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Informationsgehalt der U-Hefte ist verbesserungswürdig

31.05.2017  09:31 Uhr

Von Daniela Hüttemann / Zur Geburt erhält jedes Kind in Deutschland das gelbe Vorsorgeuntersuchungsheft. Von der U1 direkt nach der Geburt bis zur J1 im Alter von 12 bis 13 Jahren sollen Kinderärzte dort die Entwicklung ihrer Patienten dokumentieren.

 

Das tun sie jedoch häufig unplausibel und unleserlich, kritisieren Forscher um Alexandra Weithase vom Universitätsklinikum Leipzig. Weithase und Kollegen hatten die Gelben Hefte von fast 2000 Kindern aus dem Raum Leipzig ausgewertet. 

Dokumentationsqualität und Informa­tionsgehalt werteten sie als »stark verbesserungswürdig«. So würden beispielsweise chronische Seh- oder Hörstörungen bei einigen Untersuchungen notiert, bei anderen aber fehle jeder Hinweis darauf. Diagnosen waren häufig nicht kodiert.

 

Es müssten zudem systematisierte Untersuchungsabläufe und standardisierte Testverfahren in den Kinderarzt­praxen eingeführt werden. Nur so ließen sich valide Daten für wissenschaftliche Untersuchungen zur Häufigkeit von Erkrankungen sowie zur Qualitätsprüfung der medizinischen Versorgung von Kindern gewinnen. Es sei zudem eine Digitalisierung der Untersuchungsbefunde anzustreben. Derzeit würden die erhobenen Daten nicht epidemiologisch genutzt oder Präventionsmaßnahmen mithilfe der Hefte evaluiert. Eine Prävalenz der Zielkrankheiten lasse sich nicht ableiten.

 

Den Forschern fiel bei ihrer Auswertung zudem auf, dass Kinder aus sozial schwachen Familien seltener die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen als Kinder aus höheren Schichten, wobei die Akzeptanz dieser präventiven Maßnahme insgesamt über alle sozialen Schichten hinweg hoch ist. Die Teilnahmeraten sinken jedoch mit zunehmendem Alter der Kinder. Die U9 im Alter von sechs Jahren wurde nur noch bei 83 Prozent der Kinder mit niedrigem sozialem Status durchgeführt gegenüber 92 Prozent in der oberen sozialen Schicht. »Dabei sind es gerade die späteren Unter­suchungen, bei denen Ärzte Entwicklungsauffälligkeiten diagnostizieren, und das vorwiegend bei Kindern aus sozial schwachen Familien«, heißt es in einer Pressemitteilung zur Studie, die jetzt in der »Deutschen Medizinischen Wochenzeitschrift« erschien (DOI: 10.1055/s-0043-100841). /

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