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Sammlung Prinzhorn

Von Kirchner bis heute

09.05.2011
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Von Ulrike Abel-Wanek, Heidelberg / Der Arzt Hans Prinzhorn trug zwischen 1919 und 1921 mehr als 5000 Kunstwerke von Anstaltsinsassen der psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg zusammen und schaffte damit die Grundlage für die heutige Sammlung Prinzhorn. In diesem Jahr feiert sie ihr 10-jähriges Jubiläum mit einer umfangreichen Ausstellung.

Schon immer ließen sich Künstler inspirieren von den unkonventionellen Werken der sogenannten »Irrenkunst«. 1922 veröffentlichte Prinzhorn das Buch »Bildnerei der Geisteskranken«, das zur »Bibel« vieler Maler wurde. Expressionisten wie Ernst Ludwig Kirchner äußerten sich enthusiastisch über den »authentischen Ausdruck«, das »Wahre und Echte«, das er in den Arbeiten der Psychiatrie-Patienten sah.

Die jetzige Jubiläumsausstellung dokumentiert den großen Einfluss, den »pathologische Kunst« auf Künstler hatte. Alfred Kubin ebenso wie Paul Klee und Max Ernst bewunderten »Intuition und Schöpferkraft«, die von den Bildern ausging . Neuere »Klassiker« wie Georg Baselitz und Richard Lindner entdeckten die »Kunst der Irren« nach dem Zweiten Weltkrieg für sich, wenn auch zunächst nur durch die Prinzhorn-Veröffentlichung und andere Publikationen.

 

Erst ab 1980 brachten verschiedene Wanderausstellungen die Bilder auch direkt zum Betrachter und machten den Heidelberger Fundus und seine Schätze nach und nach bekannter. Auf die Initiative von Lindner, der die Sammlung immer wieder besuchte, kam 1984 auch eine Ausstellung in Chicago zustande.

 

Mittlerweile nutzen viele Kunstschaffende das Museum im umgebauten Hörsaalgebäude der Klinik für Allgemeine Psychiatrie in Heidelberg, um die Originale intensiv zu studieren. Junge Künstler, die die Sammlung Prinzhorn regelmäßig besuchten, so Museumsleiter Dr. Thomas Rösler, hätten dabei nicht mehr nur die Kunst selbst im Blick. Erforscht würde zunehmend auch Fragen nach ihrer Relevanz für die Gegenwart sowie gesellschaftliche und kulturelle Zusammenhänge.

 

Immer wieder andere Aspekte der eigenwilligen Arbeiten der historischen Anstaltsinsassen fanden Eingang in die Werke berühmter und weniger berühmter Künstler. So hat die Sammlung der »Outsider« heute einen festen und wichtigen Platz in der Kunstgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts und macht sie auch vor diesem Hintergrund sehr sehenswert. /

Von Kirchner bis heute

Künstler reagieren auf die Sammlung Prinzhorn.

Universitätsklinikum Heidelberg

Voßstraße 2

Geöffnet: Di bis So, 11 bis 17 Uhr, Mi 11 bis 20 Uhr.

An der Jubiläumsausstellung beteiligen sich mehrere Häuser in Heidelberg. Informationen: www.prinzhorn.uni-hd.de.

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