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COPD

Lippenbremse lindert Atemnot

04.06.2013
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Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine pathologische Entzündungsreaktionen der Lunge auf Partikel oder Gase in der Luft. Typisch ist eine Limitation des Atemflusses, die im Gegensatz zum Asthma nicht vollständig reversibel ist. Die Pharmakotherapie besteht in der Regel aus Bronchodilatatoren und Anticholinergika. Daneben hilft den Patienten eine spezielle Atemtechnik, die sogenannte Lippenbremse.

»Risikofaktor für eine COPD-Erkrankung ist in erster Linie das Zigaretten-Rauchen, hohen Einfluss hat aber auch eine genetische Disposition sowie zu einem kleineren Anteil die Luftverschmutzung«, sagte Professor Dr. Michael Pfeifer, Medizinischer Direktor des Zentrums für Pneumologie am Klinikum Donaustauf. Die Erkrankung verlaufe progredient und habe viele Phäno­typen. »Den einen COPD-Patienten gibt es nicht«, betonte Pfeifer. Exazerbationen und Komorbiditäten trügen im Einzelfall zum Gesamtschweregrad bei.

Kollaps der Atemwege

 

Im Laufe der Erkrankung kommt es zu einer Destruktion der Lunge, dem Lungenemphysem. Dabei bildet sich die Struktur des Lungengewebes zurück, aus vielen kleinen Alveolen entsteht ein einziger großer Hohlraum. In der Folge verlieren die kleinen Atemwege an Stabilität. »Bei kräftigem Ausatmen kollabiert der Atemweg und der Patient kann nicht ausatmen. Die Lunge überbläht und so kommt es zur Atemnot«, erklärte Pfeifer. Helfen könne hier die Lippenbremse. Dabei handelt es sich um eine spezielle Atemtechnik, bei der der Patient gegen die locker aufeinanderliegenden Lippen ausatmet. Durch den so aufgebauten Druck stabilisiert sich der Atemweg und das Ausatmen ist wieder möglich.

 

Da eine früh einsetzende Therapie den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen kann, ist es wichtig, COPD- Patienten frühzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln. Ziel der medikamentösen COPD-Therapie ist es unter anderem, meist durch Infektionen ausgelöste Exazerbationen zu vermeiden. »Die dauerhafte Gabe lang wirksamer Bronchodilatatoren kann schon in leichteren Krankheitsstadien die Rate akuter Exazerbationen reduzieren. Der Patient behält so länger eine bessere Lungenfunktion«, so Pfeifer.

 

Als Standardtherapie kommen lang wirksame Bronchodilatatoren zum Einsatz. In der Substanzklasse der lang wirksamen Anticholinergika gibt es seit dem vergangenen Jahr neben Tiotropium zwei neue Substanzen: Glycopyrronium und Aclidinium. Letzteres muss der Patient im Gegensatz zu den anderen beiden Substanzen zweimal täglich inhalieren. Die abendliche Dosis helfe vor allem Patienten, die nachts oder früh morgens Beschwerden haben, so Pfeifer. Davon abgesehen seien die drei Substanzen jedoch klinisch austauschbar.

 

Durch die Kombination eines lang wirksamen Anticholinergikums mit einem lang wirksamen β2-Agonisten wie Formoterol, Salmeterol oder Indacaterol könne eine bessere Wirkung erzielt werden als mit den Einzelsubstanzen. »Die COPD-Therapie der Zukunft wird nur aus einem Inhalator bestehen, mit dem der Patient gleichzeitig zwei Substanzen inhalieren kann«, prognostizierte Pfeifer.

 

Cortison ist nicht Standard

 

Neben der Verbesserung des Atemflusses steige auch die Bedeutung der Entzündungshemmung in der COPD- Therapie. Inhalative Corticosteroide kommen – anders als in der Asthma-Therapie – nicht als Standardbehandlung zum Einsatz, sondern werden nur kurzzeitig bei akuten Exazerbationen angewendet. »Bei der COPD liegt eine neutrophile Entzündung vor, bei der Corticosteroide nicht gut wirken. Bei einer akuten Exazerbation sind hingegen auch eosinophile Granulozyten beteiligt, daher profitieren die Patienten in diesem Fall von der Gabe eines Steroids«, erklärte Pfeifer. Das Ausschleichen des Corticoids ist bei einer kurzen Therapiedauer von fünf Tagen laut Pfeifer nicht nötig.

 

Der orale Phosphodiesterase-(PDE)-4-Hemmer Roflumilast wirkt ebenfalls antientzündlich. Laut Pfeifer reduziert der Wirkstoff die Exazerbationsrate signifikant. Nachteilig seien allerdings Nebenwirkungen wie Übelkeit und Gewichtsverlust. Diese ließen jedoch in der Regel nach einiger Zeit nach. Theophyllin spiele in der COPD-Therapie inzwischen nur noch eine unter­geordnete Rolle.

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