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Verband kritisiert »Pseudodebatten«

12.05.2006
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Generika

Verband kritisiert »Pseudodebatten«

von Thomas Bellartz, Berlin

 

Der Verband »Pro generika« hat am Dienstag in Berlin die »Pseudodebatten« kritisiert, die auch die deutschen Generikahersteller in Misskredit gebracht hätten. Geschäftsführer Hermann Hoffmann erneuerte seine Kritik am AVWG.

 

Die Arzneimittelpolitik in Deutschland werde von Pseudodebatten dominiert, die nicht zur Problemlösung beitragen, so Hoffmann. Dies führe zu Fehleinschätzungen und falschen politischen Reaktionen; auch das verdeutliche das AVWG. »Mit diesem ersten gesundheitspolitischen Gesetz der Großen Koalition werden die Kostensenker bestraft, während die Kostentreiber ungeschoren davon kommen«, nahm Hoffmann die eigene Verbandsklinetel in Schutz und gab den schwarzen Peter an die Hersteller der Originalpräparate, aber auch an den Gesetzgeber weiter.

 

Scharfe Kritik richtete Hoffmann gegen den Unions-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Volker Kauder (CDU), der »unwahre Behauptungen interessierter Dritter über angeblich zu teure Generika« übernommen habe. »Hier wäre Nachdenken klüger gewesen als Nachplappern.« Die Generikapreise in Deutschland bewegen sich nachweislich im europäischen Durchschnitt«, sagte Hoffmann.

 

Allein 2005 hätten die gesetzlichen Krankenkassen laut Pro Generika 3,4 Milliarden Euro gespart, weil statt teurer Erstanbieterpräparate die wirkstoffgleichen preisgünstigeren Generika verordnet worden sind. Verschenkt worden seien hingegen rund 1,1 Milliarden Euro, bei denen dem teureren Erstanbieterpräparat der Vorzug gegeben worden sei. Ein Blick auf die Entwicklung der GKV-Arzneimittelausgaben im ersten Quartal 2006 belege, wer für die Ausgabensteigerungen verantwortlich sei. Während der generikafähige Markt moderat um 1,9 Prozent gewachsen sei, seien die Ausgaben im Nicht-Generika-Markt um 15,6 Prozent hochgeschnellt. Die mit dem AVWG eingeführten Steuerungsinstrumente sind nach Auffassung von Pro Generika ungeeignet, die Ausgabendynamik zu bremsen. Die Bonus-Malus-Regelung sei nicht nur ethisch bedenklich, sie beruhe auch auf einer untauglichen Berechnungsbasis.

 

Die Freistellung von der Zuzahlung laufe aufgrund der drastischen Festbetragsabsenkungen weitestgehend ins Leere. Stattdessen forderte Pro Generika, die Zuzahlung der Versicherten zu Arzneimitteln durchgängig auf 10 Prozent umzustellen. »Wenn die Mindestzuzahlung von fünf Euro wegfällt, werden preisgünstige Arzneimittel auch für die Patienten preiswerter. Das setzt die richtigen Anreize«, betonte Hofmann.

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