Pharmazeutische Zeitung online

Null-Retax, Null-Logik

04.06.2014  11:31 Uhr

Draußen steigen die Temperaturen, aber Apotheker werden sich in nächster Zeit wohl warm anziehen müssen. Warum? Nachdem das Bundesverfassungsgericht die Beschwerde gegen das Urteil des Bundessozialgerichts zu Null-Retaxationen abgelehnt hat, sind wir dieser Geld-Beschaffungs-Masche der Kassen erstmal schutzlos ausgeliefert (lesen Sie dazu Bundesverfassungsgericht: Beschwerde zu Null-Retax gescheitert). Gut möglich, dass eine Schar übermotivierter Kassen-Angestellter sich nun wieder über die Rezepte hermachen wird, vorzugsweise die ganz teuren natürlich.

 

Das Ergebnis wird wie immer das Gleiche sein. Pharmazeutisch betrachtet gibt es nichts zu beanstanden. Der Patient wurde mit einem richtigen Arzneimittel versorgt. Aber irgendein lächerlicher Formfehler wird sich schon finden lassen, damit die Kasse dem Apotheker weder ein Honorar bezahlen noch den Einkaufspreis des Medikaments erstatten muss. Den Kassen geht es bei der Rezeptkontrolle schließlich nicht um die Arzneimitteltherapiesicherheit, sondern ums Geld. Das sieht man auch daran, dass noch kein Fall bekannt wurde, in dem eine Kasse mehr bezahlt hat, als von der Apotheke abgerechnet. Gemäß Lieferverträgen wären die Kassen aber dazu verpflichtet, Rezepte nicht nur zuungunsten, sondern auch zugunsten der Apotheke zu prüfen.

 

Die Entscheidung der Karlsruher Richter werden wir akzeptieren müssen. Sie ist dennoch sehr bedauerlich. Fest steht damit, dass der Rechtsweg nun ausgeschöpft ist. Auch mit dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung ist keine Lösung im Zuge der Selbstverwaltung in Sicht. Das heißt, dass nun die Politik gefordert ist.

 

Die beim Pharmacon Meran versammelten Apotheker forderten den Gesetzgeber auf, durch eine Gesetzesänderung die Möglichkeit der Null-Retaxation einzuschränken. Immer dann, wenn die Retaxation Folge geringfügiger Formfehler von Arzt oder Apotheker ist, muss den Apotheken zumindest der Einkaufswert der an den Patienten abgegebenen Arzneimittelpackung erstattet werden, heißt es in einer Resolution.

 

Eines ist klar: Wenn das pharmazeutische Personal Angst davor haben muss, hochpreisige Rezepte anzunehmen und zu beliefern, leidet irgendwann die Versorgungssicherheit der Patienten. Den Kassen ist das vielleicht einerlei, der Politik kann das nicht egal sein. Sie hat es nun in der Hand, für eine bundeseinheitliche Lösung des Problems zu sorgen und sich damit nicht nur für Rechtssicherheit in den Apotheken, sondern vor allem für die Versorgungssicherheit der Bevölkerung einzusetzen.

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