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Neuer Ansatz

Tiefe Hirnstimulation als Diabetestherapie

29.05.2018
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Die Aktivierung spezieller Hirnregionen, auch als tiefe Hirnstimulation (THS) bekannt, könnte sich zur Therapie des Typ-2-Diabetes eignen. Hinweise darauf fand ein Forscherteam aus den Niederlanden und den USA.

 

Wie die Wissenschaftler um Dr. Kasper ter Horst vom Academic Medical Center in Amsterdam im Fachjournal »Science Translational Medicine« berichten, sank bei einem adipösen Typ-2-Diabetiker durch die THS die benötigte tägliche Insulindosis deutlich (DOI: 10.1126/scitranslmed.aar3752).

In den vergangenen Jahren wurde zunehmend deutlich, dass das Gehirn an der Regulation des Glucosemetabolismus beteiligt ist. Tierversuchen zufolge spielen die Dopamin-Signalwege im Striatum (Streifenkörper) hierbei eine wichtige Rolle. Deren Bedeutung für den Glucosestoffwechsel untersuchte das Team um ter Horst nun genauer. Sie wählten Personen mit therapieresistenten Zwangserkrankungen als Probanden aus, da sich bei diesen die tiefe Hirnstimulationen als effektiv und sicher erwiesen hat und mittlerweile eingesetzt wird. Bei einem adipösen Patienten mit Typ-2-Diabetes und bei 14 nicht diabetischen Patienten untersuchten die Forscher, wie sich die THS auf die Glucosewerte und die Insulinsensitivität auswirkte.

 

Die elektrische Aktivierung des ventralen vorderen Schenkels der Capsula interna (vALIC), deren Faserzüge auf ihrem Weg zwischen Thalamus und Cortex das Striatum durchziehen, erhöhte bei allen Probanden die Insulinsensitivität. Das war daran zu erkennen, dass durch die Behandlung der Nüchtern-Plasma-Glucosewert und die endogene Glucoseproduktion unverändert blieben, aber die Nüchtern-Plasma-Insulinkonzentration absank.

 

Da die vALIC-Stimulation, die die Dopaminausschüttung erhöht, die Insulinsensitivität verbessert, folgerten die Forscher, dass die Verringerung der Dopaminkonzentration im Striatum die Insulinsensitivität in Leber und Muskeln herabsetzen würde. Dies testeten sie an zehn gesunden jungen Männern. Diese erhielten den Wirkstoff α-Methylparatyrosin (AMPT), der ein wichtiges Enzym der Dopaminsynthese hemmt und nachweislich die Dop­aminkonzentration im Striatum senkt. Wie erwartet, reduzierte die AMPT-­Gabe bei den Männern die periphere Insulinsensitivität.

 

Die Daten zeigten, dass die Modulation des Dopaminsystems im ventralen Striatum den Glucosestoffwechsel im ganzen Organismus beeinflusst, schreiben die Forscher. Ihrer Ansicht nach könnte die tiefe Hirnstimulation einen neuen Ansatz zur Therapie von Dia­betes und Adipositas darstellen. /

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