Pharmazeutische Zeitung online
Anti-Faltentherapie

Füllstoffe statt Facelifting mit Skalpell

07.05.2007
Datenschutz bei der PZ

Anti-Faltentherapie

Füllstoffe statt Facelifting mit Skalpell

Von Marion Moers-Carpi

 

In den vergangenen zehn Jahren haben nicht invasive, ästhetisch dermatologische Therapien wie die Faltenbehandlung mit Botulinumtoxin oder die Faltenauffüllung mit synthetischen, biologischabbaubaren und permanenten Füllstoffen immer häufiger das klassische Facelifting mit dem Skalpell ersetzt.

 

Fünf »S« charakterisieren diesen Trend in der Anti-Faltentherapie: Frauen wollen Therapiekonzepte, die sie selbst involvieren, die möglichst sanft, schnell und sicher sind sowie superlange anhalten. Diesen Anforderungen werden nicht invasive Faltentherapien, die in der dermatologischen Praxis durchgeführt werden können, in Kombination mit kosmetischen Pflegeprodukten zunehmend gerecht. Nicht invasive Faltenbehandlungen mit Botulinumtoxin und Fillern zeigen ein überproportionales Wachstum im Markt der Schönheitsoperationen. Von 2003 bis 2004 stieg der Anteil der Faltenbehandlungen laut Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland (GÄCD) hierzulande von 41.000 auf 68.000. Botoxbehandlungen nahmen von 25.400 auf 35.300 zu, Faltenauffüllungen mit Fillern von 15.200 auf 25.900. Männer stellen dabei mittlerweile rund 15 Prozent der Patienten.

 

Diese Daten zeigen einen gewissen Wachstumstrend, sind jedoch unvollständig, da die Statistik der GÄCD auf Befragung von rund 400 Mitgliedern der Gesellschaft beruht. Es ist jedoch davon auszugehen, dass wesentlich mehr Ärzte unterschiedlichster Fachrichtungen diese nicht invasiven Behandlungen vornehmen.

 

Die altersmäßig größte Gruppe sind die 35- bis 50-Jährigen, auf die fast die Hälfte der Eingriffe entfallen, weitere 24 Prozent aller Eingriffe werden bei den 51- bis 64-Jährigen vorgenommen. Auch die Altersgruppe von 19 bis 34 Jahren stellt knapp ein Viertel der Patienten. Rund 5 Prozent sind 65 Jahre und älter.

 

Faltenanamnese und Diagnostik

 

Wie bei jeder Therapie stehen auch bei der Behandlung von Falten die Anamnese und Diagnostik zunächst im Mittelpunkt. Sie helfen, endogene und äußere Faktoren der Hautalterung zu unterscheiden und den Patienten gegebenenfalls Hinweise auf lebensstilbedingte Hautalterungsfaktoren zu geben. Diese können die Langzeitwirkung einer Anti-Faltentherapie maßgeblich beeinflussen. Beispiele sind unter anderem Nikotinkonsum, zu geringe Flüssigkeitsaufnahme oder übermäßige UV-Exposition.

 

Die Klärung des Faltentyps determiniert die dermatologische Faltentherapie. Bei mimischen Falten wie der Zornesfalte oder bei Krähenfüßen sind Behandlungen mit Botulinumtoxin A, teilweise in Kombination mit Fillersubstanzen, angezeigt. Bei Mikro-Reliefveränderungen sind neben adäquaten Hautpflegeprogrammen chemische Peels oder Mikrodermabrasionsverfahren indiziert; periorale und nasolabiale Falten und Degenerationsdefekte des Bindegewebes sind die Domäne der Faltenaugmentation mit Fillersubstanzen.

 

Behandlung mit Fillersubstanzen

 

Die Faltenbehandlung mit Fillersubstanzen ist in der Regel sanft, schnell und sicher. Voraussetzung ist, dass die Applikation des Füllmaterials in geeigneter Menge, mit geeigneter Applikationstechnik und in die richtige Hautschicht erfolgt. Die injizierbaren Füllstoffe lassen sich unterteilen in:

 

Biologisch abbaubare Füllstoffe

Kollagen (bovin, porcin, humangenetisch hergestellt),

Hyaluronsäure (früher animalisch, heute fermentativ hergestellt),

Calcium-Hydroxylapatit,

Eigenfett,

Plasma-Gel,

eigene Fibroblasten,

Polyvinylalkohol,

Poly-Milchsäure

 

Synthetische Füllstoffe

Silicon,

PMMA (Artecoll®),

Acrylhydrogel (DermaLive®),

Polyacrylimid (Bio-Alcamid®),

Polytetrafluorethylen,

Aptos-Fäden

 

Vor einer Filling-Injektion mit Kollagen sollte eine Probe-Injektion erfolgen, um allergische Reaktionen auszuschließen. Die meisten Füllstoffe haben ein sehr geringes allergenes Potenzial. Bei Patienten mit anamnestisch nachgewiesener Neigung zu Allergien hat sich die Faltenaugmentation mit Plasma-Gel bewährt.

 

Plasma-Gel wird aus dem Eigenblut der Patientin gewonnen, hat daher ein sehr geringes allergenes Potenzial und ist kostengünstig. Der Grund: In einer Sitzung kann viel Material gewonnen, appliziert und der Überschuss auch über einen längeren Zeitraum gekühlt für sogenannte Touch-up-Injektionen in einem speziellen Tiefkühlschrank aufbewahrt werden.

