Pharmazeutische Zeitung online
Frühsommer-Meningoenzephalitis

Drei neue Risikogebiete

02.06.2015
Datenschutz bei der PZ

Von Christina Hohmann-Jeddi / Das Robert-Koch-Institut hat die Karte der Risikogebiete für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) aktualisiert und dabei drei weitere Kreise aufgenommen: Zwei Regionen in Bayern und eine in Thüringen gelten nun auch als Risikogebiete.

Insgesamt 145 Kreise in Deutschland sind derzeit als FSME-Risikogebiet definiert. Die meisten von ihnen liegen in Baden-Württemberg und Bayern. Aber auch in Südhessen und im südöstlichen Thüringen besteht Infektionsgefahr. Einzelne Risikogebiete befinden sich zudem in Mittelhessen (Landkreis Marburg-Biedenkopf), im Saarland (Saar-Pfalz-Kreis), in Rheinland-Pfalz (Landkreis Birkenfeld), und seit 2014 mit dem Landkreis Vogtlandkreis auch in Sachsen. Das berichtet das Robert-Koch-Institut (RKI) im aktuellen »Epidemiologischen Bulletin«.

Neu hinzukommen sind dieses Jahr in Bayern der Stadtkreis Hof sowie der Landkreis Ostallgäu und in Thüringen der Landkreis Greiz (siehe Karte). Alle drei grenzen an bestehende Risiko­gebiete an. Ein Kreis gilt laut RKI dann als Risikogebiet, wenn in einem Zeitraum von fünf Jahren im Kreis selbst oder in der sogenannten Kreisregion (bestehend aus dem Kreis plus allen angrenzenden Kreisen) mehr als eine Erkrankung pro 100 000 Einwohner aufgetreten ist. Auf die drei neuen Risikogebiete traf Letzteres zu: Sie wurden als Risikogebiete deklariert, weil die Inzidenz in der Kreisregion, nicht aber im Kreis selbst erhöht war.

 

Insgesamt ist die von Zecken übertragene Virusinfektion selten: Pro Jahr erkranken etwa 300 Menschen in Deutschland an FSME, wobei die Zahlen von Jahr zu Jahr deutlich schwanken. 2014 wurden 265 Fälle gemeldet. Davon traten mehr als die Hälfte in Bayern auf, 30 Prozent in Baden-Württemberg, 7 Prozent in Hessen und etwa 6 Prozent in Sachsen. 2013 wurden 420 Erkrankungen registriert, 2012 insgesamt 195.

 

Asymptomatische Verläufe häufig

 

Nicht jeder Stich einer mit FSME- Viren infizierten Zecke führt zu einer symptomatischen Infektion. Erin Anteil von 70 bis 95 Prozent bleibt asymptomatisch. Tritt allerdings eine Erkrankung auf, verläuft diese typischerweise biphasisch: Sie beginnt nach einer Inkubationszeit von etwa 7 bis 14 Tagen mit unspezifischen, grippeähnlichen Beschwerden. Nach einem kurzen fieberfreien Intervall von etwa einer Woche folgen bei 10 Prozent der Erkrankten die spezifischen neurologischen Manifestationen der FSME wie Meningitis, Enzephalitis oder Myelitis. In diesen Fällen besteht die Gefahr von bleibenden neurologischen Ausfällen, in der Regel in Form von Paresen, aber auch von Anfallsleiden oder lange andauernden Kopfschmerzen. Diese Symptome können oft Monate nach der Erkrankung persistieren, schreibt das RKI. Häufig kommt es jedoch selbst nach schweren Verläufen zur völligen Heilung. Schwere Krankheitsverläufe werden fast nur bei Erwachsenen beobachtet.

 

Eine kausale Therapie existiert nicht. Daher rät das RKI zur Prävention mittels Schutzimpfung. Diese empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) allen Personen, die in Risiko­gebieten wohnen oder arbeiten und dabei ein Risiko für Zeckenstiche haben. Ebenfalls empfohlen ist sie für Personen, die sich in Risikogebieten aufhalten und dort gegenüber Zecken exponiert sind. Ein zeitlich begrenzter Impfschutz etwa für Urlauber wird mit zwei Impfdosen erreicht, für einen länger wirksamen Schutz sind drei Dosen notwendig.

 

Unter Umständen kann auch eine Schutzimpfung für bestimmte Personen außerhalb von Risikogebieten sinnvoll sein, die sich aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit oder Freizeitaktivitäten besonders viel im Freien aufhalten. Denn auch außerhalb von Risikogebieten können Infektionen auftreten, wenn auch selten. Insgesamt 150 Erkrankungen traten seit 2002 außerhalb der ausgewiesenen Risikogebiete auf; das entspricht 2,8 Prozent aller Erkrankungen in diesem Zeitraum. Auch 2014 erkrankten 15 Personen an FSME in Regionen, die nicht als Risikogebiete ausgewiesen waren.

 

Die Impfquoten sind nach Ansicht des RKI unzureichend hoch. So hätten die Impfquoten bei Schulanfängern in den vier Bundesländern mit der Mehrzahl der Risikogebiete bis 2010 zugenommen, seitdem stagnierten sie. In Bayern ist etwa jedes dritte Kind bei Einschulung geimpft, in Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen nur etwa jedes fünfte. Die Impfquoten für Erwachsene lägen noch darunter, obwohl diese ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe und Komplikationen haben, so das RKI. Höhere Impfquoten könnten einen erheblichen Teil der Erkrankungen verhindern.

 

Repellenzien schützen auch vor Borreliose

 

Neben der Impfung rät das RKI zu weiteren präventiven Maßnahmen. So lässt sich das Risiko für Zeckenstiche senken, indem man lange Hosen und helle Kleidung trägt, Repellenzien verwendet und Unterholz und hohe Gräser meidet. Bei Zeckenstichen sollte das Tier möglichst schnell entfernt und die Wunde desinfiziert werden. Diese Schutzmaßnahmen sind vor allem auch sinnvoll, um eine weitere durch Zecken übertragene Erkrankung, die Lyme-Borreliose, zu vermeiden. Diese ist anders als FSME bundesweit verbreitet und zudem auch noch deutlich häufiger. Offizielle Zahlen gibt es zwar nicht, da keine bundesweite Meldepflicht besteht. Das Nationale Referenzzentrum für Borrelien am bayerischen Gesundheitsministerium in Erlangen geht aber von 60 000 bis 100 000 Neuerkrankungen pro Jahr aus.

 

Eine Schutzimpfung für Borrelien existiert nicht, doch die Erkrankung lässt sich antibiotisch behandeln. Je früher die Therapie ansetzt, desto besser. Eine prophylaktische Antibiotika­gabe nach Zeckenstich wird aber nicht empfohlen. Das Absuchen des Körpers nach Zecken und deren schnelle Entfernung bieten vor allem bei der Borreliose einen guten Schutz. Denn die Erreger werden erst etwa 24 Stunden nach Beginn des Saugakts übertragen. Im Gegensatz dazu gelangen die FSME-Viren bereits beim Beginn des Blutsaugens von der Zecke in den Menschen. /

Mehr von Avoxa