Pharmazeutische Zeitung online
Diastolische Herzinsuffizienz

Weißdorn beeinflusst Herzwandstruktur

26.05.2015  16:09 Uhr

Von Maria Pues, Mannheim / Weißdorn stärkt ein schwaches Herz. Das belegen inzwischen zahlreiche Studien. Eine neuere Untersuchung zeigt, dass standardisierter Weissdornextrakt auch einer durch Bluthochdruck induzierten Verdickung des Herzmuskels und diastolischer Funktionsstörung entgegenwirkt.

Auf welche Weise die beobachteten Effekte zustande kommen könnten, untersuchten im Tiermodell Wissenschaftler um Professor Dr. Valérie Schini-Kerth von der Universität Straßburg (Frankreich). Die Pharmakologin präsentierte die Ergebnisse anhand eines Posters während der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim.

 

Studie an etabliertem Bluthochdruckmodell

 

Die Forscher untersuchten die Wirkung des Extrakts an Ratten. Bei den Tieren wurde durch Gabe des Mineralocorticoids Desoxycorticosteronacetat und von Kochsalz (DOCA-salt) zunächst ein Bluthochdruck hervorgerufen, ein gebräuchliches Modell für diese Erkrankung. Eine Gruppe von Ratten erhielt keine weitere Behandlung, eine Gruppe erhielt einen Weißdorn-Extrakt in einer Dosis von 100 mg/kg Körpergewicht (KG), eine weitere Gruppe in einer Dosis von 300 mg/kg KG. Daneben gab es zwei DOCA-salt-freie Gruppen, von denen eine ebenfalls 300 mg/kg KG Weißdorn-Extrakt bekam. Verwendet wurde hierbei der Extrakt WS® 1442 (Crataegutt® novo). Während der sechswöchigen Dauer der Untersuchung wurden eine Reihe von Messwerten erhoben, darunter Blutdruck sowie etliche Blutwerte. Darüber hi­naus wurden am Ende Gewebeproben untersucht und verglichen.

 

»Erwartungsgemäß erhöhte DOCA-salt den Blutdruck der Versuchstiere,« berichtete Schini-Kerth. Auch die bekannten Hochdruck-Folgen stellten sich ein: Veränderungen am Herzmuskel, Endothelschäden in den Blutgefäßen und eine Reduktion der Nierenfunktion. So wurde etwa die endotheliale Sickstoffmonoxid-Synthase (eNOS), die für gefäßentspannendes NO sorgt, nicht mehr in gewohntem Ausmaß gebildet. Hingegen steigerte sich die Produktion von NADPH-Oxidase-Untereinheiten und die der Cyclooxygenasen 1 und 2 (COX-1 und COX-2).

 

In Gewebeproben des Herzens ließen sich eine Vergrößerung des linken Ventrikels und bindegewebsartige Veränderungen (Fibrosen) nachweisen. Sowohl die diastolische als auch die systolische Herzleistung nahm ab: Eine ohnehin schon geringere Blutmenge als zuvor wird mit zugleich geringerer Kraft durch den Körper gepumpt. Auch das Nierengewebe veränderte sich unter dem Bluthochdruck, und die Plasmakonzentrationen von harnpflichtigen Substanzen wie Harnstoff und Harnsäure oder Kreatinin stiegen an.

 

Weißdorn bessert diastolische Dysfunktion

 

»Die durch DOCA-salt induzierten Effekte besserten sich bei den mit Weißdorn-Extrakt behandelten Ratten meist signifikant und deutlich sichtbar dosisabhängig«, sagte Schini-Kerth. Die Wirkungen kämen höchstwahrscheinlich über Polyphenole, zu denen die oligomeren Procyanidine gehören, durch eine Reduktion oxidativen Stresses zustande. So reduzierte sich die Bildung reaktiver Sauerstoff-Spezies (ROS), und auch COX-1 und -2 wurden weniger gebildet. Der Blutdruck und die Verschlechterung der Endothelfunktion der Blutgefäße besserten sich.

 

Beeindruckt habe sie vor allem, dass sich unter dem Extrakt auch die durch Bluthochdruck bedingte Verdickung der Herzwand, die die Füllung des Herzens in der Diastole mindert, gebessert habe, sagte die Pharmakologin. Die praktische Relevanz dieser Erkenntnisse beurteilt Schini-Kerth folgendermaßen: Eine arterielle Hypertonie hat häufig eine hypertensive Herzerkrankung zur Folge, die sich möglicherweise zu einer diastolischen Dysfunktion entwickelt. Oft mündet dieser Prozess in einer diastolischen Herzinsuffizienz. Hierfür gibt es dann leider nur wenige Therapieoptionen. Der Weißdorn- Spezialextrakt bietet da eine gute Behandlungsoption. /

Mehr von Avoxa