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Teure Gerinnungshemmer

Regierung will nicht eingreifen

06.05.2015
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Von Anna Hohle / Die Linke hatte kürzlich die Verschreibungshäufigkeit von neuen oralen Gerinnungshemmern (NOAK) bemängelt. Die Präparate seien nicht besser als ältere Medikamente, dabei aber sehr viel teurer, so die Partei. Die Bundesregierung hat nun jedoch klargestellt, dass es Sache des Arztes sei, welches Präparat er verschreibt.

NOAK sind teuer und sorgen für hohe Kosten im Gesundheitssystem. Das bestätigt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken. Die Partei hatte Ende März wissen wollen, wie sich die häufige Verschreibung der NOAK Rivaroxaban (Xarelto®), Dabigatran (Pradaxa®) und Apixaban (Eliquis®) auf die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auswirkt. Antwort der Regierung: Die GKV-Ausgaben für Gerinnungshemmer steigen seit Jahren. Gaben die Kassen 2008 noch rund 68 Millionen Euro für diese Medikamente aus, waren es 2014 bereits 675 Millionen Euro – fast zehnmal so viel.

Die Linke hatte in ihrer Anfrage vor allem die immer häufigere Verschreibung von Rivaroxaban kritisiert. Das Mittel sei viel teurer als ältere Alternativen wie etwa Phenprocoumon (Marcumar® und Generika), obwohl seine Überlegenheit gegenüber etablierten Therapien nicht belegt worden sei.

 

Aggressive Werbung

 

Die Partei macht vor allem aggressive Werbung des Herstellers Bayer für die Verschreibungshäufung verantwortlich. Auch sei unklar, ob Rivaroxaban nicht sogar gefährlich sei. Schließlich sei das Medikament immer wieder mit Todesfällen in Verbindung gebracht worden und es gebe bislang kein spezifisches Antidot, so die Linken.

 

Die Bundesregierung will in Sachen Rivaroxaban jedoch nicht eingreifen. Die NOAK hätten durch Fachgremien wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und die Europäische Arzneimittelagentur allesamt ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis bescheinigt bekommen, heißt es in der Antwort. Keiner der Verdachtsfälle im Zusammenhang mit diesen Arzneien sei belegt worden.

 

Auch sei ein Anstieg der Verdachtsmeldungen nicht verwunderlich, wenn auch die Verordnungszahlen steigen oder die Indikationen erweitert werden. »Aus den dem BfArM vorliegenden Meldungen ergibt sich aktuell kein neuer Handlungsbedarf«, so die Regierung. Rivaroxaban sei zuletzt im Oktober positiv durch das Institut bewertet worden.

 

Auch stimme es nicht, dass für Rivaroxaban kein Gegenmittel existiert. Die Wirkung lasse sich wie bei den traditionellen Gerinnungshemmern mit Prothrombinkonzentrat aufheben. Zwar bestätigt die Regierung, dass die durchschnittlichen Monatskosten von Rivaroxaban mit rund 100 Euro die von Phenprocoumon (knapp 5 Euro) bei Weitem übersteigen. Die Bundesregierung werde deswegen jedoch nicht in die ärztliche Therapiefreiheit eingreifen, heißt es in der Antwort.

 

Leichtere Handhabung

 

Auch könne man aus der Tatsache, dass einem Medikament keine Überlegenheit gegenüber anderen Therapien bescheinigt wurde, nicht automatisch schließen, dass es für die Patienten keinen Vorteil hat. Rivaroxaban etwa ist für Patienten weit unkomplizierter zu handhaben als etwa Phenprocoumon, weil die regelmäßigen Blutentnahmen zur Kontrolle des Gerinnungsstatus entfallen.

 

Ob das ein Vorteil für einen Patienten sei, müsse im Einzelfall ein Arzt entscheiden, so die Regierung. Ganz generell sei es nicht ihre Aufgabe, sich in Diskussionen um medikamentöse Therapieempfehlungen einzubringen. Das sei Sache der wissenschaftlichen Fachöffentlichkeit.

 

Linken-Gesundheitsexpertin Kathrin Vogler zeigte sich enttäuscht von der Antwort. Die Regierung ignoriere warnende Hinweise, so die Politikerin. Die Mehrkosten für die immer häufiger verschriebenen NOAK müssten letztlich die Versicherten tragen. /

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