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Elektronische Gesundheitskarte

Ärzte drohen mit Projektausstieg

04.06.2013
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Von Stephanie Schersch / Die Kassenärzte fordern einen grundlegenden Kurswechsel bei der elektronischen Gesundheitskarte. Andernfalls wollen sie aus der Betreibergesellschaft Gematik aussteigen.

Am Rande des Deutschen Ärztetags in Hannover hatte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) das Projekt elektronische Gesundheitskarte (EGK) auf die Agenda ihrer Vertreterversammlung gesetzt. Die ursprüngliche Inten­tion des Gesetzgebers sei dem IT-Projekt schon lange nicht mehr anzusehen, sagte KBV-Chef Andreas Köhler.

Eigentlich habe man mit der Karte die Kommunikation etwa zwischen Praxen und Krankhäusern verbessern wollen. Davon sei man aber weit entfernt. Stattdessen konzentriere sich das Projekt zu sehr auf die Interessen der Kassen.

 

Grundlegende Korrekturen

 

Die Vertreterversammlung der KBV hat daher per Beschluss die weitere Mitarbeit in der Gematik abgelehnt, sofern es keine Kurskorrekturen bei der elektronischen Gesundheitskarte gibt. Bleiben grundlegende Änderungen aus, soll die KBV sogar die Auflösung der Gematik einfordern, beschlossen die Delegierten.

 

Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) in den Ländern und die KBV wollen nun parallel zur Gematik bestehende Netzinfrastrukturen fördern und ausbauen. So gebe es etwa ein eigenes sicheres Netz der KVen, heißt es. Die Ärzte wehren sich laut KBV dagegen, mit der EGK Aufgaben wie die Verwaltung von Versichertendaten zu übernehmen »Die Aktualisierung der Versichertenstammdaten ist und bleibt eine Verwaltungsaufgabe der Krankenkassen«, sagte Köhler. Er schlug als alternative Lösung Terminals in den Filialen der Kassen vor, an denen die Versicherten ihre Daten selbst verwalten und aktualisieren können.

 

Ingo Kailuweit, Chef der Kaufmännischen Krankenkasse KKH, reagierte mit Unverständnis auf die Kritik der KBV. Die Ärzte hätten den Fahrplan zur Umsetzung des EGK-Projekts schließlich mitgetragen, sagte er. »Für gewisse Anwendungen wie zum Beispiel den online-basierten Arztbrief müssen zunächst die technischen Voraussetzungen geschaffen werden.« Die Drohung, aus dem Projekt auszusteigen, sei ein völlig falsches Signal. »Die elektronische Gesundheitskarte ist ein gemeinsames Zukunftsprojekt, das die Patientenversorgung durch einen erhöhten Informationsaustausch in Deutschland verbessern soll und auch wird«, so Kailuweit. Diesen Weg müsse man auch künftig zusammen beschreiten. /

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