Pharmazeutische Zeitung online
Metaanalyse

HPV-Impfung schützt vor Krebsvorstufen

16.05.2018
Datenschutz bei der PZ

dpa / Die Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV) schützt junge Frauen einer großen Übersichtsarbeit zufolge gut vor Vorformen von Gebärmutterhalskrebs. Vor allem Frauen, die im Alter von 15 bis 26 Jahren geimpft wurden, haben demnach ein deutlich geringeres Risiko, solche Läsionen zu entwickeln, berichtet die Cochrane Library (DOI: 10.1002/14651858.CD009069.pub3). Außerdem fanden sich keine Hinweise dafür, dass die Impfung schwere Nebenwirkungen hat und etwa das Risiko für Fehlgeburten erhöht.

 

Forscher um Dr. Marc Arbyn vom Belgischen Krebszentrum sichteten für die Metaanalyse 26 randomisierte Studien. Mehr als 73 400 Frauen weltweit hatten über 3,5 bis 8 Jahre lang daran teilgenommen. Das Ergebnis: Von 10 000 Frauen, die zum Start der Studien keine HPV-Infektion hatten, entwickelten später zwei Frauen trotz einer Impfung HPV16/18-­assoziierte Krebsvorstufen. In der Placebo-Gruppe war dies bei 164 Frauen der Fall. Zudem verminderte die Impfung das Risiko für jegliche Arten von Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses von 287 auf 106 pro 10 000 Frauen.

Auch beim Blick auf alle Studienteilnehmerinnen, HPV-infiziert oder nicht, verringerte eine Impfung bei 15- bis 26-Jährigen die Zahl derjenigen mit Läsionen durch HPV 16/18. 157 pro 10 000 erkrankten daran. Bei den Placebo-Kandidatinnen waren es 341. Älteren Frauen zwischen 25 und 45 Jahren verschafften die Impfstoffe hingegen keine Vorteile – vermutlich, weil die Frauen schon infiziert waren, folgern die Forscher. Die Cochrane-Mediziner betonen jedoch, dass keine der Studien lange genug lief, um die Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs zu untersuchen. Folgestudien seien notwendig.

 

In Deutschland hat sich die HPV-Impfung bislang nicht in der Breite durchgesetzt, auch wegen anhaltender Skepsis über mögliche Nebenwirkungen. 2015 waren nach Angaben des Robert-Koch-Instituts nur 45 Prozent der 17-jährigen Mädchen komplett dreimal geimpft. Der Metaanalyse zufolge ist die Sorge vor schweren Nebenwirkungen unbegründet: Deren Rate lag in allen Altersgruppen auf dem Niveau der Kontrollgruppe.

 

In Deutschland sind zurzeit zwei Impfstoffe ab einem Alter von neun Jahren zugelassen: Cervarix® gegen die beiden Hochrisikotypen 16 und 18 sowie Gardasil® 9 gegen insgesamt neun Virus­varianten. Weltweit gibt es jährlich etwa 528 000 Erstdiagnosen eines Zervixkarzinoms und etwa 266 000 Todesfälle aufgrund der Erkrankung. /

Mehr von Avoxa