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Deutsche essen wissentlich ungesund

16.05.2006
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Ernährung

Deutsche essen wissentlich ungesund

von Conny Becker, Berlin

 

Ungesunde Ernährungsgewohnheiten greifen in Deutschland um sich. Schuld daran ist allerdings nicht das Unwissen, sondern die heutige Schnelllebigkeit, mangelnde Disziplin und mangelnder Wille. Dies ergab eine repräsentative forsa-Umfrage.

 

Etwa 14 Prozent der Männer und rund 12 Prozent der Frauen in Deutschland haben einen Body-Mass-Idex von mehr als 30 kg/m2 und sind somit übergewichtig. Andererseite leiden laut Schätzungen etwa 100.000 15- bis 30-jährige Deutsche an Magersucht. Bei dieser Ausgangslage ließ die Techniker Krankenkasse (TK) gemeinsam mit dem FAZ-Institut im März 1004 Personen über 14 Jahre telefonisch befragen, um mehr über das Ernährungsverhalten der Deutschen zu erfahren. Anschließend folgten drei Regionalbefragungen von je 500 Menschen.

 

»Das Ernährungswissen ist ausgesprochen gut«, sagte Dag-Uwe Holz vom FAZ-Institut bei der Vorstellung des Reports »Ernährungsrisiken« in Berlin. Frauen seien dabei in der Regel besser informiert, als Männer und Jugendliche, die häufiger angaben, fehlendes Wissen halte sie von einer gesunden Ernährung ab. Auch die guten Vorsätze fehlen laut der Umfrage nicht: Rund 60 Prozent der Befragten, wollen künftig mehr Obst und Gemüse essen und zucker- oder fetthaltige Nahrungsmittel sowie Fastfood und Fertiggerichte stärker meiden.

 

Die Realität sieht jedoch anders aus: Für das tägliche Essen nimmt sich kaum noch jemand genügend Zeit. Fast jeder Dritte liest beim Frühstück oder sieht beim Abendessen fern. Zudem nimmt der »Außer-Haus-Verzehr« stetig zu, obwohl noch immer die Mehrzahl der Deutschen am liebsten zu Hause isst. Bedenklich dabei ist, dass viele, vor allem Jüngere, zu Fastfood greifen. So geben 14 Prozent der befragten 14- bis 24-Jährigen an, mehr als dreimal in der Woche Fastfood zu essen.

 

Gründe für die zunehmende »Fastfood-to-go-Unkultur« beziehungsweise das ungesunde Ernährungsverhalten sind laut der Umfrage die fehlende Zeit, das fehlende Durchhaltevermögen sowie der fehlende Wille, sich gesünder zu ernähren. »Bemerkenswert ist dazu die Haltung der einkommensschwachen Familien: Sie geben mehrheitlich an, für gesunde Ernährung zu wenig Geld zu haben, liegen beim Fastfood-, Fleisch und Wurstkonsum aber weit vorn«, sagte Professor Dr. Norbert Klusen, Vorstandsvorsitzender der TK. Gerade diese Produkte seien jedoch nicht preiswert.

 

Da jeder Zehnte aber auch angibt, zu wenig über gesunde Ernährung zu wissen, muss weiter aufgeklärt werden. Die TK versucht hier auch den so genannten Setting-Ansatz: Sie geht in Betriebe, Schulen oder Kindergärten, um Menschen direkt in ihrem Lebensumfeld zu erreichen. So soll auch denjenigen mehr Wissen über gesunde Ernährung vermittelt werden, die aus eigenem Antrieb keine Informationen zur gesunden Ernährung einholen.

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