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Noch mehr Qualität

15.05.2012
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Mehr als zwei Jahre dauerte die Odyssee – nun hat das Kabinett die Apothekenbetriebsordnung in der vergangenen Woche endlich durchgewunken. Zuvor hatte der Bundesrat noch einmal intensiv Hand angelegt und Änderungen eingefügt. Herausgekommen ist eine Verordnung, die »die Arzneimitteltherapiesicherheit erhöht, insbesondere bei der Arzneimittelherstellung und bei der Information und Beratung in den Apotheken«, wie es aus dem BMG heißt. Im Juni tritt das neue »Grundgesetz der Apotheken« in Kraft.

 

Die Stärkung der Individualapotheke, nach monatelangen Gedankenspielen in Richtung einer »weichgespülten« Offizin, ist absolut zu begrüßen. Weg von der »Apotheke light« und hin zum Bekenntnis für die inhabergeführte Apotheke – an dieser Kurskorrektur hat die ABDA dezidiert gearbeitet. Kritiker sprechen von »Klientelpolitik« – und vergessen geflissentlich, dass eine Apotheke ohne Notdienst, Labor und Rezeptur wohl kaum im Verbraucherinteresse läge. Für uns ist es nicht einmal eine Apotheke.

 

In der novellierten Betriebsordnung werden die Qualitätsstandards gestärkt; dazu gehört auch ein Qualitätsmanagementsystem (QMS), das alle Apotheken verpflichtend einführen müssen. Aber keine Angst vor unkalkulierbarer Bürokratie: Der Apothekenleiter muss ein QMS »entsprechend Art und Umfang der pharmazeutischen Tätigkeiten« betreiben. Die Selbstinspektion ist Pflicht, externe Kontrolle wird lediglich empfohlen.

 

Die Apotheker bieten schon heute ein sehr hohes Qualitätsniveau – allein schon durch ihre hoch qualifizierte Ausbildung. Wenn sich die ABDA bei der neuen Betriebsordnung für ein QMS in jeder Apotheke eingesetzt hat, so ist dies ein klares, zukunftsgerichtetes Bekenntnis zu noch mehr und vor allem für nachvollziehbare Qualität. Jeder Apothekeninhaber hat nun die Chance, ein eigenes QMS für seine Arbeitsprozesse zu erarbeiten und umzusetzen. Das kostet am Anfang Zeit und Kraft, zahlt sich aber aus, wenn man auf definierte Standards zurückgreifen kann. Wir sollten die neue Apothekenbetriebsordnung, auch wenn sie nicht perfekt ist, als Ansporn für ein Mehr an pharmazeutischer Qualität verstehen. Das ist das, was unsere Kunden von uns erwarten – nicht mehr und nicht weniger.

 

Damit ist im politischen Berlin ein großes, apothekenrelevantes Thema dieser Legislaturperiode vom Tisch. Bleibt noch das andere, große Thema: Die angemessene Honorierung für das, was Sie und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter täglich leisten. Die Politik hat die Notwendigkeit zum Handeln erkannt – allein ein klares Bekenntnis steht noch aus. Wir bleiben am Ball.

 

Heinz-Günter Wolf

Präsident der ABDA – Bundesvereiningung Deutscher Apothekerverbände

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