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Ocrelizumab

Gute Bewertung mit Wermutstropfen

08.05.2018
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Von Annette Mende / Ocrelizumab (Ocrevus®), ein neuer Antikörper, der zur ­Behandlung von Patienten mit Multi­pler Sklerose (MS) eingesetzt wird, ist vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung positiv beurteilt worden – mit einer Einschränkung.

 

Das IQWiG konnte in zwei Patientensubgruppen einen beträchtlichen Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie erkennen, nämlich bei Patienten mit nicht hochaktiver, schubförmiger Erkrankung (RMS), die unter 40 Jahre alt sind (Beleg), und bei Patienten, die trotz krankheitsmodifizierender Therapie unter hochaktiver RMS leiden (Hinweis). Für Patienten ab 40 mit nicht hochaktiver RMS ergab sich ein Beleg für einen geringen Zusatznutzen.

Bitter für Hersteller Roche dürfte ­allerdings sein, dass das IQWiG bei ­Patienten mit früher primär progredienter MS (PPMS) nicht nur keinen Zusatznutzen feststellte, sondern sogar einen Hinweis auf einen geringeren Nutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie, in diesem Fall bestmögliche unterstützende Behandlung (BSC). Roche hatte im Zusammenhang mit der Markteinführung besonders heraus­gestellt, dass Ocrevus das erste zugelassene Medikament zur Behandlung von Patienten mit PPMS ist. Das IQWiG kommt jedoch zu der Einschätzung, dass Ocrelizumab hinsichtlich der Krankheitsprogression keinen signifikanten Vorteil bringt, jedoch häufiger Reaktionen im Zusammenhang mit der Infu­sion auslöst. Somit steht für das Institut unter dem Strich eine negative Bilanz.

 

Ocrelizumab ist ein Antikörper, der gezielt an das Oberflächenprotein CD20 auf B-Zellen bindet. Dadurch werden ­B-Zell-vermittelte entzündungsfördernde Prozesse abgeschwächt. /

 

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