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Zuckergefahr für das Ungeborene

06.05.2008
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Zuckergefahr für das Ungeborene

Von Brigitte M. Gensthaler, München

 

Nicht erst ein manifester Diabetes in der Schwangerschaft, sondern bereits erhöhte Blutzuckerwerte der Mutter gefährden das Ungeborene.

 

Dies ergab das »Hyperglycemia and Adverse Pregnancy Outcome«-Projekt. Die Ergebnisse der HAPO-Studie sind weltweit übertragbar, da Mütter verschiedener Ethnien in die Untersuchung einbezogen worden waren, erklärte Studienleiter Professor Boyd E. Metzger aus Chicago beim Diabetes-Kongress in München. An der Studie nahmen 23.316 Frauen teil, die sich in der 24. bis 32. Schwangerschaftswoche einem oralen Glucose-Toleranztest (OGTT) unterzogen hatten. Der Blutzucker im venösen Plasma wurde nüchtern sowie eine und zwei Stunden nach dem Test gemessen. Frauen mit manifestem Diabetes kamen sofort in Behandlung und wurden nicht in die Studie aufgenommen.

 

Bei den anderen Frauen wurde verfolgt, ob die Glucosewerte den Nachwuchs beeinflussten. Je nach Messergebnis wurden sieben Gruppen gebildet. Primäre Zielparameter waren ein erhöhtes Geburtsgewicht, Kaiserschnittrate, neonatale Hypoglykämie und Insulinspiegel im Nabelschnurblut. Die Hälfte der Frauen hatte niedrige oder normale Werte an allen drei Messzeitpunkten, berichtete Metzger.

 

Je höher der Blutglucosespiegel war, umso höher war das Risiko, ein schwergewichtiges Baby zur Welt zu bringen. Der Anteil stieg von 5 auf 25 Prozent von der niedrigsten im Vergleich zu der höchsten Glucosegruppe. Mit zunehmenden Zuckerspiegeln nahmen die Kaiserschnittrate und die Insulinspiegel des Neugeborenen zu. Eine Hypoglykämie beim Baby trat vor allem bei den Frauen auf, deren 1-Stunden-Werte im OGTT erhöht waren. »Es gibt eine klare und kontinuierliche Assoziation zwischen der mütterlichen Blutglucose und Geburtskomplikationen. Das Risiko für das Kind steigt bereits bei moderat erhöhten und nicht erst bei pathologischen Zuckerwerten«, fasste Metzger zusammen. Jetzt müsse diskutiert werden, welche Blutzuckerspiegel als normal und welche als risikobehaftet eingestuft werden müssen. Für den Kieler Diabetologen Dr. Helmut Kleinwechter unterstreichen die HAPO-Ergebnisse die schon lange bestehende Forderung deutscher Ärzte, den OGTT in die Mutterschaftsrichtlinien aufzunehmen. Bislang bezahlen die Krankenkassen den Test für Frauen ohne Warnzeichen oder Vorbelastung nicht.

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