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Generikahersteller senken Preise

30.05.2006  20:11 Uhr

Generikahersteller senken Preise

von Thomas Bellartz, Berlin

 

Nach Hexal/Sandoz und Ratiopharm hat am Dienstag auch die Stada Arzneimittel AG eine flächendeckende Preissenkung angekündigt. Politik und Krankenkassen reagierten positiv auf die Ankündigungen und erhoffen sich spürbare Entlastungen und Nachahmereffekte bei anderen Herstellern.

 

Das Signal der Hersteller war deutlich vernehmbar: Nach deutlich gestiegenen Arzneimittelkosten sollen Patienten und Krankenkassen wieder auf Entlastungen hoffen können. Und so kündigten die ersten großen Pharmaproduzenten an, sie würden ihre Generikapreise teils massiv senken. Alle drei großen Hersteller begründeten ihre Entscheidung mit den Vorgaben des AVWG, das zum 1. Julio 2006 in Kraft tritt.

 

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und die Krankenkassen begrüßten in der vergangenen Woche die Ankündigung der Hersteller Hexal und Sandoz. Schmidt nannte es »positiv«, dass es nun Preiswettbewerb gebe und Produkte günstiger angeboten würden. »Wie sonst sollen wir sparen«, sagte die Ministerin. Es habe lange gedauert. Dies seien aber Dinge, die sich nun Schritt für Schritt änderten.

 

Die Betriebskrankenkassen erklärten, »echter Preiswettbewerb ist gut für die Versicherten und die Gesetzliche Krankenversicherung«. Versicherte und Kassen sparten so bares Geld, ohne dass die Versorgungsqualität leide. Nach der Ankündigung stiegen zudem die Chancen, dass viele Versicherte vom 1. Juli bei den Zuzahlungen sparen können, sagte der Sprecher des BKK-Bundesverbandes, Florian Lanz.

 

Die zum Schweizer Pharmakonzern Novartis gehörenden Generikahersteller Sandoz und Hexal teilten als Erste mit, zum 1. Juni die Preise für Generika teils beträchtlich zu senken. Während Sandoz bei 270 Präparaten die Preise auf den niedrigsten Stand der Branche absenke, beträfen die Preisanpassungen bei Hexal das gesamte Produktprogramm, teilten beide Unternehmen mit. Auch Ratiopharm und Stada reagierten auf die Ankündigungen des Konkurrenten.

 

Nach dem Arzneimittel-Spargesetz entfällt Mitte des Jahres für viele Patienten, die sich besonders preisgünstige Medikamente verordnen lassen, teils die Zuzahlungspflicht. Das neue Gesetz legt für gleichartige Medikamente eine Erstattungshöchstgrenze für den Preis fest. Verkauft ein Hersteller das Medikament zu einem höheren Preis, muss der Versicherte die Differenz selbst zahlen. Da Versicherte verstärkt zu günstigen Mitteln greifen sollen, erwartet der Gesetzgeber Einsparungen für die Kassen trotz entgangener Zuzahlungen. Die Ausgaben aller gesetzlichen Krankenkassen für Arzneimittel sind im ersten Quartal 2006 laut Schmidt um 550 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen. Die ABDA sprach von einem Plus von 10,6 Prozent auf 5,88 Milliarden Euro. Die Arzneimittelausgaben sind neben den Schmidt zufolge »ungewöhnlich hohen« Krankenhauskosten Hauptkostentreiber im Gesundheitswesen.

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