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Mehr Krebstote durch Finanzkrise

01.06.2016
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Von Annette Mende / Die globale Finanz­krise hat zu einem Anstieg der Krebs­todeszahlen geführt. Infolge von Arbeitslosigkeit und Einschnitten im Gesundheitssektor sind weltweit mehr als 263 000 Menschen mehr an Krebs gestorben, als es ohne die Finanzkrise der Fall gewesen wäre.

Fast 170 000 dieser zusätzlichen Todesfälle ereigneten sich in der Europäischen Union, wie britische und US-amerikanische Forscher im Fachjournal »The Lancet« berechnet haben (DOI: 10.1016/S0140-6736(16)00577-8). Die Gruppe um Dr. Mahiben Maruthappu vom Imperial College in London nutzte für ihre Analyse Daten der Weltbank und der Weltgesundheitsorganisation zu öffentlichen Gesundheitsausgaben und Krebssterblichkeit aus mehr als 70 Ländern. Berücksichtigt wurden Prostata- und Brust-, Darm- sowie Lungenkrebs.

 

Bei ihrer Auswertung unterschieden die Forscher in behandelbare Krebsarten mit Überlebensraten von mehr als 50 Prozent und nicht behandelbare, bei denen die Überlebens­raten lediglich 10 Prozent oder weniger betrugen. Maruthappu: »Wir haben festgestellt, dass eine Erhöhung der Arbeitslosigkeit mit einem Anstieg der Krebssterblichkeit einherging, dass aber eine gute allgemeine Gesundheitsversorgung vor diesem Effekt schützte.« Das sei vor allem bei den behandelbaren Krebs­arten der Fall gewesen.

 

Eine 1 Prozent höhere Arbeitslosenquote ging demnach mit 0,37 zusätzlichen Krebstodesfällen pro 100 000 Einwohner einher. Einsparungen im Gesundheitssektor um 1 Prozent des Brutto­inlandsprodukts hatten 0,0053 zusätzliche Krebstote pro 100 000 Einwohner zur Folge. Die starke Assoziation vor allem mit der Arbeitslosigkeit lässt sich unter anderem damit erklären, dass in Ländern ohne allgemeine Gesundheitsversorgung die Krankenversicherung häufig an ein Arbeitsverhältnis gekoppelt ist. /

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