wie Alter und Geschlecht des Patienten, Position der Läsion sowie Nahaufnahmen, verbesserten sich die Sensitivität auf 88,9 Prozent und die Spezifität auf 75,7 Prozent. Dabei halfen die zusätzlichen Informationen vor allem den weniger erfahrenen Ärzten: Die erfahrenen Kollegen hatten von vorneherein besser abgeschnitten (Sensitivität 89 Prozent, Spezifität 74,5 Prozent), sie verbesserten sich aber durch die Zusatzinfos nicht. Das CNN übertraf mit einer Sensitivität von 95 Prozent und einer Spezifität von 82,5 Prozent am Ende alle.

 

Diagnostik-Systeme dieser Art sollten Ärzte künftig aber nicht ersetzen, sondern unterstützen, etwa bei der Entscheidung, eine Biopsie zu nehmen oder nicht, so die Forscher. /

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