 

Eine weitere besonders verträgliche, nebenwirkungsarme Füllsubstanz ist die Hyaluronsäure. Hyaluronsäure ist ein Polysaccharid, das als Hauptbestandteil der Glykosaminoglykane im ganzen Körper vorhanden ist. Die Hälfte der Gesamtmenge an Hyaluronsäure befindet sich jedoch in der Haut. Biomedizinische Anwendungsgebiete der Hyaluronsäure sind neben der Dermatologie die Opthalmologie und Orthopädie.

 

Hyaluronsäure zeichnet sich durch ein extrem hohes Feuchtigkeitsbindungsvermögen aus. Durch die Injektion werden der Gewebedruck und das Feuchtigkeitsbindungsvermögen in den behandelten Arealen erhöht.  Im Rahmen einer ästhetisch-kosmetischen Behandlung wird dadurch eine relativ lang anhaltende Faltenminimierung erreicht.

 

Aufgrund der Tatsache, dass die Hyaluronsäure stabilisiert und quervernetzt wird, ist sie als Faltenauffüllsubstanz länger haltbar. Die Quervernetzung ist bei den unterschiedlichen Hyaluronsäureprodukten unterschiedlich und für die Haltbarkeit verantwortlich.

 

Calcium-Hydroxylapatit als Alternative

 

Calcium-Hydroxylapatit (Radiesse®) ist eine neue, naturidente, biologisch abbaubare Füllsubstanz. Sie ist besonders geeignet zur Behandlung von Nasolabialfalten, perioralen Falten und Falten im Stirnbereich (Glabella) sowie zur Volumenaugmentation im Bereich von Kinn und Wangen.

 

Das Produkt nutzt eine neue MicrosphereTM Technology, die das Wachstum von Bindegewebe mit einem hohen Kollagen-Gehalt und natürlich aussehende, lang anhaltende Effekte fördert. Es besteht aus weichen Calcium-Hydroxylapatit (CaHA)-Partikeln, die in einer Gel-Trägersubstanz gelöst sind.

 

Im Rahmen einer klinischen Split-face-Studie wurde die Langzeitwirkung eines Hyaluronsäure-Fillers (Restylane®) und von CaHA (Radiesse®) bei der Behandlung von Nasolabialfalten beurteilt. Dazu bekamen 50 Probanden mit Nasolabialfalten der Tiefe 3 beziehungsweise 4 analog des international eingesetzten Faltenscores (WSRS) randomisiert CaHA in die Nasolabialfalte einer Gesichtshälfte und Hyaluronsäure in die Nasolabialfalte der anderen Seite injiziert.

 

Vor der Behandlung und bei jedem folgenden Praxisbesuch wurden die Ergebnisse photographisch dokumentiert. Das Studienprotokoll schrieb zwei Injektionen mit einem zeitlichen Abstand von drei Monaten zur optimalen optischen Korrektur der Falten vor. Die Menge der verwendeten Füllsubstanz je Nasolabialfalte wurde sowohl bei der initialen Injektion als auch nach der Auffrischungsinjektion dokumentiert.

 

Unabhängige Gutachter beurteilten die Nasiolabialfalten drei Monate nach der Erstinjektion und erneut  nach erfolgter Zweitinjektion sowie nach sechs, neun und zwölf Monaten. Die Ergebnisse belegen, dass die ästhetisch-kosmetische Verbesserung in der mit CaHA behandelten Nasolabialfalte signifikant besser und lang anhaltender war.

 

Darüber hinaus benötigten die mit CaHA behandelten Patienten durchschnittlich 30 Prozent weniger Füllersubstanz, um die besseren kosmetisch-ästhetischen Ergebnisse zu erzielen. Beide Füllersubstanzen waren sicher und wurden von den Patienten gut vertragen. Bei beiden wurden keine ernsthaften Nebenwirkungen beobachtet.

 

Topisch applizierte Hyaluronsäure

 

Um die Wirksamkeit und Verträglichkeit von topisch applizierter Hyaluronsäure zu beurteilen, wurde eine Untersuchung mit 24 Probandinnen (Durchschnittsalter 48,6 Jahre) durchgeführt. Sie applizierten zweimal täglich ein Hyaluronsäure-haltiges Pflegeprodukt (Eucerin® Hyaluronfiller).

 

Die klinische Bewertung der Hautsymptome Falten, Trockenheit, Spannungsgefühl, Rötung, Teleangiektasien und Porenvergrößerung erfolgte vor Behandlungsbeginn, nach zwei und nach vier Wochen. Die Befunde wurden mittels eines computerbasierten Fotoanalysesystems dokumentiert.

 

Insbesondere bei den Hautsymptomen Trockenheit, Spannungsgefühl und Falten konnte eine hochsignifikante klinische Verbesserung des Hautbildes objektivierbar nachgewiesen werden. Die Verträglichkeit wurde als ausgezeichnet eingestuft. Positiv war dabei auch der Sofort-Effekt: Bereits nach 15 Minuten war ein deutlich verbessertes kosmetisches Erscheinungsbild sichtbar.

Anschrift der Verfasserin:

Dr. Marion Moers-Carpi

hautok und hautok cosmetics

Residenzstraße 7

80333 München

Mehr von Avoxa