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Antiaging

Junges Blut tut gut

14.05.2014
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Das Blut von jungen Mäusen bewirkt bei älteren Tieren eine Verjüngung verschiedener Gewebe. Hierfür scheint der Wachstums-Differenzierungsfaktor-11 (GDF11) verantwortlich zu sein, wie ein US-amerikanisches Forscherteam in zwei »Science«-Publikationen berichtet. Dieses Protein ist bei jungen Mäusen in hoher Konzentration im Blut enthalten, mit steigendem Alter nimmt die Konzentration dann aber ab.

Im vergangenen Jahr konnte die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Amy Wagers von der Harvard University in Cambridge bereits zeigen, dass die tägliche Injektion von GDF11 über vier Wochen einen positiven Effekt auf Herzmuskelgewebe von Mäusen hatte: Herzhypertrophien bildeten sich zurück.

Nun legen die Forscher zwei weitere Studien vor: Eine untersuchte die Wirkung von GDF11 auf das Gehirn, die zweite auf das Muskelgewebe. In der ersten Untersuchung injizierten die Forscher Mäusen im Alter von 15 Monaten – was etwa der Lebensmitte der Tiere entspricht – das Protein täglich über einen Monat. Dadurch erhöhte sich das Volumen der Blutgefäße im Gehirn um 50 Prozent und die Zahl der Hirnstammzellen um 29 Prozent, schreiben die Forscher im Fachjournal »Science« (doi: 10.1126/science.1251141). Beides sind Faktoren, die bekanntermaßen die Gehirnfunktionen verbessern. In der zweiten Untersuchung behandelten die Forscher Tiere in einem Alter, das beim Menschen etwa 70 Jahren entspricht, auf die gleiche Weise. Dadurch verdoppelte sich die Muskelmasse der Mäuse und diese zeigte auch eine regelmäßige Anordnung der Muskelfasern, wie sie für junge Tiere typisch ist. Die behandelten Mäusesenioren schnitten auch in Ausdauertests besser ab als unbehandelte gleichaltrige Tiere. Sie verbrachten im Durchschnitt 57 Minuten im Laufrad im Vergleich zu 35 Minuten bei den Kon­trollen, berichten Wagers und Kollegen (doi: 10.1126/science.1251152).

 

Den Wissenschaftlern zufolge hat GDF11 ein hohes Potenzial, Muskel-, Herz- und Gehirngewebe zu erneuern. Bevor der Faktor in klinischen Tests untersucht werden kann, müsste aber noch einiges erforscht werden, zum Beispiel warum die GDF11-Konzentration mit dem Alter abnimmt. In drei bis fünf Jahren hoffen die Autoren aber, mit Untersuchungen am Menschen beginnen zu können.

 

Etwas schneller wollen ihre kalifornischen Kollegen von der Stanford University in der Klinik sein. Das Team um Tony Wyss-Coray und Saul Villeda verfolgt dabei eine anderen Ansatz: Sie injizieren älteren Tieren das Blutplasma von jungen. Nach acht Plasmainjektionen von drei Monate alten Mäusen hatten 18 Monate alte Tiere 20 Prozent mehr Dendriten ausgebildet als gleichaltrige mit Placebo behandelte Tiere. Außerdem schnitten die behandelten Tiere in zwei Gedächtnistests um etwa 50 Prozent besser ab, berichten die Forscher im Fachjournal »Nature Medicine« (doi: 10.1038/nm.3569). Sie planen nun eine erste klinische Studie, in der sie Alzheimer-Patienten das Blutplasma von jungen Freiwilligen injizieren wollen. Diese Untersuchung soll noch in diesem Jahr starten. /

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