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Evi-News

Apotheker im Alltag unterstützen

23.05.2017
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Von Kerstin A. Gräfe / ABDA und Avoxa bieten ab Mai einen neuen Newsletter zur evidenzbasierten Selbstmedikation an: Evi-News. Die PZ sprach mit Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapotheker­kammer, und Professor Dr. Thilo Bertsche, Leiter des Zentrums für Arzneimittel­sicherheit in Leipzig, die maßgeblich an der Entstehung und Umsetzung des Projekts beteiligt waren.

PZ: Die Rolle der Selbstmedikation hat immer mehr an Bedeutung gewonnen. Woran liegt das?

 

Kiefer: Krankenkassen übernehmen heute längst nicht mehr jede Arzneimittelversorgung. Die Erstattung von OTC wurde 2004 weitestgehend aufgegeben. Hinzu kommt, dass wir in den letzten Jahren eine ganze Reihe von OTC-Switches hatten. Notfallkontrazeptiva sind da eines der prominentesten Beispiele. Der Patient hat damit mehr finanzielle Verantwortung und es steht eine größere Auswahl an OTC zur Verfügung. Zudem sind über das Internet viel mehr Informationen zu Erkrankungen und Arzneimitteln zugänglich als zu Beginn des Jahrtausends. Insgesamt resultiert daraus ein Bedeutungszuwachs für die Selbstmedikation.

 

PZ: Wie ist das Projekt Evidenz­basierte Selbstmedikation zustande gekommen?

 

Kiefer: Die Frage nach der wissenschaftlichen Aufarbeitung von Selbstmedikation war schon seit etlichen Jahren immer wieder Thema auf Deutschen Apothekertagen. Im Zuge der Entwicklung des Perspektivpapiers »Apotheke 2030« hat es dazu ebenfalls eine intensive Debatte gegeben. Im Ergebnis sagt das Perspektivpapier, dass die Beratung des Patienten grundsätzlich auf Basis wissenschaftlich aufbereiteter Erkenntnisse erfolgen soll. Das Projekt Evidenzbasierte Selbst­medikation soll ein Hilfestellung dabei sein, diesen Anspruch konsequent umzu­setzen.

 

PZ: Was ist das Ziel des Projekts?

 

Kiefer: Es soll Apotheken Informationen zur Verfügung stellen, die unter Evidenzkriterien aufbereitet wurden, damit eine möglichst optimale Beratung des Patienten fördern und so die Arzneimitteltherapiesicherheit fördern. Es soll auch dabei helfen, die Grenzen der Selbstmedikation aufzuzeigen. Der Patient soll vor falschen Entscheidungen – und damit übrigens ja auch vor unnützen Ausgaben – geschützt werden.

 

PZ: An wen richtet sich der News­letter?

 

Bertsche: Der Newsletter richtet sich ausschließlich an das pharmazeu­tische Personal in der Apotheke. Wir wollen mit dem Newsletter alle Apotheker ansprechen und auch PTA mit unserem Angebot erreichen.

 

PZ: Wer liefert die wissenschaftliche Datengrundlage und wie wird sie generiert?

 

Kiefer: Der wissenschaftliche Input wird unter anderem aus Meta-Analysen klinischer Studien der Cochrane-Collaboration und anderen wissenschaftlichen Quellen gezogen. Entscheidend ist dabei, dass die vorhandenen Daten in einer universitären Einrichtung aufgearbeitet werden, und unabhängige Fakten über das Arzneimittel zur Verfügung stehen.

 

Bertsche: Die Aufarbeitung erfolgt am Zentrum für Arzneimittelsicherheit in Leipzig. Grundsätzlich liegen der Bewertung von OTC- und verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ähn­liche Kriterien zugrunde. Neben qualitativ möglichst guten Daten aus Patientenstudien dürfen in beiden Bereichen der Erfahrungsschatz und die individuelle Situation des Patienten nicht vergessen werden. Es geht in beiden Bereichen um die Abwägung von Effektivität und Risiken der jewei­ligen Arzneimitteltherapie im Vergleich zu anderen medikamentösen Therapie­optionen. Im Bereich von OTC-Arzneimitteln muss allerdings der Patient durch eine angemessene Beratung in der Apotheke in die Lage versetzt werden, für sich selbst zu entscheiden, für welchen von ihm persönlich gesehenen Nutzen zur Prävention oder Behandlung einer Eigen­diagnose er welchen finanziellen Betrag zu zahlen bereit ist.

 

PZ: Zu dem Newsletter soll es zukünftig auch eine Datenbank geben. Was leistet diese?

 

Bertsche: In der Datenbank sollen die Informationen der Newsletter in strukturierter Form abgelegt und langfristig für die Apotheken verfügbar gemacht werden. Sie ermöglicht den Apothekern, bestimmte Themen oder Arzneistoffe zu recherchieren und sich gezielt Informationen für das Beratungs­gespräch oder die eigene Fortbildung zu beschaffen. Angedacht ist zudem, ergänzend Informationen und Aktualisierungen auf diese Weise zur Verfügung zu stellen.

 

PZ: Welche Inhalte bietet der Newsletter den Apothekern?

 

Bertsche: Die Apotheker erhalten praxisnah aufbereitete Studiendaten zur evidenzbasierten Selbstmedikation, die im Apothekenalltag vielleicht nur schwierig selbst zu beschaffen sind. Der Newsletter fokussiert zunächst auf Wirkstoffe, für die relativ umfassende Daten oder – meist englischsprachige – systematische Übersichtsarbeiten publiziert sind. Zudem liefert er Hintergrundinformationen, die Hilfe zur Selbsthilfe in der eigenen kritischen Bewertung bieten. Auf diese Weise soll die gerade in Bereich der Selbstmedikation essenzielle Information und Beratung des einzelnen Patienten in der Apotheke gestärkt werden.

 

PZ: Wo ist der Benefit für den Apotheker?

 

Kiefer: Das Projekt fördert die Versorgungsqualität und stärkt den Apotheker damit in seiner Berufsausübung. Es schärft damit auch sein Profil als Arzneimittelexperte im Gesundheitssystem. /

 

Kostenlose Testphase

Der Newsletter kann kostenlos und unverbindlich bis zum 30. September 2017 getestet werden. Anmeldung unter www.evinews.de. Ab 1. Oktober 2017 wird der Newsletter inklusive Datenbank kostenpflichtig angeboten.

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