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Pharmacon Meran

»Unverbindlicher Zettel«

24.05.2016
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Von Daniel Rücker, Meran / Zum 54. Mal trafen sich die Apotheker aus Deutschland beim Pharmacon Meran. Selbstverständlich dominieren pharmazeutisch-wissenschaftliche Themen die Veranstaltung. Zum Start wurde es aber politisch. Der Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), Andreas Kiefer, machte keinen Hehl aus seiner Enttäuschung über ein insuffizientes E-Health-Gesetz.

Kiefer ist mit der Vereinbarung zum Medikationsplan nicht zufrieden. Er kritisiert vor allem die wenig konkrete Beschreibung der apothekerlichen Aufgaben. Es sei bereits im Gesetz festgelegt worden, dass die Apotheker nur eine untergeordnete Rolle spielen sollen. 

 

Anfang Mai hatten sich der Deutsche Apothekerverband, die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung auf ein gemeinsames Vorgehen beim Medikationsplan geeinigt. Mit dem Gesamtergebnis ist Kiefer dennoch nicht glücklich. Das liegt vor allem an der Position der Bundesregierung, die die Apotheker im Gesetz weitgehend aus der Verantwortung genommen hat. Kiefer: »Ein Medikationsplan ohne begleitende Medikationsanalyse und kontinuierliches Medikationsmanagement ist zu kurz gesprungen«, kritisierte der BAK-Präsident bei der Eröffnung des Pharmacon Meran am 22. Mai. Ein Medikationsplan in Papierform allein verbessere die Arzneimitteltherapiesicherheit nicht. Kiefer: »Der Medikationsplan umfasst keine Medikationshistorie.«

 

Der grundsätzliche Fehler beim Medikationsplan sei, dass die Apotheker nur eine sehr unverbindliche Rolle bekommen haben, sagte Kiefer. So sei es vollkommen ungewiss, ob ein Arzt die dem Apotheker vom Gesetz zugestandenen handschriftlichen Ergänzungen tatsächlich übernimmt. Er ist zumindest nicht dazu verpflichtet. Damit sei der Nutzen des Medikationsplans bereits fragwürdig. »Wenn nicht bereits vor seiner Erstellung eine umfassende Medikationsanalyse durchgeführt wird und der Patient im Anschluss kontinuierlich von Arzt und Apotheker gemeinsam betreut wird, bleibt der Medikationsplan ein Muster ohne Wert«, so Kiefer. Spätestens in der nächsten Legislaturperiode müsse der elektronische Plan kommen, forderte Kiefer. Auf Papier bleibe der Medikationsplan ein unverbindlicher Zettel.

 

Für Kiefer ist der Plan nur ein Baustein für die vernetzte digitale Kommunikation der Heilberufe untereinander. Funktionieren könne dieser daher nur, wenn es einen sicheren digitalen Zugang zu den sensiblen Patientendaten gibt. Deshalb müsse bis spätestens Januar 2019 mit der Einführung des elektronischen Medikationsplans die sichere Kommunikation zum einen zwischen den Apothekern untereinander und zum anderen mit den anderen Heilberufen und den Rechenzentren stehen. Ab diesem Zeitpunkt müssten deshalb alle Apotheken in Deutschland an die Telematik-Infrastruktur angeschlossen sein.

 

Heilberufsausweis

 

Ein zentrales Element ist dabei der Heilberufsausweis. Er soll ebenfalls Anfang 2019 ausgerollt werden. Erste Karten werden laut Kiefer in diesem Juli ausgegeben. Im Herbst sollen dann die ersten Tests mit den Karten und den Konnektoren beginnen. Im Gegensatz zu vielen anderen Prozessen, soll die Ausgabe der Heilberufsausweise nicht regional von den Landesapothekerkammern erfolgen. Stattdessen soll es einen bundeseinheitlichen Heilberufsausweis geben. Das ist auch deshalb sinnvoll, weil so ein Apotheker den Ausweis auch dann weiter nutzen kann, wenn er in ein anderes Bundesland zieht.

 

Das Vorhaben ist ambitioniert. Angesichts der Bedeutung dieser Ausweise und dem möglichen Missbrauchspotenzial kann die Verteilung nicht auf dem normalen Postweg erfolgen. Hohe Sicherheitsstandards seien zwingend nötig, sagte Kiefer. Da die BAK jedoch mit Hochdruck auf den Stichtag hinarbeite, ist er zuversichtlich, dass der Zeitplan eingehalten werden kann. /

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