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IGeL

Die häufigsten bringen nichts

09.05.2018  09:49 Uhr

Von Anna Pannen / Deutsche Ärzte bieten ihren Patienten zu oft nutzlose Selbstzahlerleistungen an. So lautet das Fazit des IGeL-Reports 2018. IGeL steht für individuelle Gesundheitsleistung, also Untersuchungen, die nicht von den Kassen bezahlt werden. Der Medizinische Dienst des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen (MDS) bewertet sie regelmäßig für seinen IGeL-Monitor.

 

Diesmal hatte der MDS ein Marktforschungsinstitut damit beauftragt, die zehn am häufigsten angebotenen IGeL zu ermitteln. 2070 Versicherte wurden dafür befragt. Die Bilanz: Am häufigsten werden Patienten ausgerechnet jene Leistungen angeboten, die der Monitor negativ beurteilt.

 

So wurde 22 Prozent der Befragten eine Augendruckinnenmessung zur Glaukom-Früherkennung von ihrem Arzt offeriert, 19 Prozent der Frauen ein Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung. Beide Untersuchungen sind laut IGeL-Monitor nutzlos oder sogar schädlich. »Die IGeL-Angebote orientieren sich nicht am nachgewiesenen medizinischen Nutzen«, sagte MDS-Geschäftsführer Peter Pick. Jeder dritte Befragte habe außerdem angegeben, sich zur Behandlung gedrängt gefühlt zu haben.

 

Der Berufsverband der Frauenärzte dagegen erklärte, man dürfe IGeL nicht verdammen. Schon früher habe der MDS sinnvolle Untersuchungen negativ bewertet, wohl aus Angst vor den Folgekosten, so Verbandschef Christian Albring. Später seien sie dann doch noch in die Regelversorgung aufgenommen worden. Außerdem fielen beim MDS oft genau jene Untersuchungen durch, die laut Leitlinien empfohlen werden. /

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