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Junges Blut

Verjüngungskur für alte Herzen

27.05.2013
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Von Ulrike Viegener / Junges Blut enthält Faktoren, die eine altersbedingte Herzhypertrophie rückgängig machen können. Das haben tierexperimentelle Studien gezeigt. Es wurde auch bereits eine Substanz identifiziert, die für den Verjüngungseffekt verantwortlich sein könnte.

Ist junges Blut ein Jungbrunnen? Heterochrone Parabiose heißt die Versuchsanordnung, mit der man diese Frage untersuchen kann: Wie bei siamesischen Zwillingen werden hierbei der Blutkreislauf eines alten und der eines jungen Tieres zusammengeschaltet. So lässt sich studieren, inwieweit das junge Blut beim alten Tier zu Verjüngungseffekten führt. In Deutschland sind Tierexperimente dieser Art aus ethischen Gründen nicht erlaubt.

Anders in den USA: Dort haben Forscher der Harvard University in Cambridge und Kollegen vom Women’s Hospital in Boston jetzt untersucht, inwieweit sich eine kardiale Hypertrophie durch junges Blut zur Rückbildung bringen lässt. Die Verdickung des Herzmuskels ist eine typische Alterserscheinung, die helfen soll, die kardiale Pumpleistung aufrechtzuerhalten. Letztlich ist das Remodeling am Herzen – die Vergrößerung der Muskelzellen und der vermehrte Einbau von Bindegewebszellen – aber kontraproduktiv und kann in einer Herzinsuffizienz münden oder eine beginnende Herzinsuffizienz weiter vorantreiben.

 

Junges Blut ist in der Lage, diesen Prozess zu durchbrechen. Das zeigen die Ergebnisse des Forscherteams, die nun im Fachjournal »Cell« (doi: 10.1016/j.cell.2013.04.015) veröffentlicht wurden. Für ihre Untersuchungen verbanden die Wissenschaftler jeweils eine gesunde Maus und eine alte, an Herzhypertrophie leidende Maus chirurgisch so miteinander, dass sie einen gemeinsamen Blutkreislauf hatten. Der Effekt war beeindruckend: Durch Versorgung mit jungem Blut bildete sich die Herzhypertrophie bei den alten Mäusen innerhalb von vier Wochen so weit zurück, dass annähernd die Herzgröße junger Tiere erreicht wurde. Die verkleinerten Herzen wiesen nur noch in geringem Ausmaß die typischen Charakteristika des kardialen Remodeling auf. Umgekehrt hatte der Kontakt der jungen Tiere mit altem Blut offenbar keinen Effekt.

 

Ist GDF11 der Schlüssel?

 

Bei der Suche nach Substanzen, die für den Verjüngungseffekt am Herzen verantwortlich sein könnten, haben die Forscher ein Protein namens GDF11 (Growth/Differentiation Factor 11) als möglichen Kandidaten ausgemacht. Die Konzentration von GDF 11 im Blut nimmt mit zunehmendem Alter deutlich ab. Und tatsächlich führte die tägliche Injektion von GDF11 über vier Wochen bei alten Mäusen zu einer deutlichen Abnahme der Herzhypertrophie verglichen mit Kontrolltieren, denen Salzlösung injiziert wurde. Niedrig dosiertes GDF 11 könnte eine therapeutische Option für Menschen mit kardialer Hypertrophie werden, das hält Forschungsleiterin Amy Wagers von der Harvard University aufgrund dieser tierexperimentellen Daten für möglich.

 

Für Tony Wyss-Coray von der Stanford University in Kalifornien ist die Studie ein erneuter Beweis für die enorme Plastizität von alten Geweben. Wyss-Coray hatte zusammen mit Kollegen 2012 berichtet, dass junges Blut einen positiven Effekt auf die Hirnleistung alter Tiere hat (doi: 10.1038/nature10357): Die Infusion von Blutplasma junger Tiere führte bei alten Mäusen in verschiedenen Testsituationen zu einer deutlichen Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten, und es konnte nachgewiesen werden, dass sich die für Lernen und Gedächtnis wichtige synaptische Plastizität durch die Behandlung mit jungem Blut verbessert. /

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