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Haustiere

Seelentröster und Keimschleudern

20.05.2015
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Von Annette Mende / Tiere sind treue Gefährten, die Menschen vor Einsamkeit bewahren und so erheblich zum Wohlbefinden von Herrchen oder Frauchen beitragen. Andererseits können sie auch Krankheiten übertragen, was insbesondere bei immungeschwächten Menschen problematisch ist. Gute Hygiene vorausgesetzt, ist das aber nur in Einzelfällen ein Argument gegen die Tierhaltung.

»Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.« Dieses berühmte Zitat von Loriot zeigt, wie stark sich der passionierte Mopshalter den Tieren verbunden fühlte. Ganz abgesehen davon, ob man nun speziell diese Hunderasse mag oder nicht, kann sich wohl keiner der herzerweichenden Wirkung eines treuen Hundeblicks entziehen. 

Oder dem Gemütlichkeitsfaktor, der von einer schnurrenden Katze ausgeht. »Tiere beeinflussen das soziale Wohlbefinden häufig positiv«, ist die deutlich nüchternere Formulierung, die das Robert-Koch-Institut (RKI) dafür in seiner Broschüre »Heimtierhaltung – Chancen und Risiken« findet. Das Beobachten von Tieren, Streicheln und Körperkontakt unterstütze den Abbau von Aggressionen und helfe bei der Stressbewältigung. Für immer mehr ältere Menschen sei ein Haustier nach dem Verlust des Partners und anderer Angehöriger ein Kommunikationspartner und vermittele das Gefühl, gebraucht zu werden.

 

Gesünder mit Tieren

 

All dies wirkt sich laut RKI messbar positiv auf die Gesundheit aus: Menschen mit Tierkontakten haben einen niedrigeren mittleren Blutdruck und leiden seltener an Depressionen als Tierlose. Tierhalter fühlen sich zudem gesünder als Menschen in vergleichbarer Lebenssituation ohne Tier, auch wenn diese subjektive Einschätzung nicht unbedingt den medizinischen Tatsachen entspricht. Wer regelmäßig mit dem Hund Gassi gehen muss, bewegt sich mehr. Und da zumindest mit anderen Tierhaltern immer ein gemeinsames Gesprächsthema vorhanden ist, steigt sowohl bei Hunde- als auch bei Katzenbesitzern die Zahl der Sozialkontakte.

 

Doch Tiere bringen nicht nur Lebensfreude ins Haus, sondern unter Umständen auch Krankheitserreger. Welche Gefahren hier drohen und wie sie sich vermeiden lassen, fassten kürzlich Autoren um Professor Dr. Jason Stull von der Ohio State University im »Canadian Medical Association Journal« zusammen (DOI: 10.1503/cmaj. 141020). Die gute Nachricht für alle Tierfreunde: Immunkompetente Personen im Alter zwischen 5 und 64 Jahren holen sich nur relativ selten bei ihrem Tier eine Infektion (Zoonose). Vorsicht ist dagegen geboten bei jüngeren, älteren oder immungeschwächten Menschen sowie bei Schwangeren.

 

Letzteren wird immer wieder empfohlen, sich generell von Katzen fernzuhalten. Der Grund ist die Ansteckungsgefahr mit Toxoplasma gondii, dem Erreger der Toxoplasmose. Bei Immunkompetenten führt die Infektion lediglich zu leichtem Fieber und Lymphknotenschwellung. Infiziert sich dagegen eine Schwangere, kann es zu Fehl- beziehungsweise Totgeburt oder schweren Schäden des ungeborenen Kindes kommen. Ein Risiko besteht außerdem für Immungeschwächte, etwa HIV- oder Krebspatienten. Bei ihnen kann T. gondii das Zentralnervensystem befallen mit Teilnahmslosigkeit, Verwirrtheit, Sprach- und Bewegungskoordinationsstörungen als möglichen Folgen.

 

Vor allem junge Katzen bis zum sechsten Lebensmonat können die Oozysten des Parasiten in großen Mengen ausscheiden. Diese sind allerdings nicht sofort infektiös, sondern müssen mindestens drei Tage lang Luft, Feuchtigkeit und Wärme ausgesetzt sein, um sich zu entwickeln. Infektionsgefahr besteht daher wohl weniger bei direktem Kontakt zu Katzen als vielmehr zu älterem Katzenkot im Erdboden, etwa bei Gartenarbeiten.

 

Ebenfalls von Katzen übertragen wird die Katzenkratzkrankheit Bartonellose. Auch hier bilden vor allem junge Tiere das Reservoir der bakteriellen Erreger Bartonella henselae beziehungsweise B. clarridgeiae. Infizierte Katzen zeigen keine Krankheitserscheinungen – anders als Menschen, die häufig mit Fieber und Lymphknotenschwellung reagieren. Bei Immungeschwächten sind schwere Verläufe mit Bakteriämie, Endokarditis und proliferativen Läsionen der Haut, Leber oder Milz möglich. Übertragen wird die Krankheit, wie der Name schon sagt, meist über Kratzwunden.

