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Diabetes

Neues Hormon, neue Betazellen

07.05.2013  14:23 Uhr

Von Sven Siebenand / Ein Hormon, das die Neubildung von insulinproduzierenden Betazellen im Pankreas steigert, haben Forscher des Harvard Stem Cell Institutes in Cambridge, USA, entdeckt. Dieses könnte die Diabetes-Behandlung möglicherweise deutlich vereinfachen. Sowohl Typ-2-Diabetiker als auch Typ-1- Diabetiker könnten vom Hormon Betatrophin profitieren.

Betatrophin wird vor allem in der Leber, in geringerem Ausmaß aber auch im Fettgewebe gebildet, und ins Blut abgegeben. Bei Untersuchungen an zuckerkranken Mäusen konnte durch Injektion des Gens für Betatrophin in die Leber der Tiere die Neubildung von Betazellen innerhalb einer Woche um das 30-Fache erhöht werden. Dies berichtet das Team um Douglas A. Melton und Peng Yi im Fachjournal »Cell« (doi: 10.1016/j.cell.2013.04.008). Damit nicht genug: Die neuen Betazellen reagierten auf erhöhten Blutzucker mit der Sekretion von Insulin, sodass sich der Blutzuckerwert wieder normalisierte.

Die US-Stammzellforscher geben zu bedenken, dass bis zu einer Anwendung beim Menschen noch viele Hürden zu nehmen sind. Eine davon ist bereits bewältigt. Die Wissenschaftler wiesen nach, dass das Gen für Betatrophin auch beim Menschen vorkommt. Es ist auf dem Chromosom 19 lokalisiert. Betatrophin gentechnisch herzustellen, wäre wahrscheinlich kein Problem.

 

Hormontherapie gegen Diabetes

 

Melton hält es für denkbar, dass Diabetiker sich künftig nicht mehr mehrmals täglich Insulin injizieren müssen, sondern nur noch einmal wöchentlich oder monatlich, möglicherweise nur einmal pro Jahr, Betatrophin spritzen werden, um damit die Bildung neuer Betazellen anzukurbeln. Das müsste die glykämische Kontrolle vor allem bei Typ-2- Diabetikern erleichtern. Solange der Autoimmunprozess noch nicht alle Betazellen zerstört hat, ist Betatrophin Melton zufolge auch für Typ-1-Diabetiker eine mögliche Option. Zumindest die Progression der Autoimmunerkrankung ließe sich verlangsamen. Melton hält es für möglich, dass sich Betatrophin schon in drei bis fünf Jahren in klinischen Studien befindet.

 

Das Hamburger Biotech-Unternehmen Evotec hat sich im Jahr 2011 die Rechte an dem Hormon und allen Therapien, die sich daraus entwickeln lassen, gesichert. /

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