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Pfefferminz- und Kümmelöl

Phyto-Kombination mit Evidenzgrad A

18.05.2016
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Von Christiane Berg, Hamburg / Mit einem pflanzlichen Kombi­nationspräparat aus Pfefferminz- und Kümmelöl lassen sich die Symptome funktioneller Magen-Darm-Beschwerden erfolgreich behandeln. Zudem ist die Therapie mit dem Phytotherapeutikum leitliniengerecht.

»Studiengemäß hat sich der symptomgerechte Einsatz von Pfefferminz- und Kümmelöl bei Reizdarm als effektiv erwiesen«, sagte Professor Dr. Ahmed Madisch, Hannover, auf einer Pressekonferenz der Dr. Willmar Schwabe GmbH. 

 

Der Gastroenterologe betonte, dass der pflanzlichen Wirkstoffkombination aus 90 mg Pfefferminzöl und 50 mg Kümmelöl (Carmenthin®) bei Schmerzen und Krämpfen in der aktuellen S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom der Evidenzgrad A und eine abgeschwächt positive Empfehlungsstufe (sollte oder kann) zugesprochen wird. Damit stehe es auf einer Stufe mit dem Spasmolytikum Mebe­verin.

 

Auch für Kinder

 

Carmenthin habe in klinischen Studien verglichen mit Placebo eine ­doppelt so hohe Reduktion der Reizdarmsyndrom (RDS)-assoziierten Beschwerden Flatulenz, Druck-, Schwere- und Völlegefühl gezeigt. »Als effektives Therapie-Modul fügt sich das Phytopharmakon gut in die bei RDS notwendigen multimodalen Behandlungskonzepte auch bei Kindern ein«, sagte der Referent. Die Wirkstoffkombination aus Pfefferminz- und Kümmelöl darf ab dem Alter von zwölf Jahren eingesetzt werden.

 

Ursache unbekannt

 

Schmerzen, Krämpfe, Blähungen, Durchfall und/oder Verstopfung: Das RDS ist von einer großen Symptom- Variabilität geprägt. Es werden zahlreiche Ursachen und individuelle Triggerfaktoren diskutiert. »Leitliniengerecht liegt ein Reizdarmsyndrom vor, wenn die RDS- typischen Beschwerden seit mindestens drei Monaten vorliegen und andere Erkrankungen ursächlich ausgeschlossen wurden«, konstatierte Professor Dr. Stephan Miehlke, Hamburg. Der Leiter des Magen-Darm-Zentrums am Universitätsklinikum Eppendorf informierte, dass bei RDS-Patienten nicht nur eine generell gesteigerte Darmmotilität beobachtet wird. 

Zudem sei festgestellt worden, dass viszerale Schmerzreize bei diesen Patienten zur Aktivierung anderer und größerer Hirnregionen als bei gesunden Kontrollpersonen führen. Bei ­vielen Betroffenen finde sich zudem eine erhöhte Innervation der Darm­mucosa. Ein verändertes Schleimhaut-Mediatorprofil könne zur Aktivierung des enterischen Nervensystems und der primär afferenten Nerven führen.

 

»Reizdarmbeschwerden entstehen häufig nach akuten Infektionen im Verdauungstrakt. Es kommt zur Hypersensibilität der Nerven im Darm, die bereits bei der geringsten psychischen oder physischen Reizung mit Schmerzsignalen und Krämpfen reagieren«, unterstrich Dr. Michael Harkenthal, Ettlingen, der die sich ergänzenden Wirkmechanismen des Phytopharmakons erklärte.

 

Synergistsiche Wirkung

 

Pfefferminzöl, so Harkenthal, aktiviert die Kältesensoren der Darmnerven. Dieses wiederum führe zur Beruhigung auch benachbarter Schmerz­sensoren und somit zur drastischen Reduktion ihrer Empfindlichkeit. Kümmelöl wirkt aktivitätshemmend auf gasbildende Bakterien, sodass Blähungen gemindert werden. Im Vergleich zu den einzelnen Phytotherapeutika, so Harkenthal, hat sich das Kombinations-Phytopharmakon mit Blick auf die Minderung abdomineller Schmerzen bei RDS als überlegen erwiesen. /

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