 

Durchfall, Erbrechen und Fieber sind die Symptome einer Infektion mit Campylobacter jejuni. Dieses Bakterium kann ebenfalls vor allem von Jungtieren übertragen werden, und zwar sowohl von Katzen als auch von Hunden. Vor allem im ersten halben Jahr scheiden Hundewelpen meist den Erreger aus, ohne selbst zu erkranken. Tiere aus dem Tierheim sind häufiger infiziert als solche aus Privathaushalten.

 

Multiresistente Keime

 

Auch als Überträger multiresistenter Keime kommen Haustiere infrage. Hier sind ESBL (Extended-Spektrum β-Lactamase-produzierende Escherichia coli), MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) und Clostridium difficile zu nennen. Hauptreservoir dieser Erreger ist zwar der Mensch, Tiere können aber als Zwischenwirte fungieren. Tierhalter tragen deshalb häufiger multiresistente Keime als Menschen mit nur sporadischem Kontakt zu Tieren.

 

Da Herrchens und Frauchens Bemühungen um die Zahnhygiene ihrer Schützlinge meist nicht auf allzu viel Gegenliebe stoßen, finden sich im Maul von Hunden und Katzen viele verschiedene Bakterien. Häufig sind Capnocytophaga canimorsus und Pasteurella multocida darunter. Sie können durch Bisse oder auch Speichelkontakt auf den Menschen übertragen werden. Wundinfektionen, häufig mit eitrigen Abszessen sowie Lymphknoten- und Knochenhautentzündungen sind mögliche Folgen. Menschen ohne Milz, Ältere und Alkoholabhängige haben ein besonders hohes Risiko.

 

Die Mikrosporie ist eine Pilzerkrankung der Haut, hervorgerufen durch Microsporum canis. Typisches Erscheinungsbild sind runde bis ovale, schuppende Herde an Händen, Unterarmen, Hals oder Gesicht, an behaarter Kopfhaut zusätzlich mit kurz abgebrochenen Haaren. Häufig sind Kinder von der ansteckenden Krankheit betroffen, die sie sich etwa beim Schmusen mit Hunden oder Katzen zuziehen. Bei immunkompetenten Personen sind schwere Verläufe selten.

 

Salmonellen aus dem Terrarium

Eher nicht als Schmusetiere geeignet, aber dennoch wichtige Überträger von Salmonellen sind neben Nagern und Geflügel vor allem Exoten wie Reptilien und Amphibien. Schätzungsweise 11 Prozent aller Salmonellen-Infektionen bei Unter-21-Jährigen gehen auf Reptilien und Amphibien zurück. Auch ohne direkten Kontakt zum Tier ist eine Ansteckung möglich. Als Infektionsquelle kommt neben den genannten Tierarten auch unverarbeitetes Futter wie rohes Fleisch oder Schweineohren in Betracht.

 

Neben dem Wurmbefall (lesen Sie dazu Seite 24) sind die hier genannten Infektionen zwar nicht die einzigen, aber die wichtigsten Erkrankungen, die sich Menschen beim Umgang mit ihren vierbeinigen Lieblingen zuziehen können. Gute Pflege des Tiers und die Einhaltung von Hygieneregeln (siehe Kasten) senken das Infektionsrisiko stark. Zum Schutz von immungeschwächten Personen, beispielsweise Krebspatienten, Schwangeren oder Älteren, reichen diese allgemeinen Maßnahmen jedoch meist nicht aus. Sie und alle Personen, die engen Kontakt mit ihnen haben, sollten den direkten Umgang mit Tieren vermeiden, so lange ihre Immun­abwehr herabgesetzt ist. /

Pflege und Hygiene

Folgende Grundregeln sind beim Umgang mit Tieren zu beachten:

 

  • Nach jedem direkten Kontakt zum Tier oder seinem Käfig die Hände waschen
  • Direkten Kontakt mit Ausscheidungen des Tieres vermeiden, also Gummihandschuhe tragen beim Säubern des Katzenklos oder des Terrariums sowie beim Hantieren im Aquarium
  • Die Krallen von Katzen stutzen, Verletzungen durch Kratzer oder Bisse sofort mit Wasser ausspülen
  • Direkten Kontakt mit jungen Katzen und Hunden sowie mit Streunern vermeiden
  • Das Tier regelmäßig dem Tierarzt vorstellen, impfen lassen und entwurmen (lesen Sie dazu Seite 18)
  • Keine Reptilien, Amphibien oder Nagetiere im Haushalt von Immungeschwächten

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