Pharmazeutische Zeitung online
Gesundheitskarte

Zeitplan über den Haufen geworfen

25.05.2010  17:33 Uhr

Von Dorothea Hülsmeier, Düsseldorf / Bald acht Monate nach dem Start breitet sich die neue elektronische Gesundheitskarte in Nordrhein-Westfalen nur im Schneckentempo aus.

In der Pilotregion Nordrhein mit insgesamt neun Millionen Versicherten sollten ursprünglich bis zum Frühjahr wenigstens 100 000 der neuen Karten mit Lichtbild verteilt sein. Doch selbst diese nicht eben hochgesteckten Ziele rücken in immer weitere Ferne.

Die AOK Rheinland als größte Kasse der Region will bis Juli 25 000 Karten verteilt haben. Die Techniker Krankenkasse hat erst 5000 Karten in Essen ausgegeben. Und die Barmer GEK als zweitgrößte Kasse in der Pilotregion überhaupt hat bisher nur 100 neue Plastikkärtchen verteilt. Über die anfangs angekündigte bundesweite Verteilung der Gesundheitskarte in mehreren Schritten mag inzwischen keiner der Beteiligten mehr reden. »Der Zeitplan ist über den Haufen geworfen«, sagt Wilfried Jacobs, Vorstandschef der AOK Rheinland/Hamburg. »Das ist keine Sternstunde der Nutzung der elektronischen Möglichkeiten im Gesundheitswesen.« Das Projekt macht nur Trippelschritte.

 

Die Beteiligten in der Betreibergesellschaft gematik einigten sich auf eine abgespeckte Form mit drei Funktionen, die die neue Karte bringen soll: eine online-gestützte Verwaltung der Stammdaten der Patienten, Notfalldaten sowie Arztbrief. Mit dem Lichtbild auf dem Plastikkärtchen soll massenhafter Missbrauch künftig verhindert werden. Das ursprünglich vorgesehene elektronische Rezept soll später kommen, ebenso die elektronische Patientenakte, die dem Papierkrieg der Praxen und Kliniken ein Ende bereiten sollte.

 

Die Kassen sind nun in Wartestellung. So lange sie nicht wissen, was mit der Karte wird, treten sie bei der Verteilung an die Millionen Versicherten auf die Bremse. Sie wollen, dass die Online- Verpflichtung für die Stammdaten garantiert wird. Dabei hoffen sie darauf, dass dies im sogenannten GKV-Änderungsgesetz festgeschrieben wird, das noch vor der Sommerpause durch den Bundestag gehen soll. Für weitere Millionen-Investitionen in die Karte brauchten sie die Planungssicherheit per Gesetz, heißt es bei Barmer und Techniker. /

Mehr von Avoxa